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| 02:51 Uhr

Nein zur Integrationskita in Luckau

FOTO: Diana_Drubig (72362458)
Luckau/Lübben. Der Luckauer Schul- und Sozialausschuss hat sich am Dienstagabend gegen die Einrichtung einer Integrations-Kita in der Gartenstadt ausgesprochen. Befürchtet wird, das neue Angebot des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) könnte kommunale Kitas in ländlichen Ortsteilen gefährden. Carmen Berg

Alt und Jung unter einem Dach, so sieht es in Kurzform das Konzept des ASB-Ortsverbandes für das Gebäude der früheren SED-Kreisleitung an der Luckauer Bahnhofstraße vor. Neben Wohnprojekten für Senioren, Tagespflege und Sozialstation könnte in das Gebäude, das der ASB unlängst vom privaten Vorbesitzer gekauft hat, eine Integrationskita einziehen. Ein solches Angebot für die Betreuung von Kindern mit körperlichen und geistigen Behinderungen gibt es bisher in der Gartenstadt nicht.

Zwischen den nächst gelegenen Einrichtungen, der ASB-Kita "Anne Frank" in Dahme (Teltow-Fläming) und der Integrationskita "Sonnenkinder" der Arbeiterwohlfahrt in Lübben (Dahme-Spreewald) liegen mehr als 40 Kilometer. Derzeit werden fünf Kinder mit Handicap aus der Luckauer Region in Dahme betreut, drei besuchen eine Regelkita mit Einzelintegration in Heideblick.

Bei den Lübbener "Sonnenkindern" ist ein Drittel der insgesamt 110 Plätze Jungen und Mädchen mit Behinderungen vorbehalten. Nachdem fünf von ihnen in die Schule kommen, wird der Einrichtung zufolge bei Integrationsplätzen wieder etwas Luft. So oder so aber müssten Kinder mit Handicap aus Luckau weite Wege in Kauf nehmen, sagt die stellvertretende ASB-Geschäftsführerin Grit Hammer. Zudem sieht sie für die Integration einen steigenden Bedarf, wenngleich dieser schwer zu beziffern sei. "Spezifische Auffälligkeiten bei den Jüngsten nehmen zu". Vorgesehen sind deshalb 30 Kita-Plätze an der Bahnhofstraße, davon jeweils die Hälfte für Krippenkinder und für Über-Dreijährige. Jede der beiden Gruppen umfasst vier Integrationsplätze.

"Eine tolle Idee" nennt Olaf Schulze (CDU) das Zusammenleben von Alt und Jung, von Behinderten und Nicht-Behinderten unter einem Dach. Zudem sei er durchaus für Trägervielfalt. Auch Lothar Treder-Schmidt (Luckau-Land/Grüne) findet "das Konzept interessant und die Idee einer Integrationskita in Luckau bedenkenswert".

Dem allgemeinen Lob folgt auf dem Fuß das "aber". Laut Yvette Poser von der Stadtverwaltung werden derzeit 516 Kinder in den kommunalen Kitas und im städtischen Hort betreut. "Es gibt bei der Regelversorgung keine Engpässe wie in anderen Städten, der Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz wird ständig gewährleistet", sagt sie. Laut Kita-Bedarfsplanung, die der Landkreis festlegt, müssten an anderer Stelle Kita-Plätze reduziert werden, setzt Olaf Schulze nach. Vorgeschlagen von der Verwaltung wird für die Kita "Sonnenblume" in Luckau eine Absenkung von 165 Plätzen auf 150. Laut Yvette Poser ist das die Kinderzahl, die dort durchschnittlich tatsächlich betreut wird, "was aufgrund der Räumlichkeiten auch pädagogisch sinnvoll ist".

Stärker auf den Nägeln brennt den Ausschussmitgliedern deshalb, dass der Kreis Platzüberhang in ländlichen Ortsteilen geltend machen könnte. Die Kitas Gießmannsdorf und Uckro sind bereits als "bedingt erforderlich" eingestuft, werden mit der Fortschreibung des Bedarfsplanes 2016 neu überprüft. Olaf Schulze verweist auf größere Investitionen, die aktuell in den Kitas Gießmannsdorf und Kaden geplant sind. "Ich will keine kommunale Kita einer guten Idee opfern", erklärt er. Lothar Treder-Schmidt sieht die Dorfkitas als "einen Schatz, den man nicht ohne Not aufs Spiel setzt". Luckau als Flächenkommune tue gut daran, die Kindereinrichtungen auf dem Land zu schützen. "Wir müssen Prioritäten setzen, so interessant das Angebot des ASB auch ist", sagt er.

Die Mehrheit des Ausschusses folgt diesen Argumenten und lehnt die Neubildung einer Integrationskita in Luckau ab. Für ASB-Geschäftsführer Ralf Fege ist das Nein zur Mehrgenerationeneinrichtung nicht nachvollziehbar. "Uns geht es um ein besonderes Angebot für diese Stadt und nicht darum, anderen Kitas Konkurrenz zu machen", so Fege.