ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:33 Uhr

Tiergestützte Aktivitäten in der Natur
Ein Therapeut namens Lama

Manuela Vetter bietet tiergestützte Aktivitäten mit Lamas und Alpakas an. Vor allem die Ruhe und Feinfüligkeit der Tiere fasziniert sie.
Manuela Vetter bietet tiergestützte Aktivitäten mit Lamas und Alpakas an. Vor allem die Ruhe und Feinfüligkeit der Tiere fasziniert sie. FOTO: LR / Anja Brautschek
Weißack. Manuela Vetter aus Weißack nutzt das friedvolle Wesen der Tiere für ihre Angebote. Von Anja Brautschek

Wer die Hochmoorlandschaft in der Nähe von Weißack erkundet, der kann mit etwas Glück auf ein paar ungewöhnliche Tiere treffen: Seit wenigen Monaten ist das Dorf die neue Heimat von Manuela Vetter und ihren Lamas und Alpakas. Doch die Tiere sind nicht etwa für einen Streichelzoo gedacht. Sie bietet mit ihnen ganz besondere Erlebnisse und Aktivitäten in der Natur an.

Schon beim ersten Aufeinanderftreffen mit den Tieren war Manuela Vetter fasziniert von den Lamas. Sie sind friedvoll und strahlen zugleich eine Ruhe und Erhabenheit aus. „Sie sind im Prinzip die Delfine der Weiden“, sagt sie. Mit ihren feinen Sinnen nehmen sie kleinste Details wahr und spiegeln die Seele des Menschen, so die Weißackerin.

Diese Eigenschaft macht sich Manuela Vetter zu Nutze. Seit wenigen Monaten bietet sie tiergestützte Aktivitäten, Wanderungen und spezielle Führungskräfte-Trainings mit Lamas und Alpakas an. Damit hat sie sich einen großen Traum erfüllt. „Vor etwa sieben Jahren kam die Idee auf, dass ich mich beruflich umorientieren möchte“, erzählt sie.

Dafür absolvierte sie eine besondere Ausbildung als Coach für tiergestütze Aktivitäten mit Lamas. „Es ist einfach toll mit anzusehen, wie sich die Menschen durch den Kontakt mit den Lamas entwickeln“, erklärt sie ihre Ambition. Der Umgang mit den Tieren fördere die Konzentrationsfähigkeit und schaffe ein neues Bewusstsein für die Natur. Denn die Tiere sind sehr aufmerksam, achten auf jede kleinste Veränderung. Das schärfe auch die eigenen Sinne. „Gerade in der heutigen, hektischen Zeit ist ein Spaziergang mit Lamas eine richtige Entschleunigung“, beschreibt Manuela Vetter. Diese Vorteile können therapiebegleitend gegen Depressionen, bei ADHS, Demenzerkrankungen oder Lese-Rechtschreibschwächen eingesetzt werden.

Auf einem eingezäunten Parcours können die Besucher den Kontakt zu den Tieren aufbauen. Dabei gilt es, verschiedene Hindernisse gemeinsam mit den Tieren zu überwinden. Dabei sind Feingefühl und ein konsequentes Handeln gefragt. „Lamas sind unvoreingenommen und vermitteln den Menschen durch ihre Ausstrahlung ein positives Gefühl“, erklärt der zertifizierte Coach.

Mit der richtigen Technik können gemeinsam mit Lamas auch Führungsqualitäten ausgebaut werden. Dafür hat Manuela Vetter ein spezielles Trainingsprogramm etabliert. Während einer Wanderung müssen die Teilnehmer dazu verschiedene Hindernisse überwinden – mit den Lamas. Wer sich nicht durchsetzen kann oder zu streng mit den Tieren umgeht, bekommt die Antwort sofort zu spüren. Das Tier widersetzt sich. „Ehrlicher geht es nicht. Aber man hat sofort die Möglichkeit, seine Fehler selbst zu korrigieren, sofern man sie erkennt“, sagt sie.

Doch Lamas sind trotz ihres ruhigen Wesens vorsichtig zu behandeln. Auch wenn das Fell flauschig wie ein Teddybär ist – die Tiere sind keine Kuscheltiere. Anders als Hunde, Katzen oder Pferde sind Lamas schwer zu trainieren. Viele Besonderheiten müssen beachtet werden, um die Tiere artgerecht halten zu können. In einem besonderen Kurs erlernte die 38-Jährige deshalb alles Wesentliche über Pflege und Zucht.

„Lamas sind beispielsweise Dis-
tanztiere. Sie berühren sich auch untereinander kaum“, sagt sie. Außerdem benötigen die Tiere viel Bewegenung. Mehrere Kilometer Fußmarsch über Stock und Stein? Für Lamas und Alpakas ist das kein Problem. „Ich möchte deswegen mehr Tagestouren durch die Natur anbieten. Das ist ein ganz besonderes Erlebnis“, erzählt die Lama-Expertin. Sie selbst genießt die „Gassi-Runden“ durch die Hochmorrlandschaft bei Weißack.

Eine Lama-Zucht kam für Manuela Vetter von Anfang an nicht infrage. „Ich habe vier Tiere – zwei Lamas und zwei Alpakas – dabei möchte ich bleiben “, sagt sie. Für die Rückkehrerin, die mit ihrer Familie in diesem Jahr aus dem Allgäu zurück in die Heimat gezogen ist, steht das gezielte Training mit den Tieren und deren Wirkung auf den Menschen im Mittelpunkt.