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| 17:28 Uhr

Ärztemangel
Auf Augenhöhe mit Ärzten in spe

 In der Dialysepraxis Luckau erhielten die Medizinstudenten Einblick in das Leistungsspektrum und die Möglichkeiten einer gemeinschaftlich geführten Praxis von Elke Wecke-Harbarth (r.). Die Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie leitet das Nephrologicum Lausitz mit fünf Standorten und mehr als 100 Angestellten gemeinsam mit Dr. med. Ulrike Wolf.
In der Dialysepraxis Luckau erhielten die Medizinstudenten Einblick in das Leistungsspektrum und die Möglichkeiten einer gemeinschaftlich geführten Praxis von Elke Wecke-Harbarth (r.). Die Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie leitet das Nephrologicum Lausitz mit fünf Standorten und mehr als 100 Angestellten gemeinsam mit Dr. med. Ulrike Wolf. FOTO: Birgit Keilbach
Luckau. Luckau empfiehlt sich künftigen Ärzten der Medizinischen Hochschule Brandenburg. Von Birgit Keilbach

Ärztenachwuchs wird in Luckau dringend gebraucht. Deshalb hat die Stadt die Initiative ergriffen und Medizinstudenten eingeladen, sich von den Arbeits- und Lebensbedingungen ein eigenes Bild vor Ort zu machen.

Sechs Studierende der Medizinischen Hochschule Brandenburg (MHB) nutzten am Samstag diese Möglichkeit. Sie kamen mit dem MHB-Mobil. Das ist ein Projekt des Fördervereins der Hochschule, das beiden Seiten Nutzen bringt. Denn die Studenten machen mit ihrer Informationsreise als Ärzte in spe, die möglicherweise vor Ort arbeiten wollen, zugleich ihre Hochschule im Land bekannt. Unterstützt wird das Projekt von der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB). Nach Guben im Herbst vergangenen Jahres war Luckau die zweite Station.

Entschleunigung als Qualität

„Wir wollen Sie gewinnen für das Leben als Arzt auf dem Land. Entschleunigung betrachten wir als Qualitätsmerkmal“, warb  Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) zur Begrüßung im Rathaus. Luckau habe jungen Medizinern eine gute Infrastruktur zu bieten, mit Kitas, Schulen, Freizeiteinrichtungen, Kultur und Natur. Ein weiterer Faktor sei das Evangelische Krankenhaus. „Die Menschen hier identifizieren sich mit dem Krankenhaus und den Ärzten. Sie sprechen von ‚ihrem Arzt‘“, erläuterte  der Verwaltungschef.

Wie sich die Arbeit als Arzt in der Kleinstadt gestaltet, erfuhren die angehenden Mediziner aus erster Hand. Elke Wecke-Harbarth führte sie durch die Luckauer Dialysepraxis des Nephrologicums Lausitz.

Sie brach eine Lanze für die Freiberuflichkeit und veranschaulichte das anhand ihres eigenen Werdegangs. Die Arbeit in eigener Praxis biete Gestaltungsspielräume. „Man kann eigene Ideen im Sinne der Patienten verwirklichen“, sagte sie. Zudem biete die enge Zusammenarbeit mit dem Krankenhaus auch weiterhin den Bezug zur klinischen Medizin. Zweite Station war die Praxis von Dr. med. Erhard Kiesel, der dort als Facharzt für Allgemeinchirurgie und Praktischer Arzt einen großen Patientenstamm betreut.

Entspannter arbeiten

„Ich hatte das Gefühl, dass es sich entspannter arbeitet als in einer großen Stadt, trotz der großen Zahl an Patienten“, gab Thanh Hien Vu beim Treffen mit weiteren Ärzten am Abend ihren Eindruck wieder. Die 26-jährige Dresdenerin studiert im neunten Semester und war neugierig auf die Region.

Sie schätze das Land als ruhigen Ort und könne sich in fernerer Zukunft vorstellen, dort zu arbeiten. „Ich habe heute mehr Vielseitigkeit in dem kleinen Ort kennen gelernt als gedacht. Auch Dinge, die ich nur in einer größeren Stadt vermutet hätte, wie eine Montessori-Kita.“ Überrascht habe sie, wie engagiert die Leute hier sind.

Neues Bild von Brandenburg

Er habe als Berliner ein sehr einfaches Bild von Brandenburg gehabt, sagte Jan Auswitz, der im fünften Semester studiert. Das habe sich inzwischen gewandelt, Vorurteile hätten sich aufgelöst, und er habe das Familiäre schätzen gelernt.

„Wenn man die Patienten persönlich kennt, bringt das auch viel Erfüllung, denke ich.“ Darin kann ihn der Luckauer Allgemeinmediziner Reinhard Lorenz nur bestärken. „Entscheidend ist die familiäre Integration, und Empathie spielt eine große Rolle. Und man muss zuhören können“, sagte er. Zufrieden mache ihn zudem die fachübergreifende Tätigkeit in der Psychologie, Orthopädie und zunehmend auch die geriatrische Versorgung.

Für die leitende Ärztin der Notaufnahme am Luckauer Krankenhaus, Andrea Beyer, ist diese direkte Begegnung der Studenten mit den Medizinern auf dem Land eine ausgezeichnete Idee. „Wir können ihnen vermitteln, dass man auch hier anspruchsvolle Medizin machen kann und die Lebensqualität stimmt.“ Hier könnten junge Ärzte Familie und Beruf gut in Einklang bringen. Auch sie stellte das persönlichere Verhältnis der Menschen zueinander als in der großen Stadt als einen Vorteil heraus.

Zufrieden mit der Resonanz

Zufrieden mit der durchweg positiven Resonanz war Prof. Dr. Günter Fleischer, Vorsitzender des Fördervereins der MHB und Initiator des Projektes. „Unser Ziel des Kennenlernens zum gegenseitigen Nutzen hat sich voll erfüllt.“ Perspektivisch sollte es gelingen, diese Reisen in den Lehrplan aufzunehmen, allerdings müsse dafür noch die Finanzierung geklärt werden.

 In der Dialysepraxis Luckau erhielten die Medizinstudenten Einblick in das Leistungsspektrum und die Möglichkeiten einer gemeinschaftlich geführten Praxis von Elke Wecke-Harbarth (r.). Die Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie leitet das Nephrologicum Lausitz mit fünf Standorten und mehr als 100 Angestellten gemeinsam mit Dr. med. Ulrike Wolf.
In der Dialysepraxis Luckau erhielten die Medizinstudenten Einblick in das Leistungsspektrum und die Möglichkeiten einer gemeinschaftlich geführten Praxis von Elke Wecke-Harbarth (r.). Die Fachärztin für Innere Medizin und Nephrologie leitet das Nephrologicum Lausitz mit fünf Standorten und mehr als 100 Angestellten gemeinsam mit Dr. med. Ulrike Wolf. FOTO: Birgit Keilbach