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| 02:44 Uhr

Neandertaler und Bisonjäger in Golßen unterwegs

Das Zinn muss über dem offenen Feuer flüssig gemacht werden. Die Sippe "Loderndes Feuer" probiert es während des Steinzeit-Projekts.
Das Zinn muss über dem offenen Feuer flüssig gemacht werden. Die Sippe "Loderndes Feuer" probiert es während des Steinzeit-Projekts. FOTO: Andreas Staindl/asd1
Golßen. Steinzeit-Sippen sind kürzlich im Stadtpark in Golßen unterwegs gewesen. Fünft- und Sechstklässler der Grundschule sind in die Rollen früherer Menschen geschlüpft. Andreas Staindl/asd1

Das Steinzeit-Projekt fand erstmals statt und wurde vom Archäotechnischen Zentrum (ATZ) in Welzow unterstützt.

Der Funke will einfach nicht überspringen. Da können die Kinder die beiden Steine noch so oft aneinander schlagen. Wie haben die das früher nur gemacht? Irgendwie muss das doch gehen. Und tatsächlich. Nach zahlreichen Versuchen springt der Funke über, entzündet den Stoff und dieser anschließend die Späne. "Ich habe es geschafft!" Jette Langguth schreit ihre Freude heraus. Dann überlegt sie kurz, sagt: "Na ja, ein Weltwunder ist das jetzt aber nicht. Das haben die Menschen früher ja auch geschafft." Und doch ist die Fünftklässlerin dankbar, es probieren zu dürfen und sich bewiesen zu haben, dass man mit Steinen Feuer machen kann: "Man weiß ja nie, was noch kommt."

Das Steinzeit-Projekt bot die Möglichkeit, sich in die Welt von vor Millionen Jahren hineinzuversetzen. "Ich finde das sehr spannend", sagt Niclas Mann. "Es interessiert mich, was die Menschen früher gemacht haben. Im Unterricht haben wir die Steinzeit schon behandelt", erzählt der Fünftklässler. "Doch durch die praktische Anwendung hier während des Projekts verstehe ich alles noch besser."

Brotbacken probiert

Mitarbeiter des ATZ haben den Kindern Techniken der Steinzeit vorgeführt. Die Mädchen und Jungen durften anschließend selbst probieren. Etwa Fladenbrot backen. Eine Aufgabe, die einfach nicht schief gehen durfte, weil sonst die Sippe verhungert wäre.

"Dass wir selbst probieren durften, Fladenbrot herzustellen, fand ich toll", sagt Victoria Vorreiter aus der fünften Klasse. "Ich finde es spannend zu sehen, wie die Leute früher gelebt haben, sich in deren Zeit hineinzuversetzen und Dinge auszuprobieren."

Geschichte zum Mitmachen

Genau das war die Idee des Projekttags. Den Schülern wurden nicht nur wesentliche Grundbegriffe unserer Vorgeschichte vermittelt, es wurden auch deren handwerkliche Fähigkeiten angesprochen, wie die stellvertretende Schulleiterin Nancy Rost sagt. Geschichte quasi zum Anfassen und Mitmachen. Wie ist es eigentlich, mit einem Speer auf Jagd zu gehen, um einen Hasen zu erlegen? Oder Leder zu bearbeiten, im Erdreich zu graben, zu töpfern oder Zinn zu gießen? Auch das konnten die Grundschüler ausprobieren. Bis auf die Hasenjagd - da warfen sie den Speer in ein Zielfeld - wandelten sie dabei auf den Spuren der Steinzeitbewohner.

Mehrere Sippen waren im Stadtpark unterwegs: Sie nannten sich "Lodernde Feuer", "Höhlenmaler", "Neandertaler" oder "Bisonjäger" beispielsweise. Die Teilnehmer punkteten mit Wissen, Geschick und Fähigkeiten. Die besten Sippen wurden gewürdigt. "Es ist ein sehr gelungenes Projekt", sagt der Schulleiter Dirk Herrmann. "Wir würden es gern jährlich wiederholen", ergänzt Nancy Rost. Ihr zufolge hat die Stadt Golßen das Steinzeit-Projekt finanziell unterstützt: "Wir sind sehr dankbar dafür."

Wie Dirk Herrmann sagt, will die Schule noch projektorientierter arbeiten. Für Anfang des nächsten Schuljahrs sei eine Projektwoche geplant. Höhepunkt soll eine Revue zum 50. Geburtstag der Bildungseinrichtung werden.