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Massen-Rücktritt im Kreisvorstand

Der Kreisvorsitzende Michael Wippold sieht die Chance für einen neuanfang.
Der Kreisvorsitzende Michael Wippold sieht die Chance für einen neuanfang. FOTO: Linke
Königs Wusterhausen/Lübben. Die Linken in Dahme-Spreewald sind zerstritten. Auf einer Vorstandssitzung in dieser Woche haben sieben Mitglieder hingeschmissen. Für den 18. März ist ein Parteitag einberufen. Der Vorsitzende sieht die Chance für einen Neuanfang. Frank Pawlowski

Der Kreisvorstand der Linken Dahme-Spreewald hat auf einen Schlag mehr als die Hälfte seiner Mitglieder verloren. Auf der Vorstandssitzung am Dienstagabend erklärten sieben Genossen des 13-köpfigen Gremiums ihren sofortigen Rücktritt. Darunter sind die beiden stellvertreten Vorsitzenden Thorsten Kleis und Jutta Vogel sowie Schatzmeisterin Ilka Endrulat-Pittack, die schon am Freitag zurückgetreten war. Weiterhin schieden Niko Dorendorf, Angela Laugsch, Julia Schütze und Jacqueline Swatzina aus.

"Unser Kreisvorstand in der bisherigen Besetzung ist heillos zerstritten, wir sehen keine reale Möglichkeit der Besserung in absehbarer Zeit", heißt es in einer Erklärung der abtrünnigen Genossen. Zugleich betonen sie, mit ihrem Rücktritt noch rechtzeitig einen Neuanfang im Wahljahr zu ermöglichen. Im Herbst sind Bundestagswahlen, in Königs Wusterhausen wird außerdem ein neuer Bürgermeister gewählt.

Die Ex-Vorstandsmitglieder beklagen, dass der Generationswechsel in Dahme-Spreewald nicht gelinge. Vom Kreisvorsitzenden Michael Wippold gingen "keinerlei Impulse" dafür aus. Wippold werden außerdem "nicht abgesprochene Alleingänge und Aussagen" vorgeworfen. Thorsten Kleis, der Stadtverordneter und Vorsitzender des Sozialausschusses ist, sagte am Mittwoch Journalisten: "Wir wollen den Weg frei machen für einen Vorstand, der konstruktiv arbeiten und einen erfolgreichen Wahlkampf führen kann."

Vorsitzender Michael Wippold, der seit einem Jahr im Amt ist, sieht sich selbst nicht in Frage gestellt. Die Vorwürfe weist er zurück. "Es wird nur angeklagt, aber wo ist die Politik?", sagte er. Die Rücktritte seien kein Zeichen innerparteilicher Grabenkämpfe, sondern würden dazu beitragen, dass die Partei schlagkräftig werde. "Ich finde das positiv."

Wie seine Kritiker sieht Wippold nun die Chance für einen Neuanfang. "Es gab in den letzten Jahren etliche Beben. Wir sind auf einem guten Weg, die Stabilisierung der Partei fortzuführen." Einen Rücktritt schloss er für sich aus. "Das kommt nicht in Frage." Der verbliebene Vorstand sei handlungsfähig. "Die Aktiven sind im Vorstand noch dabei", sagte er.

Auf einem Kreisparteitag am 18. März sollen die freien Vorstandssitze neu besetzt werden. Eine komplette Neuwahl werde es nicht geben. Bei einem Treffen mit den Vorsitzenden der Basisorganisationen am kommenden Dienstag werde über das weitere Vorgehen beraten.

Die Linken in Dahme-Spreewald kommen seit dem Rücktritt ihres damaligen Vorsitzenden Michael Reimann Anfang 2011 nicht zur Ruhe. Reimann führte die Kreispartei sieben Jahre lang. Er kehrte den Linken später den Rücken, gründete den Verein "Wir für KW", dessen Vorsitzender er ist und für den er jetzt im Stadtrat sitzt. Nach seinem Abgang hatten die Linken schon fünf Vorsitzende. Sie warfen fast alle vorzeitig das Handtuch. Ilka Gelharr-Heider (Lübben) und Alexander Helbig führten die Kreispartei bis November 2011 kommissarisch. Es folgte Anke Gerth, die nach nur einem Jahr als Vorsitzende im November 2012 zurücktrat. Gemeinsam übrigens mit dem damaligen Geschäftsführer Michael Wippold. Nachfolgerin Jutta Vogel (Byhleguhre) schmiss 2014 nach einem Jahr ebenfalls das Handtuch. Ex-Bürgermeister Stefan Ludwig übernahm den Vorsitz, bis Michael Wippold im Januar 2016 gewählt wurde.

Die Wahlzeit der ehrenamtlichen Vorsitzenden beträgt zwei Jahre. Immer wieder wurden in den letzten Jahren undemokratische Zustände in der Kreispartei und politische Differenzen im Vorstand beklagt. Reformer und Konservative lieferten sich Machtkämpfe.

Thorsten Kleis, einer von zwei Stellvertretern, hat das Handtuch geworfen.
Thorsten Kleis, einer von zwei Stellvertretern, hat das Handtuch geworfen. FOTO: F. Mohr