Viele Fragen hatte der kommissarische Leiter des Naturparks Niederlausitzer Landrücken, Udo List zu beantworten. Welche Folgen hat der Biosphärenstatus für die Flächeneigentümer, für die land- und forstwirtschaftliche Nutzung? Müssen sie wegen der Ausweisung von Kernzonen, in denen die Natur sich selbst überlassen bleibt, mit zusätzlichen Einschränkungen rechnen? Was bedeuten Pflege- und Entwicklungszonen?

Bereits jetzt erfüllten beide Naturparks die für eine Biosphäre geforderte Kernzone ohne wirtschaftliche Nutzung von drei Prozent der Gesamtfläche. "Flächen auf ehemaligen Truppenübungsplätzen sind schon jetzt geschützt, auch Flächen im Eigentum von Stiftungen und Verbänden, wie der Heinz Sielmann Stiftung", erläuterte Udo List. Das seien zurzeit bereits 5,3 Prozent, die als Suchraum entsprechend der Unesco-Kriterien gelten würden. Die Gemeinde Heideblick sei als einzige im Naturpark Niederlausitzer Landrücken nahezu vollständig vertreten. Und alle Nutzer würden schon jetzt unter den Bedingungen leben und wirtschaften. Denn die geforderten Pflege- und Entwicklungszonen entsprächen den schon vorhandenen Naturschutz- und Landschaftsschutzgebieten. "Biosphäre bedeutet den Erhalt der vorhandenen Kulturlandschaft durch die Einflussnahme des Menschen", ging Udo List auf die Sorgen der Gemeindevertreter ein. In die Waagschale werfen könnten beide Naturparks Alleinstellungsmerkmale, wie die Bergbaufolgelandschaften, in denen sich ein großer Teil der Kernzonenflächen befänden. Zudem entstehe mit dem Zusammenschluss ein einheitlicher Naturraum "mit großen unzerschnittenen Gebieten, Traubeneichenwäldern und repräsentativer Saale-Eiszeit-Abfolge", nannte Udo List weitere Punkte. Ein Korridor zwischen Doberlug-Kirchhain und Sonnewalde im Elbe-Elster Kreis soll die Verbindung schaffen. Doch was unterscheidet Naturpark und Biosphäre und welchen Nutzen hätte die Region davon? Naturparke seien nahezu beliebig geworden, rund einhundert existierten deutschlandweit. "Eine Biosphäre Niederlausitz bekäme internationale Wertigkeit und damit mehr Aufmerksamkeit", sagte Udo List. Während der Spreewald touristisch voll erschlossen sei, "ist die Niederlausitzer Landschaft Touristen nahezu unbekannt. Eine Biosphäre könnte mit ihrer Ruhe einen Gegenpol zum Spreewald setzen", ergänzte er. Zudem gelte es, dem Bedeutungsverlust einer ganzen Region entgegen zu wirken. Angesichts rückläufiger Bevölkerung ein nicht unwesentlicher Faktor. Denn mit dem höheren, international anerkannten Schutzstatus würden auch von Fördermittelgeber auf so ein Gebiet aufmerksam. "Bis zu einer Anerkennung ist es allerdings noch ein langer Weg, der mehrere Jahre dauern wird", so Udo List.

Zum Thema:
Der Naturpark Niederlausitzer Landrücken wurde 1997 gegründet und umfasst eine Fläche von 587 Quadratkilometern. Der Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft wurde 1996 gegründet und hat eine Größe von 484,3 Quadratkilometern. Mit dem neu dazukommenden Korridor würde die künftige Biosphäre Niederlausitz rund 111 Quadratkilometer umfassen. Die Anerkennung als Unesco-Biosphärenreservat ist an hohe inhaltliche und formale Anforderungen geknüpft. Ein Aufnahmeantrag an das deutsche Komitee von "Men and the Biospehre" (MAB) der Unesco könnte noch in diesem Jahr gestellt werden.bkh1