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Unwetterschäden
Nach Xavier wird aufgeräumt

Nach Sturmtief Xavier: Entwurzelte und umgestürzte Bäume prägten das Bild in vielen Orten noch am Freitag.
Nach Sturmtief Xavier: Entwurzelte und umgestürzte Bäume prägten das Bild in vielen Orten noch am Freitag. FOTO: Daniel Friedrich
Luckau/Lübben. Mit zerstörerischer Kraft ist Sturmtief Xavier am späten Donnerstagnachmittag und –abend über die Region Lübben/Luckau gefegt. Zur ersten Bilanz gehören ein verletzter Feuerwehrmann aus Goyatz, eine Vielzahl entwurzelter und wie Streichhölzer geknickter Bäume sowie an vielen Gebäuden teils massiver Sachschaden. Ingrid Hoberg, Daniel Friedrich und Ingvil Schirling

Es gab Strom- und Telefonausfall zum Teil bis Freitag.

Im Raum Lieberose/Oberspreewald war ein Feuerwehrmann aus Goyatz gerade dabei, einen Baum auseinanderzusägen, als der letztere von einem Ast getroffen wurde, heißt es in ersten Informationen. In der Folge wurde der Mann verletzt und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Weitere Feuerwehrleute in Dahme-Spreewald wurden - Stand Freitag - glücklicherweise nicht verletzt.

Xavier und die Folgen werden Lieberose/Oberspreewald "noch lange beschäftigen", schätzte Kerstin Chilla als stellvertretende Amtsdirektorin nach einem ersten Überblick ein. An der Straupitzer Houwald-Grundschule war ein First abgedeckt worden. Es fehlten auch Dachsteine am Eingangsportal. Aus Sicherheitsgründen durften die Kinder nicht auf den Schulhof.

Der Raum Lieberose war von einem anhaltenden Stromausfall betroffen. Der Versorger konnte nicht versprechen, dass auch die kleinen Orte Doberburg, Blasdorf und Trebitz am Freitag wieder angeschlossen werden konnten. Die Verwaltung war nur persönlich zu erreichen, das Telefon ging nicht. Neben unzähligen umgefallenen Bäumen waren die Campingplätze arg in Mitleidenschaft gezogen. Zelte lösten sich, Bäume stürzten auf Ferienhäuser. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen nicht.

Im Amt Unterspreewald erwischte es unter anderem die Emsland Aller Aqua GmbH in Altgolßen schwer. Eine Lagerhalle wurde abgedeckt. Teile Golßens sowie Staakow und Waldow waren noch am Freitag ohne Strom. Tropical Islands bekam ebenfalls einiges ab: "Von der Außenwand haben sich aufgrund des heftigen Windes vereinzelt Platten gelöst", informierte Sprecherin und PR-Manager Katja Benke. Die eigene Wetterstation vor Ort maß Windgeschwindigkeiten von 140 km/h. Der Dom an sich sei dadurch noch lange nicht gefährdet. "Er ist für weit heftigere Stürme ausgelegt", so die Sprecherin. Die Werksfeuerwehr sicherte zunächst die Bereiche. Die Schäden werden heute analysiert, können aber nicht gleich repariert werden. Da Xavier im Laufe des Donnerstags den Bus- und Bahnverkehr lahmlegte, strandeten Tropical-Islands-Gäste am Bahnhof. "Wir haben sie mit unserem Shuttleservice zurückgeholt und bei uns untergebracht - das war zu diesem Zeitpunkt der sicherste Ort", heißt es weiter. Ein Baum fiel auf eines der Mobile Homes, zwei Tipis flogen davon, aber "wir sind mit reinen Sachschäden glimpflich davongekommen".

In der Gemeinde Märkische Heide sind am Donnerstag bis Mitternacht rund 70 Kräfte im Einsatz gewesen, berichtet die stellvertretende Bürgermeisterin Katharina Magoltz. Es gab viele umgestürzte Bäume und umgeknickte Telefonmaste. "Einige Haushalte waren 24 Stunden ohne Strom- und Telefonversorgung", sagt sie. Im Ortsteil Wiese ist der Dachstuhl eines Einfamilienhauses stark beschädigt worden. Direkt neben der Gemeindeverwaltung in Groß Leuthen ist von einer alten Scheune nur noch ein Schutthaufen übriggeblieben. "Mit dem Aufräumen werden wir in der Gemeinde auch in der kommenden Woche noch zu tun haben", sagt Katharina Magoltz. Das trifft auch für den Eurocamp Spreewaldtor zu. "Wir sind mit allen Mitarbeitern draußen, es sind etliche Bäume umgestürzt und wir sind beim Fällen und Aufräumen", erklärt Geschäftsführer Alexander Weber am Freitagvormittag. "Am schlimmsten hat es den Bereich der Dauercamper getroffen, es sind einige Vorzelte weggerissen worden". Doch das sei kein Vergleich zu den Schäden nach dem Sturm im Juli. "Unsere Safarizelte haben standgehalten", stellt er zufrieden fest.

