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| 15:55 Uhr

Jubiläum
Nach dem Knast kam die Kultur

Museumsleiterin Marina Gadomski (r.) und ihre neue Mitarbeiterin Tanja Leistner bereiten eine Sonderschau zu zehn Jahren Kulturkirche vor.  Am Sonnabend, 23. Juni, wird sie bei einem Museumsfest eröffnet.
Museumsleiterin Marina Gadomski (r.) und ihre neue Mitarbeiterin Tanja Leistner bereiten eine Sonderschau zu zehn Jahren Kulturkirche vor. Am Sonnabend, 23. Juni, wird sie bei einem Museumsfest eröffnet. FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. Niederlausitz-Museum blickt mit Sonderschau und Fest auf zehn Jahre Kulturkirche.

„Ganz schön schwer“, sagt Museumsleiterin Marina Gadomski. Mit ihrer Mitarbeiterin Tanja Leistner platziert sie ein Bild des Malers Dieter Clausnitzer in der neuen Ausstellung des Niederlausitz-Museums. Beide haben in diesen Tagen alle Hände voll zu tun, um das Museums- und Jubiläumsfest zehn Jahre Kulturkirche am Sonnabend, 23. Juni, vorzubereiten. Die Eröffnung der Schau „Kloster, Knast, Kultur – Ein Rückblick“ um 14.30 Uhr ist ein Teil davon.

Im Frühjahr 2008 war das Museum an seinem alten Standort an der Langen Straße 71 geschlossen und nach aufwendigem Umzug im Spätherbst in der Kulturkirche neu eröffnet worden. Es bezog Mauern mit einer spannenden Geschichte. Im Jahr 1291 von Dominikanern gegründet, war das Gebäude knapp 200 Jahre ein Kloster, bevor es die letzten Mönche nach der Reformation verließen oder starben. Später wurde daraus ein Zucht- und Armenhaus. Das Gefängnis blieb bis 2005 bestehen, zuletzt als Frauen- und Untersuchungshaftanstalt. Mit dem Umbau zur Kulturkirche fanden neben dem Museum die Bibliothek, der Tourismusverband Niederlausitzer Land und verschiedene Vereine dort ihr Zuhause.

Von all dem wird die Sonderausstellung erzählen. Zudem soll gezeigt werden, welche neuen Objekte das Niederlausitz-Museum in den vergangenen zehn Jahren erworben hat. Der Großteil kommt von der Luckauer Bevölkerung, und es sei manch Überraschendes darunter, macht Marina Gadomski neugierig. Neben Fotos und Dokumenten wird unter anderem ein Postkutschenbillet aus dem 19. Jahrhundert zu sehen sein. „Wir haben bewusst Objekte ausgewählt, die auf den ersten Blick unscheinbar wirken, aber für das Museum wertvoll sind“, sagt Marina Gadomski. Solche Exponate müssten nicht schön sein, wohl aber etwas über die Stadt und ihre Menschen erzählen, will sie Luckauern Lust machen, selbst einmal wieder auf ihren Dachböden zu stöbern.

Besucher des Jubiläumsfestes sind eingeladen, ihre persönlichen Erinnerungen an zehn Jahre Kulturkirche mitzubringen und an eine Pinnwand zu heften. Das könnten Eintrittskarten von Kulturveranstaltungen sein, ein Foto von der Hochzeit im Klostersaal oder ein paar Zeilen über besondere Erlebnisse im und mit dem Haus, zählt die Musuemsleiterin Möglichkeiten auf.

Rund um die Schau hat das Team ein interessantes und unterhalt-
sames Programm „gebastelt“. In der Zeit von 13 bis 19 Uhr sind bei freiem Eintritt verschiedene Mitmach-Stationen, außerdem Walking Acts der Theaterloge, eine Tombola sowie Kaffee und Kuchen angekündigt. Um 17 Uhr wird Martin Rossa durch die Gefängnisausstellung in der Kulturkirche führen und den Besuchern dabei ein Luckauer Grundstück nahebringen, das Geschichte schrieb. „Es ist wirklich ein besonderes Haus“, sagt Tanja Leistner. Die junge Frau hat erst im Mai ihre Festanstellung als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Niederlausitz-Museum angetreten. Zuvor studierte sie klassische Archäologie in Würzburg und machte im Studiengang World Heritage (Welterbe) an der BTU in Cottbus ihren Master. Nach einem wissenschaftlichen Volontariat am Hetjens – dem Deutschen Keramikmuseum in Düsseldorf – klappte es gleich mit dem Job. „Ich habe mich beworben, und wurde genommen“, sagt sie. Das Haus in Luckau sei größer, als sie es sich in einer 5000-Einwohner-Stadt vorgestellt habe und biete viele Möglichkeiten, freut sich Tanja Leistner auf die neue Herausforderung.