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| 02:43 Uhr

Naturfreunde entdecken Wolfsspuren in der Lieberoser Heide

Wolfexperte Julien Bota zeigt den Naturfreunden das Gebiss eines Wolfes. Markant sind die scharfen Zähne.
Wolfexperte Julien Bota zeigt den Naturfreunden das Gebiss eines Wolfes. Markant sind die scharfen Zähne. FOTO: trt1
Lieberose. Ziemlich turbulent ist es bei der jüngsten Wolfsexkursion in der Lieberoser Heide zugegangen. Da ist zum einen das Wetter, das reichlich Regen, begleitet von Donnergrollen, im Gepäck hat. trt1

Dann gibt es inmitten des riesigen Waldgebietes einen langen, rund 50 Meter breiten Brandschutzstreifen. Der wird zwei Fahrzeugbesatzungen der Wolfstour zum Verhängnis. Denn die Fahrzeuge bleiben im weichen Sand einfach mal stecken. Die Insassen nehmen das Dilemma allerdings locker, schließlich gibt`s da noch den Byhlener Revierförster Romeo Buder, der eines der beiden Autos mittels seines PS-starken Geländewagens aus dem Sand herauszieht. Das zweite Fahrzeug kann sich aus eigener Kraft befreien.

Die Tour leiten Sophie Büchner und Julien Bota, zwei 20-jährige Studenten des Naturschutzes beziehungsweise der Landschaftsökologie. Die Absolventen des Freiwilligen Ökologischen Jahres (FÖJ) haben sich in den zwölf Monaten intensiv mit den Wölfen in der Lieberoser Heide befasst. Die eine bei der Stiftung Naturlandschaften Brandenburg, die über eine Fläche von 3150 Hektar im Herzen des früheren Truppenübungsplatzes verfügt. Der andere beim Landesumweltamt Brandenburg, zuständig für das Wolfsmonitoring zwischen Uckermark und Niederlausitz.

Auf dem weitestgehend vegetationsfreien Schutzstreifen zeigen sich den Naturfreunden vier Wolfsspuren nebeneinander. Ein paar Meter weiter finden sich Kotreste. In einem der Häufchen sind Knochenteile erkennbar. Dass es sich um Reste eines Schafes handelt, kann Julien Bota ausschließen. "Laut wissenschaftlichen Erkenntnissen nehmen Nutztiere nur 0,1 Prozent der gesamten Wolfsnahrung ein." Wahrscheinlicher handele es sich um Überbleibsel eines Rehs.

Derzeit lebt ein Wolfsrudel in der rund 25 500 Hektar umfassenden Lieberoser Heide. Es besteht aus sieben "Mitgliedern". Julien Bota und Sophie Büchner hatten im vorigen Sommer das große Glück, die Welpen mal höchstpersönlich in Augenschein zu nehmen.

Gefragt wurde bei der Wanderung, was zu tun sei, wenn einem im Wald tatsächlich ein Isegrim begegne. Laufen lohne sich jedenfalls nicht", erklärt Sophie Büchner augenzwinkernd. Denn Wölfe brächten es auf ein Tempo von bis zu 60 Stundenkilometer. Klüger sei es, einfach diese Begegnung zu genießen, womöglich per Foto festzuhalten. Falls ein Wolf näher kommt, reiche es, diesen mit lauten Worten zu verscheuchen.

Für Frank und Kathrin Schirmer aus Lübbenau ist die Wolfstour ein besonderes Erlebnis. "Wir sind sehr naturverbunden, haben zudem schon viel von den Argumenten der Wolfsbefürworter und Gegner gehört. Wir wollen uns jetzt ein eigenes Bild verschaffen", sagt Frank Schirmer. Ähnlich äußert sich Thies Petersen aus Groß Lindow im Schlaubetal: "Wir haben öfter gehört, der Wolf breite sich immer mehr aus. Es ist jetzt mal an der Zeit nachzuprüfen, ob das stimmt."

Laut Sophie Büchner und Julien Bota ist die Niederlausitz inzwischen komplett mit Wölfen besiedelt. Ein weiterer Anstieg sei also unwahrscheinlich. Brandenburgweit gebe es aktuell um die 200 Graupelze, in Deutschland bewege sich die Zahl bei 400 Tieren. Doch erst wenn zwischen Rhein und Oder um die 2000 Isegrims lebten, könne von einer gesicherten, stabilen Population gesprochen werden, sagt Julien Bota. Ob diese Hausnummer je erreicht wird, stehe ohnehin in den Sternen. Schließlich verlören alljährlich zahlreiche Welpen ihr Leben, sei es durch Verkehrsunfälle, durch Krankheiten oder durch Wilderei. Der Täter, der in der Lieberoser Heide einen Wolf geköpft hatte und dessen Überreste an der B 168 gefunden wurden, ist noch nicht gefasst.