| 02:32 Uhr

Mit 60 Lenzen noch attraktiv

Diana Budemann, Helmut Drößigk, Franz Morotini, Angelika Schmolke, Edith Vetter, Manfred Fritsch und Angelika Klaucke (von links) vor dem Alting-Bau, dem ersten Block der Wohnungsgenossenschaft. Im Herbst 1957 wurde dafür der Grundstein gelegt.
Diana Budemann, Helmut Drößigk, Franz Morotini, Angelika Schmolke, Edith Vetter, Manfred Fritsch und Angelika Klaucke (von links) vor dem Alting-Bau, dem ersten Block der Wohnungsgenossenschaft. Im Herbst 1957 wurde dafür der Grundstein gelegt. FOTO: be
Luckau. Die Wohnungsgenossenschaft Luckau blickt in diesen Tagen auf ihr 60-jähriges Bestehen zurück. Der Gründung im Juni 1957 folgte schon am 30. September der Grundstein für den ersten Wohnblock an der damaligen Thälmannstraße, heute An der Schanze. Carmen Berg

Manfred Fritsch war von Anfang an dabei. Wohnungen waren knapp. Ein einziges Zimmer in der Brauhausgasse hatte seine Familie mit zwei Kindern. Für ihr neues Dach überm Kopf mussten die Genossenschaftsmitglieder Anteile einzahlen und selbst Hand anlegen. "650 Stunden waren das für unsere Zweieinhalb-Raum-Wohnung", sagt Manfred Fritsch. "Wir haben Tonnenweise Laster mit Kies be- und entladen, alles per Hand", erinnert er sich.

In der ersten Wohnung, die er 1959 bezog, lebt er bis heute. Der Block hieß im Volksmund Alting-Bau, nach dem damaligen Kreisbaudirektor. "Wir haben eine große Küche und einen großen Balkon. So komfortabel durfte später nicht mehr gebaut werden", sagt er.

Seit 1996 teilt der Witwer sein Domizil mit Lebensgefährtin Edith Vetter. Die Witwe zog aus einem Eigenheim zu ihm. "Es wohnt sich hier wunderbar", schwärmt sie.

246 Wohnungen hat die Genossenschaft im Bestand, neben Blöcken An der Schanze und am Mühlberg ein Haus mit 18 Wohnungen in Uckro. An der Schanze seien die Quartiere gut belegt, es gebe sogar Wartelisten, am Mühlberg stünden etwa zehn Prozent leer, sagt Vorstandsmitglied Angelika Klaucke. Betroffen seien vor allem Wohnungen in der dritten und vierten Etage. Die Mieter werden älter, schaffen die Treppen nicht mehr.

Deshalb rüstet die Genossenschaft gegenwärtig am Mühlberg 12 einen Aufgang mit acht Wohnungen mit einem Fahrstuhl aus. Die Wohnungen werden auch innen barrierefrei sowie mit Duschen statt Wannen gestaltet, sagt Diana Budemann vom Vorstand.

Mehr als 50 Jahre hatte Helmut Drößigk in diesem Aufgang in der dritten Etage sein Zuhause. "Neben der Arbeit Aufbaustunden leisten, das Geld für die Genossenschaftsanteile aufbringen - es war nicht einfach", blickt er zurück. Wegen des Umbaus zog er jetzt am Mühlberg noch einmal um. Von der Rückzugsmöglicheit, die die Genossenschaft allen Mietern des Aufgangs nach der Sanierung anbietet, will er keinen Gebrauch machen. "Ich habe jetzt eine schöne Wohnung im Erdgeschoss, hier will ich nicht mehr weg."

Alle Wohnhäuser der Genossenschaft seien in den vergangenen Jahren baulich auf Vordermann gebracht worden. Zudem habe der Straßenausbau im Vorjahr An der Schanze das Wohngebiet aufgewertet, schmucke Gehwege, neue Parkplätze für die Mieter entstanden. Wo das möglich sei, gehe die Genossenschaft auf Wünsche der Mieter ein, Wohnungen würden zusammengelegt oder verkleinert, Bäder altersgerecht verändert, sagt Diana Budemann. Sie verzeichnet wachsendes Interesse an den Domizilen bei Zuzüglern von auswärts.

Angelika Schmolke kam im Oktober 2015 aus Hannover in die Gartenstadt, in der auch ihre Tochter lebt. Sie ist auf den Rollator angewiesen und bekam eine Wohnung im Erdgeschoss mit ebenerdiger Dusche. "Meine Tochter hat sich gekümmert, alles ging unkompliziert. Ich habe die Wohnung gesehen und mich verliebt", erzählt sie.

Franz Morotini und seine Frau hat es im Februar 2016 in den Alting-Block nach Luckau verschlagen. Der Großstadt-Stress sei ihnen zu viel geworden. Deshalb ergriffen sie im Ruhestand die Chance, sich noch einmal zu verändern. "Die Wohnung ist schön, aber auch das Preis-Leistungsverhältnis und das Umfeld stimmen", sagt Franz Morotini. "Wir sind liebevoll aufgenommen worden, man grüßt sich, auch wenn man sich nicht näher kennt. Ich bereue den Umzug nicht."

Zum Thema:
Die Wohnungsgenossenschaft hat ihren Sitz An der Schanze 28. Sie ist unter Telefon 03544 2042 oder per Mail unter WGLuckau@t-online.de zu erreichen.