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| 18:49 Uhr

Forschungsprojekt zu den Ursachen der Gurken-Konsistenz
Angriff auf Feinde der Gurke

 Voller Einsatz für die Spreewälder Gurke: Staatssekretärin Carolin Schilde und Landwirt Heinz-Peter Frehn auf einem Gurkenflieger.
Voller Einsatz für die Spreewälder Gurke: Staatssekretärin Carolin Schilde und Landwirt Heinz-Peter Frehn auf einem Gurkenflieger. FOTO: Christina Wessel / LR
Schöneiche/golßen. Extremwetter und Schädlinge machen dem Exportschlager zu schaffen. Wissenschaftler forschen, damit das Gemüse aus dem Spreewald auch in der Konserve schön knackig bleibt. Von Christina Wessel

Auf dem Gurkenhof Frehn in Schöneiche herrscht hektische Betriebsamkeit. Busse karren Männer und Frauen zu den Gurkenfeldern von Landwirt Heinz-Peter Frehn. Bei der Wärme wachsen die Pflanzen und ihre Früchte besonders schnell. Jeder Helfer ist gefragt. Auf dem 30 Hek­tar großen Feld stehen die riesigen Gurkenflieger für den Ernte-Einsatz bereit. Einer ist an diesem Tag prominent besetzt.

Neben dem Hofbesitzer Frehn hat es sich Agrarstaatssekretärin Carolin Schilde auf den Ernte-Tragflächen bequem gemacht. Als Vertreterin des Landwirtschaftsministeriums in Brandenburg kümmert sie sich um ein Prestigeprojekt. Schließlich gehört die Gurke zum Spreewald wie der Stollen zu Dresden.

 In Aktion: Staatssekretärin Carolin Schilde erntet gemeinsam mit Landwirt Heinz-Peter Frehn frische Gurken.
In Aktion: Staatssekretärin Carolin Schilde erntet gemeinsam mit Landwirt Heinz-Peter Frehn frische Gurken. FOTO: Christina Wessel / LR

Als kulinarische Spezialität stehen die Spreewaldgurken seit März 1990 unter europäischem Markenschutz. Trotzdem sorgen sich Politik und Landwirte um das populäre Gemüse aus der Region. Immer wieder kommt es zu Ertragsverlusten und Qualitätsproblemen durch Schädlinge und Extrem-Wetterlagen. Eine Folge: Aus der knackigen Gurke wird in der Konserve ein weiches Gemüse. Ein Grund, warum Landwirte und Politik die Wissenschaft zur Kooperation beauftragt haben.

 Staatssekretärin Carolin Schilde, Landwirt Heinz-Peter Frehn auf dem Gurkenhof Frehn in Schöneiche.
Staatssekretärin Carolin Schilde, Landwirt Heinz-Peter Frehn auf dem Gurkenhof Frehn in Schöneiche. FOTO: Christina Wessel / LR
 Staatssekretärin Carolin Schilde, Landwirt Heinz-Peter Frehn auf dem Gurkenhof Frehn in Schöneiche.
Staatssekretärin Carolin Schilde, Landwirt Heinz-Peter Frehn auf dem Gurkenhof Frehn in Schöneiche. FOTO: Christina Wessel / LR

Landwirt Frehn weiß, was für Gurken gut ist. Detailliert formuliert er die Bedingungen, unter denen das grüne Gemüse am besten gedeiht. „Für die Gurken ist eine Temperatur von zehn Grad in der Nacht und 25 Grad am Tag optimal.“ Voraussetzungen, die insbesondere im Hitze-Sommer 2018 nicht erfüllt werden konnten. Und auch das Jahr 2019 bietet für die heißen Monate nicht die besten Werte. Es ist wieder sehr warm und trocken. Vorteil: Die kleinen Kürbisgewächse wachsen schneller. Den Nachteil fasst Frehn so zusammen: „Für die Gurken bedeutet die Hitze Klimastress“. Außerdem befinden sich im Stielansatz die Bitterstoffe, die als eine Reaktion auf die lang anhaltende Trockenheit und Hitze stärker freigesetzt werden.

