Die Schäden, die die Nutrias im Branitzer Park anrichten, sind nicht mehr zu übersehen. Sie graben sich durch die Parkinseln, unterhöhlen die Uferbefestigungen und schrecken auch vor Pücklers Wasserpyramide sowie der Venus auf dem Schloss-See nicht zurück. Durch milde Winter und die Fütterung der Tiere durch Spaziergänger trotz des Verbotes ist die Population der aus Südamerika stammenden Nager künstlich in die Höhe getrieben worden.

25 Nutrias vermutetWegen der Gefährdung der kulturellen Anlage hat das Veterinäramt Cottbus gemeinsam mit der Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz nun die Biologen aus Münster auf den Plan gerufen. Olaf Fülling und Bernd Walther sind zu Fuß und per Kahn an und auf den Gewässern auf der Suche nach den Biberratten, die es sich im Park gemütlich gemacht haben. Etwa 25 dieser Tiere leben dort.

"In der Natur wäre das unproblematisch, aber in einer Parkanlage wie dieser muss man die Aktivitätsspuren der Nutria klar als Schäden definieren", sagt Bernd Walther (35). Er und sein Kollege Dr. Olaf Fülling (43) beschäftigen sich seit vielen Jahren intensiv mit Nagetieren. Deshalb haben sie für ihre Firma auch den Namen Erminea, die wissenschaftliche Bezeichnung des Hermelins, einem der besten Mäusejäger Europas, gewählt. "Wir suchen nach naturverträglichen, giftfreien Lösungen, um Probleme mit Nagern in den Griff zu bekommen", erklärt Olaf Fülling.

Die Nutriapopulation im Branitzer Park sei ein Problem, betont auch Dr. Ingrid Schütze, Leiterin des Cottbuser Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes. Gemeinsam mit der Stiftung Fürst-Pückler-Museum, Park und Schloss Branitz habe ihr Amt deshalb das Nagermanagement um Hilfe gebeten. "Wir benötigen Fachleute, um eine dauerhaft wirksame Lösung zu finden", so die Veterinärmedizinerin.

"Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten ist wichtig und funktioniert hier richtig gut", sagt Bernd Walther. "Das zeigt auch, dass die Anwesenheit der Nutrias in dieser künstlichen Landschaftsanlage ein großes Problem ist."

Schlafplätze ausfindig gemachtDeshalb sei eine genaue Bestands-aufnahme in der Branitzer Oase nötig. "Wir haben Schlaf- und Futterplätze gefunden, die Aktivität der Nutrias beobachtet und mögliche Zuwanderungsstellen an Zu- und Abläufen untersucht", erklärt Fülling. Dabei sei das Ausmaß der Schäden zu Tage gekommen. Eine kleine Insel nahe der Wasserpyramide liege bereits zu 80 Prozent unter Wasser, anderen drohe ebenfalls der Untergang. Auch der Venus auf der Schlossinsel könne das Wasser irgendwann bis zum Halse stehen. "Die Nutrias haben sich tief in die Inseln eingegraben und unterhöhlen das Erdreich. Dadurch sackt der Boden in sich zusammen", erläutert Fülling. Spätestens bis Ende Oktober wollen die Experten ein Konzept vorlegen, um den Branitzer Park von der Nutria-Plage zu befreien.

"Wichtig ist vor allem, das Problem nachhaltig in den Griff zu bekommen. Durch Außensperren und Gitter an den Zuläufen könnten wir die Neuansiedlung der Nager verhindern."