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Mit drei Kniegeigen auf einer Reise durch die Zeit

Die klangvolle Vielfalt der Gamben brachten Sarah, Hille und Marthe Perl (v.l.) in der Dahmer Schlossruine zu Gehör.
Die klangvolle Vielfalt der Gamben brachten Sarah, Hille und Marthe Perl (v.l.) in der Dahmer Schlossruine zu Gehör. FOTO: Birgit Keilbach/bkh1
Dahme. Die Gambe ist ein Instrument, das heutzutage eher selten zu hören ist. In der Dahmer Schlossruine hatten Musikfreunde Gelegenheit, einem Trio zu lauschen, das die Klangvielfalt des vielseitigen Instrumentes eindrucksvoll und mit virtuoser Spielfreude entfaltete. Birgit Keilbach / bkh1

Hille Perl, ihre Tochter Marthe und ihre Nichte Sarah ließen das Publikum erleben, wie sich die Gambenmusik im Laufe der Jahrhunderte entwickelte.

Die Kniegeige, wie die Gambe wegen ihrer Haltung zwischen den Knien des Musikers auch genannt wird, kam im Spätmittelalter aus dem arabischen Raum nach Spanien. "Ab 1540 entstanden dort die ersten Gambenschulen", sagte Hille Perl. Die Musikerin unterrichtet das Instrument an der Hochschule für Musik in Bremen. Sie moderierte das Konzert und vermittelte Wissenswertes über die Rolle der Gambe in der europäischen Musikgeschichte. So erfuhren die Zuhörer, dass in England zu Shakespeares Zeit das Gamben-Consort "groß in Mode gewesen ist". "Gambe zu spielen, war überall ein großer Zeitvertreib des Bürgertums und niederen Adels", erläuterte die Musikerin. Wie die für das Instrument komponierte Musik immer virtuoser und spezifischer wurde, brachten die drei Frauen auf ihren unterschiedlichen Gamben zu Gehör. Am Hof von Frankreichs König Ludwig XIV. im Hochbarock sei die Viola da Gamba in ihren verschiedenen Ausführungen das wohl wichtigste Instrument gewesen, brachte Hille Perl nahe. In Deutschland widmete sich auch Johann Sebastian Bach dem Instrument. Das Trio ließ eine Sonate von ihm erklingen. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts schwand die Beliebtheit der Viola da gamba, weil mit Violine und Violoncello zwei neue Instrumente an ihre Stelle traten. Allmählich erwachte im 20. Jahrhundert neues Interesse an der Instrumentenfamilie. Heute ist die Gambe bei der Aufführung Alter Musik wieder zu hören.

Die Dahmer Schlossruine bot die passende Kulisse dafür. "Sie hat einen besonderen Charakter und bietet eine schöne Atmosphäre für das Konzert", waren Dr. Hans Kastelewicz und seine Frau Karola von dem historischen Gebäude sehr angetan. "Wir freuen uns immer über Veranstaltungen in der Schlossruine und die Musik passt wunderbar dazu", sagte die Dahmenserin Christel Katschemba. Dem schloss sich Ruth Ahlert an. "Die Gambenmusik hat einen so schönen, zarten Klang und der kommt hier sehr gut zur Geltung. Das Zusammenspiel der drei Musikerinnen funktioniert fantastisch", schwärmte die Musiklehrerin, die an der Dahmer Grundschule unterrichtet.

Für Andrea und Uwe Herrmann aus dem Norden Berlins war der Aufführungsort eine Entdeckung. "Wir haben Hille Perl als Musikerin schon erlebt und Alte Musik gefällt uns", sagte das Paar. Die Schlossruine biete ein ähnlich gutes Klangerlebnis wie die Klosterruine in Altfriedland (Oderbruch), zogen die Berliner Musikfreunde einen Vergleich.

Zu Entdeckungen dieser Art will die noch junge Veranstaltungsreihe "Kulturfestspiele Schlösser und Gärten der Mark" anregen. Veranstalter ist der gemeinnützige Verein Freunde der Residenzstadt Königs Wusterhausen, unterstützt von der Stiftung Schlösser und Gärten der Mark und dem gleichnamigen Freundeskreis. "Es gibt viele wunderschöne alte Schlösser, Herrenhäuser und Ensembles. Mit unserem Festival wollen wir die Neugier wecken, diese Kleinode zu entdecken", sagte die künstlerische Leiterin Anna Barbara Kastelewicz. Passend dazu werde die Musik ausgewählt. "Wir haben verschiedene Reihen, zum Beispiel Barock, Romantik, Jazz, Populäres oder auch eine Wiederbelebung der Salonkultur mit Literatur und Musik", zählte sie auf. Die Violinistin arbeitet als Solistin, Kammermusikerin und Konzertmeisterin und leitete von 2006 bis 2013 das Musikfestival Lüneburger Heide.

Zum Thema:
Die Veranstaltungsreihe "Kulturfestspiele Schlösser und Gärten der Mark" umfasst in diesem Jahr insgesamt 28 Konzerte im Land Brandenburg. Am Montag, 2. Oktober um 17 Uhr, spielt Das Neue Barockorchester Berlin in der Schinkelkirche in Straupitz. Zum Silvesterkonzert am 31. Dezember ist die Reihe mit dem Vokalquintett Berlin in der Luckauer Kulturkirche zu Gast. Beginn ist um 19 Uhr.