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| 15:21 Uhr

Medizinischer Fortschritt in Luckau
Wenn im Truck operiert wird

 Das Mobillab, ein fahrbares chirurgisches Trainingslabor,  hat am Mittwoch am Evangelischen Krankenhaus Luckau Station gemacht. Chefarzt Jens Graßmel (r.) bespricht mit Assistenzarzt Milan Todorovic neue Reparaturtechniken am Kniegelenk.
Das Mobillab, ein fahrbares chirurgisches Trainingslabor,  hat am Mittwoch am Evangelischen Krankenhaus Luckau Station gemacht. Chefarzt Jens Graßmel (r.) bespricht mit Assistenzarzt Milan Todorovic neue Reparaturtechniken am Kniegelenk. FOTO: Ingrid Hoberg
Luckau. Luckauer Krankenhaus nutzt Mobillab erstmals für die fachliche Weiterbildung von OP-Teams. Von Ingrid Hoberg

Der schwarze Truck vor dem Eingang des Evangelischen Krankenhauses ist nicht zu übersehen. Es ist das Mobillab, ein fahrbares chirurgisches Trainingslabor der Firma Arthrex. An den beiden arthroskopischen Arbeitsplätzen trainieren an diesem Tag Operateure und OP-Schwestern des Hauses Operationsverfahren zur minimalinvasiven Rekonstruktion. Ziel dieses Schulungstages ist es, OP-Techniken an der Schulter und am Knie zu optimieren und neue technische Entwicklungen kennenzulernen.

„Wir haben zum ersten Mal den Truck hier bei uns und wollen diese Form der Fortbildung für unsere OP-Teams nutzen“, sagt Chefarzt Jens Graßmel. Am ersten Tisch werden an einer Schulter Eingriffe zur Gelenkstabilisierung vorgenommen, am zweiten Tisch werden an einem Kniegelenk verschiedene Reparaturtechniken am Meniskus, am Kreuzband, an der Kniescheibe ausgeführt – das sind Aufgaben, die zum Alltag der Unfallchirurgen und Orthopäden gehören. Zur Verfügung stehen für diesen Trainingstag Originalpräparate. Das ermöglicht besonders realitätsnahe Bedingungen für die acht Operateure, die zweischichtig das Mobillab am Vormittag und am Nachmittag nutzen. So können ganze OP-Teams geschult werden. „Wir haben hier Kollegen vom Oberarzt bis zum Assistenzarzt dabei“, sagt der Chefarzt. Dazu kommen jeweils zwei OP-Schwestern.

Am Knie, das als Präparat zur Verfügung steht, ist ein vorderes Band gerissen und Jens Graßmel zeigt, wie eine Sehne „gestrippt“ wird, um sie als Ersatz zu präparieren und einsetzen zu können. Er probiert einen neuen Stripper aus, nimmt alternativ auch ein anderes Instrument zur Hand. Der erfahrene Operateur nutzt die Möglichkeiten des Mobillabs, um technische Weiterentwicklungen zu testen. „Wir arbeiten als Haus seit 1997 mit der Firma Arthrex zusammen“, sagt er. Jana Haberstroh, leitende OP-Schwerster, steht den Operateuren zur Seite und hat im Blick, welche neuen Materialien eingesetzt werden. Sie ist dann auch für die Bestellung des OP-Bedarfs zuständig. „Seit 1990, gleich nach dem Abschluss meiner Ausbildung, arbeite ich im OP“, erzählt sie. „Im nächsten Jahr werden es 30 Jahre.“ Dass kein Tag wie der andere ist, liebe sie an ihrem Beruf.

Assistenzarzt Milan Todorovic nutzt den Vormittag, um seine Fähigkeiten als Operateur auszubauen. „Seit November 2015 bin ich in Luckau am Krankenhaus“, erzählt er. Davor habe er in Belgrad studiert und in Rotterdam in der Forschung an der Entwicklung von Cholesterin-Senkern gearbeitet. Doch er wollte am Patienten arbeiten und hat nun in Luckau die Möglichkeit zur chirurgischen Weiterbildung. „Die Notarzt-Prüfung habe ich auch gemacht“, erzählt er. „Ich bin sehr zufrieden – und die Mannschaft hier ist super“, sagt Milan Todorovic. Sein Wissen gibt er in Veranstaltungen an Kollegen anderer Fachrichtungen oder an niedergelassene Ärzte weiter.

Zu den Assistenzärzten, für die das Mobillab ein interessantes Weiterbildungsangebot ist, gehört auch Panagiotis Loukopoulos. Der Grieche lebt und arbeitet seit 2012 in Luckau. Er assistiert diesmal bei der Schulter-OP, die Oberarzt Dr. Marcel ­Badack betreut. Nach dem Weiterbildungsteil geht für ihn an diesem Tag wie für seine Kollegen anschließend der geplante OP-Alltag weiter. „Ich muss zu einer geplanten Gallen-Operation“, erklärt er, als er den Truck verlässt.

Neben dem Tagesplan muss die Rettungsstelle mit der Notaufnahme während der Weiterbildung im Mobillab abgesichert sein. Deshalb gibt es nach der Mittagspause einen Schichtwechsel im Truck.

Thomas Sieger begleitet als Mitarbeiter der Firma Arthrex das Mobillab, wenn es in Berlin und Brandenburg unterwegs ist. „Drei dieser Trucks sind in Europa eingesetzt, ein anderer ist beispielsweise an diesem Tag in St. Petersburg vor Ort“, sagt er.

Chefarzt Graßmel sieht sich durch Einschätzungen der Deutsche Gesellschaft für Chirurgie und Unfallchirurgie bestätigt, wie wichtig Weiterbildung ist – auch für die Ärzte des Evangelischen Krankenhauses Luckau. „Der Weiterbildungstag mit dem Mobillab hat sich gelohnt. Es gab Hinweise zu Neuentwicklungen, wir werden dieses Angebot weiterhin rege nutzen“, resümiert er.

Weitere Informationen über die Klinik für Allgemein-, Visceral- und Unfallchirurgie gibt es unter: www.diakonissenhaus.de.