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| 01:13 Uhr

Max bekommt in Dahme die Flasche

Lama Max ist erst wenige Tage alt, doch seinen Lieblingsplatz hat der jüngste Bewohner des Dahmer Tierparkes bereits gefunden. Von der Eingangstür des Ziegenhauses, in dem Max seine Kinderstube hat, schaut er neugierig in die Welt. „Es ist schön, den Kleinen so munter zu sehen“ , sagt Tierparkmitarbeiterin Evelyn Fahr. Sie hat die dramatischen ersten Lebensstunden des Tierkindes miterlebt. Von Carmen Berg

Als Evelyn Fahr am 5. November, einem verregneten Sonnabend, zum Dienst in den Dahmer Tierpark kommt, erwartet sie ein Schock. Die Lamastute Olga ist gestorben. „Nichts hatte darauf hingedeutet, dass so etwas passieren könnte“ , sagt die Tierparkmitarbeiterin. Als Olga geborgen ist, glaubt Evelyn Fahr, ihren Augen nicht zu trauen. „Aus einem Laubhaufen im Lama-Gehege schauen ein paar winzig kleine Ohren“ , erzählt die Tierparkmitarbeiterin Die Lamastute hatte ein Junges zur Welt gebracht.
„Lamas ist ihre Trächtigkeit nicht anzusehen“ , erklärt Thomas Pietsch vom Vorstand der Interessengemeinschaft Tierpark (IG). Um so größer ist die Überraschung. Eile sei geboten gewesen, erinnert er sich.

Bauern spendieren Milch
Die benachbarte Milchviehanlage der Dahmer Bauerngenossenschaft am Zagelsdorfer Damm hilft dem Tierpark mit einer speziellen Kuhmilch, die in ersten Lebenstagen des Lama-Babys die Abwehrkräfte gegen Keime besonders stärkt. Evelyn Fahr macht ihre Familie mobil. Tochter Michelle (8) rubbelt das im Regen geborene Lamakind zwei Stunden lang trocken. „Von ihr hat es auch seinen Namen Max bekommen“ , erzählt die Mutter.
Wie Thomas Pietsch berichtet, hat der Dahmer Tierpark keine Erfahrungen bei der Aufzucht von Lamas. „Aus dem Internet und von anderen Tierparks haben wir uns Informationen geholt“ , sagt er. So unterstützt der Tierpark in Cottbus mit Adressen von Fachleuten. Die Kontakte führen die Dahmenser unter anderem zu einer Lamazüchterin in der Schweiz.
„Wir haben Tipps bekommen, welche Impfungen nötig sind. Jetzt wissen wir auch, dass wir die Milchgaben mit Wasser verdünnen müssen, weil der Fettgehalt der Kuhmilch für das Lama zu hoch wäre“ , sagt Evelyn Fahr.
Fünf mal am Tag bekommt Max die Flasche. Sie hängt zur Selbstbedienung in einem Gestell, das Thomas Pietsch und Steffen Fahr gebaut haben. „Gern würden wir das Waisenkind von Hand füttern und richtig knuddeln“ , gesteht Evelyn Fahr. Doch sei das nicht möglich. Der Lama-Bock würde die Scheu vor Menschen verlieren. Das bringe Probleme, wenn er in die Pubertät komme und beginne, Kämpfe um die Rangordnung auszutragen, erklärt sie.
Seine Kinderstube haben die Tierparkmitarbeiter Max im Ziegenstall eingerichtet. Eine Schafmutter mit ihrem Jungen leistet dem Kleinen neben den Ziegen Gesellschaft. Mit den Spielgefährten tobt das kleine Lama nachmittags durchs Gehege. „Dadurch wird sein Kreislauf in Schwung gehalten“ , sagt Evelyn Fahr.

Bitte an die Tierparkbesucher
Der Zuwachs ist schnell zum Besucherliebling geworden, erzählt sie. Sie sieht das mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Wir bitten dringend darum, Max nicht zu berühren und nicht zu füttern“ , sagt Evelyn Fahr.
Was gut gemeint sei, könne dem Tier schaden und es sogar töten, erklärt die Tierparkmitarbeiterin. Dafür bringt sie ein trauriges Beispiel. Jüngst war im Tierpark ein Rehkitz gestorben, weil Besucher eine Plastetüte mit Futter ins Gehege gestellt hatten. Das Kitz hatte den Kunststoff gefressen, berichtet sie.

Gute Chancen für Max
„Max geht es gut mit seinem Speiseplan aus Milch und Heu“ , sagt Evelyn Fahr. Zu seinen acht Kilogramm Geburtsgewicht seien vier Kilo hinzugekommen. Deshalb sei das Team zuversichtlich, den jüngsten Tierparkbewohner gut über den Winter zu bringen, erklärt seine Pflegerin.
Ob Max in Dahme bleiben oder anderswo eine Heimat finden wird, will die Interessengemeinschaft Tierpark entscheiden, wenn er ein wenig älter geworden ist. „Der Tierpark hat jetzt zwei Lama-Böcke, aber keine Stute mehr. Deshalb könnte ein Tiertausch infrage kommen“ , nennt IG-Vorsitzender Ulrich Redlich eine Möglichkeit.