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| 16:44 Uhr

Kultur
Die spitze Feder in Frauenhänden

Die Zeichnerinnen  Marion Vina aus Göttingen, Hogli (Amelie Holtfreter-Glienke) sowie Katharina Greve (v.l.) aus Berlin bei der Vernissage.
Die Zeichnerinnen  Marion Vina aus Göttingen, Hogli (Amelie Holtfreter-Glienke) sowie Katharina Greve (v.l.) aus Berlin bei der Vernissage. FOTO: Birgit Keilbach
Luckau. Neue Ausstellung im Cartoonmuseum Brandenburg zeigt Arbeiten von 21 Künstlerinnen. Von Birgit Keilbach

Greifen Zeichnerinnen in ihren Karikaturen, Cartoons und Installationen satirisch andere Themen auf als Männer? Antwort darauf will die neue Ausstellung im Cartoonmuseum Brandenburg in Luckau geben. 21 Künstlerinnen aus ganz Deutschland beteiligen sich. Rund 150 Arbeiten sind unter dem Motto „Frauensache?!“ zu betrachten. Am Samstag wurde sie eröffnet.

Drei Gründe nannte der Geschäftsführer der Cartoonlobby und Museumsleiter, Andreas Nicolai, warum er eine Ausstellung mit ausschließlich von Frauen gefertigten satirischen Werken initiierte. Erstens habe es Anregungen von Besucherinnen gegeben, der Frauentag sei ein geeigneter Anlass dafür. Zweitens rückte die aktuelle gesellschaftliche Debatte zu Sexismus-Vorwürfen, Geschlechterrolle und Gleichberechtigung die Idee in den Fokus, dies einmal aus weiblichem Blickwinkel betrachtet darzustellen. „Drittens treffe ich immer wieder auf das Vorurteil, dass es keine Frauen unter den Karikaturisten gibt“, erläuterte Andreas Nicolai. Im bundesweiten Verein Cartoonlobby seien sie mit 13 von rund  90 Mitgliedern zwar eine Minderheit, doch sie mischten sich satirisch in die gesellschaftlichen Debatten ein. „Mit unserem Projekt wollen wir eine Wahrnehmung dafür schaffen, welche Arbeit die Kolleginnen leisten“, sagte der Vereinsgeschäftsführer.

Dabei sehen Frauen Themen auf ganz eigene Weise. Angelehnt an die Geschichte vom Suppenkaspar des Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmann wird die Geschichte der „Suppen-Karla“ erzählt, die sich auf Model-Maße hungert und schließlich als Strich-„Frauchen“ auf dem Laufsteg agiert. Frauen greifen gleichermaßen politische Themen auf, zum Beispiel das Thema Waffen in den Händen amerikanischer Kinder.

Marion Vina war aus Göttingen zur Ausstellungseröffnung angereist, Hogli (Amelie Holtfreter-Glienke) und Katharina Greve aus Berlin. „Ich bin zuerst einmal Mensch und dann Frau“, erklärte Letztere zur Diskussion im Vorfeld der Ausstellung, ob es legitim sei, sich an einem „Randgruppenprojekt“ zu beteiligen. Für Hogli gibt es Themen wie Haushalt, Kinder, Emanzipation, „die sind wichtig und dafür sollten wir uns auch stark machen.“ Gleichberechtigung bei der Arbeit sowie gleicher Lohn für gleiche Arbeit oder die sogenannte Babybremse – die Gefahr, dass man als Mutter erst einmal weg vom Fenster ist – das seien keine Männerthemen. „Manches habe ich schon vor 30 Jahren satirisch kommentiert, das ist heute immernoch aktuell“, erklärt die Berliner Zeichnerin. Es gebe auch viele Themen, „die von Frauen und Männern gleichermaßen aufgegriffen werden“, ergänzt Marion Vina. Sie sei vor allem neugierig, „ob es wirklich so einen großen Unterschied gibt.“