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| 02:41 Uhr

Nein zu Gebersdorfer Elternpetition – doch es bleibt Hoffnung

FOTO: Diana_Drubig (72362458)
Luckenwalde/Gebersdorf. Mit einer Petition zum Erhalt der Kindertagespflege in bisheriger Form, die von mehr als 600 Unterschriften begleitet war, ist eine Elterninitiative am Mittwochabend im Jugendhilfeausschuss von Teltow-Fläming gescheitert. Doch die Eltern geben nicht auf, wie Ortsvorsteher Hans-Georg Nerlich erklärt. Carmen Berg

Der Kreistag hatte das Gebersdorfer Anliegen im Dezember zum zweiten Mal an den Fachausschuss verwiesen, um den Eltern Gelegenheit zu geben, ihre Sicht der Dinge darzulegen. Unterstützer fanden sie mit dem SPD-Landtagsabgeordneten Erik Stohn und dem Dahmer Kreistagsabgeordneten Jörg-Martin Bächmann (Die Linke).

Bisher betreuen die Tagesmütter Birgit Niendorf und Heike Schrader jeweils fünf Kinder von einem Jahr bis zum Schuleintritt. Die ehemalige Kita-Leiterin und ihre Kollegin hatten sich mit dem Angebot nach der Kita-Schließung im Dorf im Jahr 2001 selbstständig gemacht. Von den Schulen bekamen sie in Schreiben bestätigt, dass die Jungen und Mädchen aus dem "Storchennest" top-vorbereitet in die Schule kommen. Das hohe Niveau der Arbeit war auch im Ausschuss unstrittig.

Die Gesetzeslage

Das Problem: Laut Kinder- und Jugendhilfegesetz, umgesetzt vom Jugendamt nach einer kreislichen Förderrichtlinie, dürfen in der Tagespflege nur noch Kinder bis zum dritten Lebensjahr betreut werden. Für ältere Kinder besteht Anspruch auf frühkindliche Förderung in einer Tageseinrichtung: sprich Kita. Ein längerer Verbleib in der Tagespflege ist nur aus besonderen Gründen möglich. Teltow-Fläming gestattet Ausnahmen insbesondere, wenn für Kinder wegen Krankheit oder einer Behinderung ein längerer Bedarf an individueller Betreuung besteht.

Bewährtes bricht weg

Für die Eltern ist Sprecherin Iris Schulze zufolge nicht nachvollziehbar, dass kaputt gemacht werden soll, was seit vielen Jahren gut funktioniert. Die Tagesmütter seien qualifiziert für eine Betreuung älterer Kinder nach den vom Gesetz geforderten Standards, auch entsprechende Räume seien in der ehemaligen Kita vorhanden. Bei umfangreichen eigenen Recherchen fanden die Eltern zudem heraus, dass die besonderen Gründe, die einen längeren Verbleib zulassen, nicht überall so eng wie in Teltow-Fläming betrachtet würden. Berlin sehe sie auch gegeben, wenn Eltern die Betreuung bis zum Schuleintritt wünschten. Beispiele, die ihre Auffassung belegen, fanden die Gebersdorfer auch im Landkreis Potsdam-Mittelmark und in anderen Bundesländern wie Bayern. Ortsvorsteher Hans-Georg Nerlich sagt: "Mein Eindruck ist, Teltow-Fläming will in Gebersdorf keinen Präzedenzfall schaffen."

Geschlagen geben sich Eltern und Unterstützer trotz Niederlage im Ausschuss nicht. Immerhin sei die Ablehnung nicht einstimmig gewesen, es hätten sich auch drei Befürworter gefunden, sagt Hans-Georg Nerlich. Außerdem gab es einen Auftrag an die Verwaltung, gemeinsam mit der Tagespflege Möglichkeiten zu prüfen, ob und wie die Einrichtung erhalten werden kann. Optionen wie die Kleinstkita seien angesprochen worden. "Ich sehe das zumindest als Teilerfolg", so der Ortsvorsteher.

Nochmal Gespräche

Birgit Niendorf kündigt an, jetzt weiter zu forschen, "was für uns machbar sein könnte". Tagesmütter und Eltern werden dazu erneut das Gespräch mit dem Jugendamt suchen. "Schön wäre es aber auch, wenn die Behörde mal auf uns zukommt", wünscht sich Birgit Niendorf.