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| 17:59 Uhr

Kultur hinter Gittern
Gefangene schunkeln zu Irish Folk

Mathias Märtin (li.) und Tilo Sens-Harmuth sind Falkensang. Sie haben vor etwa 60 Gefangenen am Donnerstagabend in der Justizvollzugsanstalt in Luckau-Duben gespielt.
Mathias Märtin (li.) und Tilo Sens-Harmuth sind Falkensang. Sie haben vor etwa 60 Gefangenen am Donnerstagabend in der Justizvollzugsanstalt in Luckau-Duben gespielt. FOTO: Andreas Staindl
Duben. Band Falkensang tritt durch Projekt „Kultur hinter Mauern“ in der JVA Luckau-Duben auf. Von Andreas Staindl

Falkensang ist schon deutschlandweit aufgetreten. Jetzt aber feierte die Gruppe eine Premiere. Sie musizierte in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Luckau-Duben. Etwa 60 gefangene Frauen und Männer waren dabei. Der Kunst-und Literaturverein für Gefangene e.V. in Dortmund hat das Konzert gemeinsam mit der Anstaltsleitung vor Ort ermöglicht. Es fand im Rahmen des Projekts „Kultur hinter Mauern“ statt.

Der Verein versucht mit dem Projekt, Interesse für Kunst und Kultur zu wecken. Er möchte den Gefangenen auch helfen, ihre Haftzeit sinnvoll zu nutzen mit dem Ziel, danach ein straffreies und sinnerfülltes Leben zu führen.

Die Band Falkensang unterstütze diese Idee auf musikalische Weise. „Wir sind immer offen für soziale Projekte“, sagt Mathias Märtin. „Deshalb haben wir auch gleich zugesagt als wir gefragt wurden, ob wir ein Konzert hier im Gefängnis spielen würden.“

Lieder für 60 Minuten hatten er und Tilo Sens-Harmuth – der in der Gemeinde Märkische Heide zu Hause ist – dabei. Falkensang spielt feinsten Irish Folk. Die irische Folkmusik mischen die Musiker  mit deutscher, amerikanischer und schottischer Folklore. Schon die ersten Takte gehen dem Publikum ins Blut. Die Füße können nicht anders, sie wippen einfach im Rhythmus der Musik. Das Duo auf der Bühne kennt diesen Effekt, weiß, wie Zuhörer normalerweise reagieren. „Woanders wird jetzt getanzt“, sagt Mathias Märtin. Platz wäre tatsächlich auch gewesen. Doch die Aufforderung zu einem Tänzchen wollte dann allerdings niemand annehmen. Dass den Häftlingen die Musik der beiden Künstler aus dem Land Brandenburg aber gefiel, wurde schnell deutlich. Es gab Beifall, „Bravo“-Rufe, und nach jedem Lied wurde der Applaus etwas heftiger.

Mit viel Charme hatten die Musiker die Gefangenen längst auf ihrer Seite. Die Zuhörer klatschten mit, stimmten hin und wieder sogar in die Texte mit ein. Vor allem die weiblichen Gefangenen hatten ihren Spaß, man konnte es ihnen zumindest ansehen. Die jungen Frauen in der ersten Reihe folgten sogar der Aufforderung, sich unterzuhaken und zu schunkeln. Mathias Märtin registrierte das mit einem Lächeln und dem Spruch: „Eine Fanbase haben wir schon.“ Schunkeln zu Irish Folk im Knast. Das ist schon Außergewöhnlich, zumindest nicht alltäglich.

Spaß und Abwechslung vom Alltag hinter Gittern und Gefängnismauern hat das Konzert auf jeden Fall gebracht. Andreas Müller vom Bildungs- und Freizeitbereich der JVA würde Falkensang „gern wieder mal hier bei uns begrüßen“. Die Musiker hätten nichts dagegen. „Es war schön hier und hat uns Spaß gemacht“, sagen sie. „Wir kommen gern wieder – wenn wir dürfen.“

Nach einer Stunde wollten sie sich verabschieden. Doch die Gefangenen erbaten sich eine Zugabe, und sie bekamen sie auch. Längst waren auch die männlichen Strafgefangenen von der Musik begeistert. Zwar zeigten es nicht alle so deutlich – das ist unter Häftlingen auch schwierig – doch man spürte, dass das Konzert auch ihnen gefallen hat. Der Auftritt von Falkensang war bereits die zweite Veranstaltung des Kunst- und Literaturvereins für Gefangene in der Justizvollzugsanstalt in Luckau-Duben, wie Andreas Müller sagt. Die Premiere gab es ihm zufolge mit einem Zauberer. Jetzt haben die Musiker von Falkensang die Bühne gerockt.