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| 17:55 Uhr

RUNDSCHAU-Herzensmensch
„Die Freude der Kinder treibt mich an“

 Regelmäßig schlüpft Monika Petras in die Rolle der Frau Böhr. Gemeinsam mit dem Nachtwächter Schmidt haben sie das närrische Zepter von Dahme in der Hand.
Regelmäßig schlüpft Monika Petras in die Rolle der Frau Böhr. Gemeinsam mit dem Nachtwächter Schmidt haben sie das närrische Zepter von Dahme in der Hand. FOTO: Benjamin Wepprich
Dahme. Monika Petras aus Dahme engagiert sich mit sehr viel Herzblut für Tschernobyl-Kinder, hält aber auch Fläming-Traditionen aufrecht. Von Anja Brautschek

Kaum tritt Monika Petras vor die Haustür, trifft sie ein bekanntes Gesicht. In Dahme ist sie bestens vernetzt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Sie engagiert sich nicht für eine, sondern gleich viele, verschiedenste Sachen.

Eines liegt ihr dabei besonders am Herzen: Der Arbeitskreis „Kinder von Tschernobyl“. Seit Anfang der 1990er-Jahre laden Ehrenamtliche von Dahme Kinder aus den verstrahlten Gebieten in Weißrussland zur Erholung ein. Fast von Anfang an mit dabei ist Monika Petras. Kindern etwas Gutes tun, davon fing die 61-Jährige sofort Feuer und Flamme. Über die Feuerwehr, bei der sie mehr als 20 Jahre lang Mitglied war, hat sie von der ersten Reise nach Dahme erfahren. Schon im Jahr darauf waren die Petras selbst Gastfamilie, haben zwei Kinder aufgenommen. Das ist nun mehr als 25 Jahre her. Seitdem haben sie kaum ein Jahr ausgelassen – genau wie viele andere Dahmenser auch. „Man erfährt eine unglaubliche Dankbarkeit. Diese Freude der Kinder treibt mich an“, sagt sie.

Seit etwa zehn Jahr hilft sie auch bei der Organisation der Fahrten mit. Von den Spenden über den Transporten bis hin zu vielen Veranstaltungen hier in der Region liegt alles in der Hand der Ehrenamtlichen. Der Arbeitskreis, der unter dem Dach der AWO Dahme tätig ist, besteht heute aus vier aktiven Ehrenamtlichen im harten Kern. Ilka Pietsch ist unter anderem auch von Anfang an mit Leib und Seele dabei, ebnet als ehemalige Russisch-Lehrerin vor allem Sprachbarrieren. Es fehlt jedoch an Nachfolgern, die etwas Verantwortung übernehmen möchten. „Ich hoffe, dass wir diese Fahrten noch einige Jahre weitermachen können“, sagt Monika Petras. Denn gerade in Dahme und Umgebung sei die Hilfsbereitschaft für Tschernobyl-Kinder enorm. Genügend Geld und Gasteltern haben die Mitglieder seit dem ersten Jahr immer zusammen bekommen. Hinzu kommen unzählige Kleidungsstücke, Spielzeug, Hygieneartikel und Süßigkeiten. So viel, dass jedes Jahr auch einige Koffer zusätzlich für die Familien in Weißrussland gepackt werden. Die Kinder kommen aus dem Gebiet um Bychow und Mogilow, ein Teil von ihnen stammt aus dem Dorf Barkalabawa.

Für Monika Petras ist es fast wie ein zweites Zuhause. Vier Mal war sie dort schon zu Besuch. Vor allem an einer Familie hängt ihr Herz besonders: an der von Andre. Er kam 1999 erstmals nach Dahme und bei Familie Petras unter. Seitdem ist eine tiefe Freundschaft entstanden. Mittlerweile ist Andre Lehrer und hilft dem Arbeitskreis von Weißrussland aus, hat selbst eine Familie gegründet. „Es macht mich stolz, die Kinder aufwachsen zu sehen. Bei Andre ist es fast so, als wäre ich noch einmal Oma geworden“, sagt Monika Petras.

Für ihr Engagement für Tschernobyl-Kinder wurde Monika Petras vor zwei Jahren zum Tag des Ehrenamtes in Potsdam ausgezeichnet. An einem Tisch mit Ministerpräsident Dietmar Woidke zu sitzen, war schon etwas besonderes, sagt sie. „Zu sehen, dass unser Einsatz Anerkennung findet, motiviert ungemein“, sagt sie.

Dabei ist es längst nicht das einzige Ehrenamt, das Monika Petras in Dahme übernimmt. Seit etwa zwölf Jahren tanzt sie bei den Flämingdamen mit. In typischer Fläming-Tracht studieren die Damen – und mittlerweile auch einige Herren – alte Tänze ein und erfüllen damit Traditionen mit neuem Leben. Getreu dem Motto „Wir ehren das Alte, begrüßen das Neue, halten uns selbst und unserer Heimat die Treue“ wird wöchentlich in Originaltrachten getanzt. „Ich tanze für mein Leben gern. das ist meine zweite, große Leidenschaft nach den Tschernobyl-Kindern“, sagt sie. Ob typische Fläming-Tänze, Polka oder sogar Country – die Flämingdamen können so manche Choregraphie aufs Parkett zaubern.

Ein Mal im Jahr besuchen sie damit auch internationale Tanzfestivals, um den Fläming und seine Traditionen europaweit näher zu bringen. In der Region ziehen sie zusätzlich für Feste oder Jubiläen die Tracht mit den seidig-grünen Schürzen über. Für dieses Jahr ist der Kalender bereits gut gefüllt.

Auch neue Tänze haben die Damen wieder einstudiert – dieses Mal im Altberliner Stil. Zum Fasching am vergangenen Wochenende gab es erstmals eine Kostprobe. Rheinländer und Co sorgten beim Publikum für Stimmung. „Jede Gruppe bringt sich ein, hilft beim Vorbereiten und Schmücken“, beschreibt Monika Petras den Zusammenhalt. Sie selbst ist beim Fasching seit einigen Jahren in doppelter Mission unterwegs: als Flämingdame und als Frau Böhr. Gemeinsam mit dem Nachtwächter Schmidt hält das historische Pärchen in Dahme das närrische Zepter in Händen. „Ich sehe mich als Frau Böhr, aber nicht nur, wenn die Rede zu Fasching zu halten ist. Auf für Reisegruppen oder zu Veranstaltungen kann man so ein Stück Geschichte repräsentieren“, sagt sie. Anderen eine Freude zu machen, davon bekommt Monika Petras scheinbar nicht genug.

In einer neuen Serie stellt die RUNDSCHAU jede Woche Herzensmenschen vor. Es geht um Männer und Frauen, die mit Leidenschaft und großem Engagement ihre Sache verfolgen – oder in ihrem Leben eine Herzensentscheidung treffen mussten, die nicht ohne Risiko war und vieles verändert hat. Wenn Sie Vorschläge haben, wer im Rahmen dieser Serie vorgestellt werden sollte, wenden Sie sich gern an die LR, am besten per E-Mail an red.spreewald@lr-online.de.