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| 18:22 Uhr

Neue Sonderausstellung eröfnet
Ein anderer Blick auf Liebknecht

Das Interesse an der Sonderausstellung zu Karl Liebknecht ist groß. Gestern wurde sie im Niederlausitz-Museum in Luckau eröffnet.
Das Interesse an der Sonderausstellung zu Karl Liebknecht ist groß. Gestern wurde sie im Niederlausitz-Museum in Luckau eröffnet. FOTO: Andreas Staindl
Luckau. Neue Sonderaustellung im Niederlausitz-Museum in Luckau Von Andreas Staindl

Wer dachte, schon alles über Karl Liebknecht zu wissen, der wurde am Sonntagnachmmitag eines Besseren belehrt. Die Sonderausstellung in Luckau zeigt Neues. Sie ermöglicht einen anderen Blick auf den prominenten Marxist und Antimilitarist Karl Liebknecht.

„Einige werden vielleicht Bekanntes erwarten“, vermutet Marina Gadomski. „Wir wollen jedoch nicht Altbekanntes neu präsentieren, sondern Karl Liebknecht mal anders zeigen. Die neue Schau zeigt Beziehungen zwischen ihm und Luckau.“ Die Leiterin des Museums hofft damit, Diskussionen auch gerade in der Berstestadt anzuschieben. Gestern Nachmittag wurde die Schau eröffnet. Das Interesse war groß. Etwa 40 Leute waren in das Niederlausitz-Museum in Luckau gekommen.

Sie wurden von Burghard Ciesla in die Ausstellung eingeführt. Der Historiker, Journalist und Buchautor ist der Kurator der Schau. „Verurteilt. Verherrlicht. Vergessen? Karl Liebknecht in Luckau“. Die Ausstellung will nicht nur Karl Liebknecht als Person seiner Zeit betrachten, sondern vor allem das Bild, das von ihm vermittelt wurde oder vermittelt werden sollte. Liebknecht (1871 bis 1919) ist vielen Menschen in Luckau noch in Erinnerung, zumindest als Person der Zeitgeschichte. Nach dem Traditionsverständnis der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED) war er ein Märtyrer des Sozialismus. Karl Liebknecht erhob seine Stimme gegen den Militarismus noch vor Beginn des Ersten Weltkriegs. Weil er das als einer der Wenigen damals getan und gegen die Kriegsfinanzierung gestimmt habe, „verdient es Anerkennung über alle politischen Grenzen hinweg“, wie Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) sagt: „Ich bin froh, dass ich Krieg nur vom Hörensagen kenne.“

Liebknecht hatte dieses Glück nicht. Er wurde Mitten im Ersten Weltkrieg wegen Hochverrats von 1916 bis 1918 im Zuchthaus in Luckau eingesperrt. Das führte später zu einer verklärten Erinnerung in der DDR, zu einer ausgeprägten Erinnerungskultur in der Kleinstadt. Am Ort seiner Inhaftierung wurde die erste Gedenkstätte eingerichtet. Der Karl Liebknecht Zelle folgte 1969 das Karl Liebknecht Denkmal auf dem Marktplatz. 1978 wurde die Karl Liebknecht Gedenkstätte in der Langen Straße 71 eröffnet. Das Denkmal wurde 1992 an die Stadtmauer umgesetzt. Eine Zurücksetzung auf den Markplatz ist kein Thema der aktuellen Diskussion über die Umgestaltung des Platzes, wie der Bürgermeister sagt.

Die jetzt eröffnete Ausstellung allerdings beschäftigt sich mit dem Denkmal. Wie hätte es noch aussehen können? Auch der Frage, wer die Gedenkstätte besuchte, wird nachgegangen. Die Schau versucht, auch Antworten zu geben, warum Liebknechts Haftzeit in Luckau in einer Fernsehproduktion in der DDR verheimlicht wurde. Burghard Ciesla hat die Sonderausstellung in drei Bereiche gegliedert. Zu sehen ist auch die Zuchthauszelle, jedoch nur symbolisch. Der Kurator habe während seiner Recherchen für die Schau gemerkt, „dass die Luckauer mit ihrem Liebknecht-Denkmal moderater als andere Städte umgegangen sind“. Er habe jedoch einiges Interessante zur „Bilderstürmerei“ herausgefunden.

Der eine oder andere Bürger findet sich vielleicht sogar wieder auf den Zeitdokumenten in den Ausstellungsräumen im Museum. Mit Bildern und in Texten vor allem, aber auch mit anderen spannenden Exponaten, auch mit historischen Videos, wird der Blick mal gänzlich anders auf Karl Liebknecht gelenkt. Für den Kurator war der Marxist „ein Politiker der Straße und wurde vielleicht deshalb, anders als Rosa Luxemburg, nicht richtig gewürdigt. Dabei hatte er nur mit anderen Mitteln gekämpft.“

Die Sonderausstellung „Verurteilt. Verherrlicht. Vergessen? Karl Liebknecht in Luckau“ ist bis zum 14. April 2019 im Niederlausitz-Museum in Luckau zu sehen. Geplant sind unter anderem zwei Filmabende mit den beiden DEFA-Filmen „Solange Leben in mir ist“ von 1965 und „Trotz alledem“ von 1972 in der Kulturkirche.