ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:44 Uhr

Mit Schwung ins Jahr und Großbaustellen

So schwungvoll wie beim Eröffnungsprogramm der Kita "Kleine Strolche" soll es im neuen Bürgerhaus in Langengrassau noch oft zugehen.
So schwungvoll wie beim Eröffnungsprogramm der Kita "Kleine Strolche" soll es im neuen Bürgerhaus in Langengrassau noch oft zugehen. FOTO: be
Langengrassau. Umfangreiche Bauvorhaben wurden im Jahr 2016 in der Gemeinde Heideblick abgeschlossen. Und die nächsten dicken Brocken stehen bereits ins Haus, wie Bürgermeister Frank Deutschmann (parteilos) vorausblickt. Carmen Berg

Fast fünf Jahre steht Frank Deutschmann an der Spitze der Gemeindeverwaltung. Damit ist gut die Hälfte der Wahlperiode absolviert. "Nie hätte ich bei Amtsantritt 2012 geglaubt, dass Bauarbeiten uns so stark beschäftigen würden. Damals dachte ich, der Schwerpunkt würde sein, Vorhandenes zu erhalten", erinnert er sich.

Im Vorjahr seien besonders jene Projekte zur Herausforderung geworden, für die die Gemeinde nicht selbst Bauherr war, sagt er und nennt den Ausbau der Ortsdurchfahrt der B 87 in Wüstermarke. "Lange hatten die Bürger darauf gewartet. Aber während der Arbeiten haben immer wieder Unvernünftige die Vollsperrung missachtet und sind in die Baustelle gefahren, teils kam es deshalb zu Unfällen", erzählt Frank Deutschmann.

Gern denkt er 2016 hingegen an die Einweihung des Bürgerhauses in Langengrassau zurück, ein Projekt der Gemeinde. In achtmonatiger Bauzeit wurde aus der alten Turnhalle ein Treff der Generationen. In das 750 000 Euro teure Vorhaben flossen 550 000 Euro aus dem Topf der integrierten ländlichen Entwicklung.

Bald rücken die Bagger an

Trotz satter Summen aber waren solche Maßnahmen "kleine Fische" gegen die Großbaustelle, in die sich der Ortsteil Beesdau in den nächsten Monaten verwandeln wird. Unter Federführung des Bergbausanierers LMBV werden für rund drei Millionen Euro Trink-, Schmutz- und Regenwasserkanäle sowie sämtliche Dorfstraßen erneuert. Ein Großteil der Mittel kommt aus dem Topf zur Gefahrenabwehr infolge des Grundwasser-Wiederanstiegs. Der Eigenanteil der Gemeinde beträgt rund 800 000 Euro. In der zweiten Januarwoche soll die Auftragsvergabe erfolgen. Dann werde es je nach Wetter bald losgehen. An mindestens drei Stellen wird gleichzeitig gebaut. "Das verlangt den Beesdauern viel ab", so der Bürgermeister. Für den Schülerverkehr, die Müllentsorgung und andere Belange des täglichen Lebens müssten Lösungen gefunden werden. Je nach Bedarf werden Informationsveranstaltungen für die Anlieger anberaumt. "Ich bin zuversichtlich, dass das Dorf die schwierige Bauzeit meistert. Die Beesdauer werden sich gegenseitig helfen", sagt Frank Deutschmann.

Mindestens ebenso brennen der Gemeinde die neuen Bahnquerungen auf den Nägeln, die im Zuge des Streckenausbaus Berlin-Dresden nötig werden. Der für Walddrehna vorgesehene Tunnel soll statt ursprünglich sechs nun neun Millionen Euro kosten. Damit steige auch der Anteil der Gemeinde, die mit einem Drittel im Boot sei, erklärt Frank Deutschmann und sieht dazu noch erheblichen Klärungsbedarf. Grund für die Kostenexplosion sei eine veränderte Technologie, sagt er.

Brückenkosten explodieren

In interkommunaler Zusammenarbeit koordiniert ein Mitarbeiter der Heideblicker Bauverwaltung die Bahnbrücken-Bauten auch für Luckau und den Unterspreewald. Diese Partnerschaft habe Vorteile und sei schon früher praktiziert worden. Sie werde weiter an Bedeutung gewinnen. "Wir helfen den anderen und werden selbst Hilfe bekommen, wenn wir sie brauchen. Denn wir tragen gemeinsam Verantwortung für unsere Region", so Heideblicks Verwaltungschef. Ein Gemeindezusammenschluss hingegen steht für den Bürgermeister der 3600-Einwohner-Kommune momentan nicht auf der Tagesordnung. "Wenn es in der Perspektive dazu kommen sollte, so ist uns wichtig, dass Heideblick seinen eigenen Haushalt behält", sagt er.

Aus dem Brandschutz-Förderprogramm will Heideblick in diesem Jahr den Waldweg von Wehnsdorf in Richtung Weißack ausbauen, 2018 soll die Verbindung von Schwarzenburg nach Walddrehna folgen. Saniert wird für den Hochwasserschutz der Durchlass in Gehren, der im Vorjahr aus Kostengründen aufgeschoben wurde. Grundhaft erneuert mit Förderhilfe wird in Langengrassau die Verbindung von der Dorfstraße zur Milchviehanlage, zählt der Bürgermeister weitere Vorhaben auf.

Aus seiner Sicht ein Sorgenkind bleibt der Luckauer Trink- und Abwasserzweckverband. "Die Rückzahlung aller Beiträge und die Umstellung auf eine Gebührenfinanzierung wäre trotz Nachteilen, die auch diese Variante hat, noch die beste Lösung", sagt Frank Deutschmann. Es sei aber nicht klar, wie sie finanziert werden soll. Der Bürgermeister sieht das Land in der Pflicht. Es könne nicht sein, dass Menschen, die auf das Verwaltungshandeln vertraut und nicht geklagt haben, die Verlierer sind, bekräftigt er.

Für neue Wege der Integration

Mehr Beweglichkeit von Potsdam wünscht er sich außerdem, wenn es um die Integration von Flüchtlingen geht. Rund 60 Migranten leben in Heideblick, überwiegend in Walddrehna. Während die Kinder schnell Kontakt finden, scheitere es bei den Erwachsenen meist an der Sprache. Sinnvoll sei es, mehr Flüchtlingen Gelegenheit zur Arbeit gemeinsam mit deutschen Kollegen zu geben. Die Praxis sei der beste Lehrer, sagt Frank Deutschmann. Zudem erhöhe ein solches Modell die Akzeptanz für die Neubürger in der Bevölkerung. Dem Bürgermeister zufolge könnten auf dem Bauhof von Heideblick zwei bis drei Migranten Seite an Seite mit deutschen Mitarbeitern tätig werden. "Das geht aber nicht zum Tariflohn, weil der Betreuungsaufwand hoch ist ", sagt er. Es sei bei der Integration viel angeschoben worden, aber es sei noch Luft nach oben. Er plädiert dafür, den Kommunen mehr Möglichkeiten zu geben.

Auch das war 2016: Antje Roloff, Carola Janek, Jana Zurakowski und Martina Werner (v.l.) hatten im September gut lachen: Das Freilichtmuseum Höllberghof konnte nach Schließung neu durchstarten.
Auch das war 2016: Antje Roloff, Carola Janek, Jana Zurakowski und Martina Werner (v.l.) hatten im September gut lachen: Das Freilichtmuseum Höllberghof konnte nach Schließung neu durchstarten. FOTO: be