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Müllermeister mit Leidenschaft

Sollte der Wind am Pfingstmontag nicht kräftig genug wehen, wird Müllermeister Erich Liedtke in "seiner" Mühle wieder den hölzernen Hebel umlegen und das Kammrad über den Motor antreiben lassen.
Sollte der Wind am Pfingstmontag nicht kräftig genug wehen, wird Müllermeister Erich Liedtke in "seiner" Mühle wieder den hölzernen Hebel umlegen und das Kammrad über den Motor antreiben lassen. FOTO: Birgit Keilbach /bkh1
Luckau. Die Luckauer Bockwindmühle hat eine bewegte Geschichte und ist eng mit einem Namen verbunden: Erich Liedtke. Bis heute steht er dem Mühlenaktiv im Luckauer Heimatverein mit seiner Fachkenntnis und jahrzehntelangen Erfahrung zur Seite. Birgit Keilbach / bkh1

Denn die ursprüngliche Mühle befand sich seit 1850 auf dem Hof seiner Familie und wurde bis 1956 als Getreidemühle betrieben. 1999 verkaufte der Müllermeister die historische Mühle an die Stadt Luckau. Sie wurde auf den historischen Mühlberg in der Herzberger Straße umgesetzt und mit Fördermitteln durch die Zimmerei Thielke aus Zöllmersdorf saniert. Zur Landesgartenschau im Jahr 2000 konnten die Besucher die Mühle in Funktion erleben. "Erich Liedtke hatte bereits die Bauarbeiten begleitet, er übernahm die sachkundigen Vorführungen sowie die Pflege- und Wartungsarbeiten", sagt Harry Müller, damals Bürgermeister der Stadt Luckau.

Eine lange Zeit an diesem prädestinierten Mühlenstandort hatte dieses technische Denkmal leider nicht. In der Nacht vom 11. zum 12. Mai 2006 wurde die Mühle durch Brandstiftung ein Opfer der Flammen. Nur verkohlte Balken blieben von den historischen Bauteilen übrig. Für Erich Liedtke und seine Geschwister war das ein Verlust. "Wir haben gelitten, als die Mühle abgebrannt war. Damit ist auch ein Stück von uns selbst gegangen", erinnert sich der Bruder Müllermeisters, Joachim Liedtke.

Die Stadt Luckau wählte als neuen Standort den Laga-Park.

Die Mühle wurde vom bewährten Zimmererteam um Heinz Thielke wieder aufgebaut, fachlich beraten vom Müllermeister. Einige historische Bauteile aus Mühlen der Region fanden dabei Verwendung. Ende Juni 2008 wurde sie eingeweiht und wird seitdem vom Mühlenaktiv des Luckauer Heimatvereins am jährlichen Mühlentag und zu weiteren Höhepunkten in der Stadt geöffnet. Auch Erich Liedtke engagiert sich für die Bockwindmühle: "Es gibt immer wieder etwas zu tun, das Holz arbeitet." Der neue Standort sei zwar sicherer, doch nicht so windexponiert. Da müsse der Wind schon sehr kräftig wehen, damit er die Flügel in Bewegung setzen kann, weiß der Müllermeister. Diese heißen eigentlich Ruten. In diese würden dann Klappen eingebaut, um dem Wind die entsprechende Angriffsfläche zu bieten, erläutert der Fachmann. Drehen sich die Flügel, setzen sie die Flügelwelle in Bewegung, über das Kammrad und Stockrad wird der große Mahlstein angetrieben. Das können die Besucher auch am Mühlentag wieder beobachten und sich von den Mitgliedern des Mühlenaktivs erläutern lassen. Der Schaubetrieb kann auch bei wenig Wind stattfinden. Dafür sorgt ein Elektromotor.

Dieser ist an der Bockwindmühle von Fürstlich Drehna nicht erforderlich. Diese hat eine ähnlich spannende Geschichte erlebt, bis sie 2015 am historischen Standort auf dem Drehaner Mühlberg ihr endgültiges Zuhause fand. Auch hier stand und steht Erich Liedtke dem Mühlenaktiv des Kultur- und Heimatvereins des Luckauer Ortsteils mit Rat zur Seite. Für seine Verdienste um die zwei Technischen Denkmale ist er anlässlich seines 80. Geburtstages im Februar dieses Jahres mit der Ehren- und Verdienstmedaille der Stadt Luckau geehrt worden.

Pfingstmontag wird das Mühlenaktiv des Luckauer Heimatvereins von 10 bis 16 Uhr durch die Bockwindmühle im Laga-Park führen und Interessierten alle Fragen beantworten. Eine Gulaschkanone und Bistrowagen sorgen für Verpflegung. "Außerdem werden die Landfrauen aus Schlabendorf Plinse und Quarkkeulchen backen", macht Harry Müller Appetit.