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Mit Blutsaugern zum Bohnstedt-Preis

Die Ausgezeichneten unter dem Bild des Luckauer Naturwissenschaftlers und Lehrers Alexander Reinhold Bohnstedt. Den Hauptpreis gewann Tabea Lorentz (vorn).
Die Ausgezeichneten unter dem Bild des Luckauer Naturwissenschaftlers und Lehrers Alexander Reinhold Bohnstedt. Den Hauptpreis gewann Tabea Lorentz (vorn). FOTO: Carmen Berg
Luckau. Tabea Lorentz, Gewinnerin des Bohnstedt-Schülerpreises am Luckauer Gymnasium, hat sich für ihr Forschungsprojekt bis aufs Blut eingesetzt. Die Zehntklässlerin fütterte Stechmücken bei der künstlichen Aufzucht mit dem eigenen Lebenssaft. Carmen Berg

Als Tabea Lorentz aus den Sommerferien zurückkehrte, war ihre Hand rot geschwollen und voller Pusteln. "Manche Mitschüler fanden das irre", erinnert sich die Zehntklässlerin und lacht. Auf die Idee, die Stechmücke Anopholes stephensi, die auch als Malariaüberträger gilt, unter Laborbedingungen zu züchten, sei sie durch ihren Onkel gekommen. Der sei Parasitologe, erzählt die junge Luckauerin. Manchmal habe sie ans Aufgeben gedacht, wenn sich die etwa 100 Blutsauger im Käfig aus der Hand der Nachwuchsforscherin ihr Futter holten. "Doch auf halber Strecke aufzugeben, ist nicht mein Ding", so Tabea. Für einen weiteren Teil des Projektes war die Gymnasiastin mit gestandenen Profi-Wissenschaftlern im österreichischen Burgenland sowie auf der britischen Kanalinsel Jersey unterwegs. "Wir haben untersucht, wie weit sich Sandmücken durch den Klimawandel bereits von den Tropen nach Norden ausgebreitet haben", erklärt sie. Sandmücken seien potenzielle Überträger der Leishmaniose, einer für den Menschen hoch gefährlichen Tropenkrankheit. "Die Arbeit war spannend, wir haben Scheunen gesucht, um unsere Fallen zu platzieren, und dabei viele interessante Menschen kennen gelernt", schwärmt sie. Doch habe sie das Projekt auch nachdenklich gemacht. "Ich hätte nicht gedacht, dass es mit dem richtigen Know How verhältnismäßig leicht sein kann, Mücken zu züchten, die in den falschen Händen zur biologischen Waffe werden können", so Tabea Lorentz.

Hohes Engagement bescheinigt die Jury allen Ausgezeichneten im Wettbewerb. "Sie haben es nicht beim Googlen belassen, haben sich in die Materie vertieft, wissenschaftliche Fakten mit persönlichen Erfahrungen zusammengefügt", sagt Helmut Donath, Leiter des Naturparkes Niederlausitzer Landrücken, dessen Förderverein den Bohnstedt-Preis in der Kategorie Naturwissenschaften auslobt.

Kenneth Böhmchen aus Breitenau (Elbe-Elster) beispielsweise hat seine Geschichte, wie er das Sehen lernte, aufgearbeitet. Er sei mit dem grauen Star zur Welt gekommen, einer Augenkrankheit, bei der man eher an Senioren denkt, erklärt der Zehntklässler. Eine Operation habe zunächst Besserung gebracht. Doch als Kenneth in die Schule kam, habe sich herausgestellt, dass der Augen-Innendruck zu hoch sei. "Mein Gesichtsfeld ist eingeschränkt, ich werde nie Auto fahren können", sagt er. Doch es gehe ihm nicht um Mitleid. "Ich wollte vielmehr zeigen, dass man auch mit einer solchen Diagnose aus seinem Leben etwas machen kann", so der Gymnasiast, der als einer von vier Schülern von der Naturpark-Jury eine Anerkennungsurkunde erhielt.

Insgesamt wurden in diesem Jahr 30 Arbeiten für den Bohnstedt-Schülerpreis eingereicht, davon 17 im naturwissenschaftlichen Bereich und 13 in der Kategorie Sprachen und Kultur. In dieser Kategorie sei der Preis erst zum zweiten Mal ausgelobt worden, sagt Renate Nowotnick, Vorsitzende des Gymnasiums-Fördervereins, der hierfür die Jury stellt. "Wir wollten auch Schülern die Möglichkeit zum Mitmachen geben, die ihre Stärken in diesen Fächern haben und vorher zu kurz gekommen waren", erklärt sie. Einen Hauptpreis hat der Schul-Förderverein diesmal nicht vergeben. Vielmehr teilen sich vier Gymnasiasten die Anerkennung. Zwölftklässlerin Julia Müller ist darunter, die bei der Fahrt des Englischkurses nach London auf den Spuren von Sherlock Holmes wandelte und ihre Erkenntnisse zur Figur des berühmten Kriminalisten und ihres Schöpfers Sir Arthur Canon Doyle in englischer Sprache verfasste.

Der Wettbewerb ist Alexander Reinhold Bohnstedt gewidmet, einem Luckauer Naturwissenschaftler und früheren Lehrer am Gymnasium. "Es gibt den Wettstreit seit den 1980er Jahren. Doch die Verleihung von Bohnstedts Namen an unsere Schule 2007 hat ihm einen großen Schub gegeben. Die Schüler identifizieren sich jetzt viel stärker damit", sagt Pädagogin Andrea Werner, zuständig für die Koordination.

Die Preisträger

Naturwissenschaften:

Tabea Lorentz (Hauptpreis)

Kenneth Böhmchen, Alexander Kaiser, Josefin Kubsch und André Paegert (Anerkennungen).

Sprache und Kultur:

Cölestine Zoe Reich, Julia Müller, Jessica Schröder und Paula Huth.