 Wissenschaft in der Praxis: Forscherin Anne-Katrin Kersten pflückt ihren Forschungsgegenstand – die Gurke aus dem Spreewald.
Wissenschaft in der Praxis: Forscherin Anne-Katrin Kersten pflückt ihren Forschungsgegenstand – die Gurke aus dem Spreewald. FOTO: Christina Wessel / LR
 Wissenschaft in der Praxis: Forscherin Anne-Katrin Kersten pflückt ihren Forschungsgegenstand – die Gurke aus dem Spreewald. 
Wissenschaft in der Praxis: Forscherin Anne-Katrin Kersten pflückt ihren Forschungsgegenstand – die Gurke aus dem Spreewald.  FOTO: Christina Wessel / LR

Mit den tropischen Temperaturen kommen auch die Schädlinge. Anne-Katrin Kersten kennt die millimetergroßen Feinde der Gurken. Sie arbeitet am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung in Müncheberg und schreibt an der Humboldt Universität Berlin an ihrer Doktorarbeit. Auf einem Gurkenfeld und im Gewächshaus untersucht die Wissenschaftlerin, unter welchen Bedingungen sich die Schädlinge ausbreiten und welche Konsequenzen ein Befall für die Gurke in der Konserve hat. Die Spinnmilbe etwa fühlt sich gerade in der Hitze wohl und breitet sich schnell auf einem Anbaugebiet aus. Die Invasion der Tiere erfolgt in der Regel von außen. Allerdings konnte Kersten auch im Boden Tiere nachweisen. Handelt es sich um einen moderaten Befall, können Raubmilben eine Ausbreitung verhindern. Sie fressen die Schädlinge und sorgen damit für eine ökologische Bekämpfung der Gurken-Feinde. Zusätzlich kommt Kalkstickstoff zum Einsatz, der ebenfalls sehr gut gegen Spinnmilben wirkt.

 Wissen am Gurkentisch: Forscher, Landwirte und Politiker haben erste Ergebnisse zum Spreewälder Gurkenprojekt in Golßen präsentiert.
Wissen am Gurkentisch: Forscher, Landwirte und Politiker haben erste Ergebnisse zum Spreewälder Gurkenprojekt in Golßen präsentiert. FOTO: Christina Wessel/LR
 Wissen am Gurkentisch: Die Forscherinnen, Landwirte und Politiker haben erste Ergebnisse zum Spreewälder Gurkenprojekt in Golßen präsentiert.
Wissen am Gurkentisch: Die Forscherinnen, Landwirte und Politiker haben erste Ergebnisse zum Spreewälder Gurkenprojekt in Golßen präsentiert. FOTO: Christina Wessel/LR

Wenn die Gurke im Glas ihre Form verliert, können auch Pilze dafür verantwortlich sein. Der Alternaria ist ein Schimmelpilz, der sich insbesondere in den Monaten zwischen April und Juni auf den Gurkenpflanzen ausbreitet. Kersten: „Eine hohe Besiedlung führt zu weichen Gurken.“

Gravierende Auswirkungen hat auch das Zucchini-Gelbmosaik­virus, das häufig von Blattläusen übertragen wird und für eine Gelbfärbung der Blätter und eine Verkrümmung der Gurken verantwortlich ist. Untersuchungen dazu führte Kersten im Gewächshaus durch. Ihr Resümee: „Befallenes Gemüse sollte nicht verarbeitet werden“.

Bei der Spurensuche nach den Angreifern auf die Gurke hat Kersten Unterstützung aus Neubrandenburg. Dort betätigt Sabrina Scharf im Dienst der Wissenschaft die Guillotine. Unter den scharfen Klingen testet sie Knackigkeit und Festigkeit der Spreewälder Gurken. Scharf: „Ich nehme auf diese Weise eine Texturmessung vor.“ Zuvor hat sie nach Original-Rezeptur die Gurken zubereitet. Mit Zwiebeln, Senfkörnern, Essig und Dill legte sie die kleinen Kürbisse ein. Das Ergebnis: Nur eine Zutat legt den Verdacht nahe, dass sie für ein Form-Tief der Gurke verantwortlich sein könnte. Ausgerechnet das beliebte Kraut Dill scheint als Übeltäter und Weichmacher infrage zu kommen. Scharf: „Je reifer der Dill ist, desto mehr Enzymaktivität lässt sich feststellen.“ Keine gute Nachricht für Freunde des ausgereiften Gurkenkrauts. Denn mit der Enzymaktivität steigt die Gefahr zur weichen Gurke. Deshalb empfiehlt die Forscherin die Verwendung frischen und getrockneten Dills.

Etwa zweieinhalb Jahre arbeiten Forscher und Landwirte bereits an der Qualitätssicherung der knackigen Spreewälder Gurken.