| 18:21 Uhr

Prävention an Schulen
Mit Alkohol umgehen lernen

Zu den Folgen von Alkoholmissbrauch gaben Gabriele Schönfeld, Anke Schneider und Olaf Milkau den Siebtklässlern vielfältige Einblicke.
Zu den Folgen von Alkoholmissbrauch gaben Gabriele Schönfeld, Anke Schneider und Olaf Milkau den Siebtklässlern vielfältige Einblicke. FOTO: Birgit Keilbach
Luckau. Siebtklässler am Bohnstedt-Gymnasium erhalten anschauliche Einblicke zu diesem Thema. Von Birgit Keilbach

Mit einem wichtigen Thema haben sich am Mittwoch die Gymnasiasten der Klasse 7b in Luckau befasst: „Wie kann ich mit Alkohol maßvoll umgehen?“ Alkohol ist als Gesellschaftsdroge allgegenwärtig, nahezu jeder besondere Anlass wird mit dem Gläschen Sekt zum Anstoßen begangen. Das Feierabendbier gehört ebenso dazu, wie die gemütliche Runde mit Freunden oder Nachbarn sowie Familienfeiern, wo es immer auch Alkohol zu trinken gibt.

Eingeladen hatte Klassenlehrerin Barbara Hommel dazu die Leiterin der soziotherapeutischen Wohnstätte der AWO in Kemlitz, Anke Schneider. 24 einst schwer alkoholabhängige Menschen leben dort. Einer von ihnen ist Olaf Milkau. Er erzählte den Siebtklässlern seine Geschichte und stand ihnen zu allen Fragen Rede und Antwort. Mit 14 Jahren habe er begonnen, Alkohol zu trinken. Schleichend entwickelte sich bei ihm eine schwere Alkoholabhängigkeit. „Anfangs habe ich das nicht gemerkt, später hat der Körper den Alkohol gebraucht“, schilderte er. In Kneipen wurden Geschäfte gemacht, immer mit Bier und Schnaps, antwortete er auf die Frage, wie er in die Abhängigkeit kam. Später habe er dann schon vor dem Aufstehen Schnaps trinken müssen. „Die Flasche lag am Kopfende des Bettes. Ich musste meinen Alkoholspiegel haben, ich habe gezittert und mich zu schwach zum Aufstehen gefühlt“, berichtete der 54-Jährige.Sechs Flaschen Schnaps am Tag habe er gebraucht, bis er durch einen zweiten Entzug trocken wurde. Seit fünf Jahren habe er keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt. Eine Chance auf Arbeit habe er heute nicht mehr. Einen Führerschein bekommt er nie wieder, zu viele Strafen wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss haben sich angesammelt. Heute wohnt er in der soziotherapeutischen Wohnstätte. „Ich habe dort einen geregelten Tagesablauf und bin nicht allein“, nennt er einen wesentlichen Punkt.

Der Weg in eine Abhängigkeit von legalen und illgalen Drogen erfolge immer schleichend, erläuterte Suchtsozialtherapeutin Gabriele Schönfeld. „Alkohol ist eine anerkannte gesellschaftliche Droge in Deutschland und die meisten Menschen haben ein normales Konsumverhalten“, erläuterte sie. Es mache auch keinen Sinn, Alkohol zu verbieten, antwortete sie auf eine Frage der Schüler. Er könnte jedoch durchaus teurer werden und erst ab 18 Jahren frei verkäuflich sein, legte sie ihre Meinung dar.

Doch was führt in die Abhängigkeit? Und wie kann ich das vermeiden? „Alkohol ist ein Genussmittel. Ihr solltet Euch selbst fragen: Was schmeckt mir?“ Es gebe auch keine pauschalen Antworten, wann es zuviel ist. „Der eine verträgt nur ein Glas Bier, ein anderer kann vier oder fünf trinken, und es wirkt sich erst dann gravierend auf seine Wahrnehmung und Reaktionsfähigkeit aus“, erläutert Gabriele Schönfeld. Sie legt den Siebtklässlern ans Herz, genau in sich hineinzuhören, sich selbst zu beobachten. „Ihr solltet auch akzeptieren, wenn ein Kumpel oder eine Kumpeline sagt, dass sie keinen Alkohol trinken möchte.“ Und wenn ein Freund oder die Freundin mal zuviel getrunken habe, „dann lasst sie nicht allein, sondern helft ihnen nach Hause – gerade dann, wenn sie es selbst nicht mehr schaffen würden“, appelliert sie.

Ein Weg in die Alkoholabhängigkeit führe oftmals über die Schiene, dass Menschen ein unangenehmes Gefühl damit betäuben, mehr Selbstsicherheit ausstrahlen und Komplexe überspielen wollen. Aber auch Neugier und Gruppenzwang, wie beispielsweise beim unter jungen Menschen verbreiteten „Komasaufen“ seien Faktoren, zählte die Suchtsozialtherapeutin auf.

Bekanntschaft mit Alkohol haben auch die Siebtklässler bereits gemacht. Kirschwein statt –saft fand Pia in einer Flasche Hohes C im Kühlschrank. „Das hat eklig geschmeckt“, erinnert sie sich. Lena trank bei einem Geburtstag Schlammbowle. „Durch das Eis und den Saft habe ich den Alkohol gar nicht gemerkt“, schildert sie ihre Erfahrung. Lucas hingegen merkte auf einer Hochzeit gleich am Geschmack des Cocktails seiner Mutter, dass dort Alkohol drin war. „Ich fand es gut, wie er uns geschildert hat, wohin die Sucht führt. Auch der Überblick über die anderen, illegalen Drogen und was sie bewirken, war interessant“, resümierte der Siebtklässler.