In Luckau sind am Freitag die Mitarbeiter des Bauhofs mit ihren Multicars unterwegs gewesen, um abgebrochenes Geäst und Laub zusammenzuharken und abzutransportieren. "Im öffentlichen Bereich sind unsere Mitarbeiter und beauftragte Firmen unterwegs", sagt Ralf Spruch, Ortswehrführer und Mitarbeiter der Stadtverwaltung. Auf privaten Flächen müssen sich die Eigentümer darum kümmern, dass die Sturmschäden beseitigt werden. In der Luckauer Nordpromenade wurden mehrere Bäume entwurzelt, die in der vom Regen durchnässten Erde nicht mehr genügend Halt fanden. "In der Stadt Luckau und den Ortsteilen sind zunächst 26 Schadensfälle gemeldet worden, doch die Zahl wird sich noch erhöhen", sagt Stadtbrandmeister Gerd Walter. Schwerpunkte sei die Stadt gewesen - in manchen Fällen seien die Bäume nicht umgestürzt, sondern gegen Wohngebäude gekracht. Beispielsweise sei ein Baum auf den Eingangsbereich der Kita in Uckro gefallen. Vom ersten Einsatz um 15.18 Uhr zur Beräumung eines Baums auf der Brücke Nonnengasse bis zum letzten um 22.47 Uhr waren rund 200 Feuerwehrleute unterwegs. Dass der Sturm zur Feierabendzeit aufkam, sei in der Stadt in gewisser Weise von Vorteil gewesen. "Wir hatten keine personellen Probleme - anders ist es während der Arbeitszeit", stellt Gerd Walter fest, der allen Einsatzkräften schon per elektronischer Post gedankt hat. "Wir sind gut aufgestellt als Feuerwehr, 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag", betont er.

Beschädigte Freileitungen haben bis in den Freitag hinein für Stromausfälle gesorgt. Wie eine Sprecherin der Stadt- und Überlandwerke Luckau-Lübbenau (SÜLL) am Freitagmittag der RUNDSCHAU sagte, kam unter anderem in Duben, Karche, Goßmar, Willmersdorf und Neusorgefeld zur Unterbrechung der Stromversorgung. "Die SÜLL ist mit allen verfügbaren Kräften im Einsatz, um die teils flächendeckenden Störungen so schnell wie möglich zu beseitigen", hieß es.

In der Gemeinde Heideblick waren am stärksten die Orte Walddrehna, Gehren und Waltersdorf betroffen. Wie Ordnungsamtsleiter Stephan Weide mitteilt, seien dort viele Bäume umgeknickt und entwurzelt worden. In Walddrehna ist mitten im Dorf direkt neben der Bushaltestelle eine große Linde über die Straße gekracht, wie Peter Kopsch berichtet. Die Feuerwehr und Mitarbeiter des Wirtschaftshofes waren bis in die späten Donnerstagabendstunden im Einsatz. "In Pitschen-Pickel wurde durch eine Windböe das Dach einer Scheune abgehoben und die Wand stark beschädigt", berichtet Weide. "Glücklicherweise wurde in unserer Region niemand verletzt."

Im Amt Dahme haben mussten ebenfalls Bäume und Äste von Straßen und Wegen geräumt werden. Am Freitag gab es noch Stromausfälle. Betroffen waren Niendorf, Mehlsdorf, Gebersdorf und Wahlsdorf, teilt Amtsbrandmeister Karsten Schmidt mit. Insgesamt waren am Donnerstag bis Mitternacht und am Freitag 60 Einsatzkräfte mit 15 Fahrzeugen vor Ort.

Großen Dank richteten stellvertretend für alle Landrat Stephan Loge (SPD) sowie Unterspreewalds Amtsdirektor Jens-Hermann Kleine (CDU) an die Feuerwehrleute für ihr schnelles und umsichtiges Arbeiten. "Sie waren teilweise in sehr gefährlichen Situationen unterwegs", sagt Kleine. Die Leitstelle Lausitz koordinierte in Dahme-Spreewald insgesamt 522 Einsätze. Trotz Notfallplans, voller Besetzung und zusätzlicher Dienste "ist es nicht gelungen, alle eingehenden Notrufe entgegen zu nehmen", heißt es in einer Information der Kreisverwaltung. In LDS waren nach vorläufiger Bilanz 530 Feuerwehrleute mit 356 Fahrzeugen im Einsatz. Auch die A13 war zwischenzeitlich gesperrt, weil Bäume auf die Fahrbahn gefallen waren.