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| 17:57 Uhr

Offene Ateliers
Seelenkur in bunten Farben

 Für die Görlsdorferinnen Bärbel Borch und Monika Pohlan(v.l.)  ist Malen Hobby und Kur für die Seele.
Für die Görlsdorferinnen Bärbel Borch und Monika Pohlan(v.l.)  ist Malen Hobby und Kur für die Seele. FOTO: Bärbel Borch / privat
Zwei Görlsdorferinnen hilft Malen nach Schicksalsschlägen. Sonntag öffnen sie ihr Atelier. Von Carmen Berg

Kraftvolle Farbenspiele sind die Bilder von Monika Poh­lan und Bärbel Borch. Landschaften, Blumen in sattem Grün, leuchtendem Gelb, vielen Rot-Varianten bringen die Görlsdorfer Malerinnen auf die Leinwand. Ein zartes Frauenporträt von Monika Pohlan trägt eine blaue Frisur. Die Künstlerin mag diesen Ton. Er stehe für Weite, für Offenheit, verströme eine besondere Atmosphäre. „Das Meer ist blau und auch der Himmel an einem sonnigen Tag“, so Monika Pohlan.

Beim Betrachter erwecken die Werke den Eindruck von Lebensfreude, von zupackendem Optimismus. Kaum jemand würde hinter den fein geschwungenen Linien vermuten, dass es das Schicksal Monika Pohlan und Bärbel Borch nicht leicht gemacht hat. Beide haben mit Erkrankungen zu kämpfen. So ist ihre Kunst für sie zugleich ein Stück Therapie, eine Kur für die Seele.

Monika Pohlan hat schon als Kind gern gemalt. Doch später blieb der berufstätigen Mutter dafür kaum Zeit. Vor zehn Jahren – die vier Kinder standen inzwischen auf eigenen Beinen – griff sie die alte Leidenschaft wieder auf, nahm Malunterricht, entdeckte daneben andere Ausdrucksmöglichkeiten für sich. Figuren aus Gasbeton, fantasievoller Papierschmuck stammen ebenfalls aus Monika Pohlans Werkstatt.

Auf das filigrane Schmuckdesign muss die kreative Görlsdorferin aber zunehmend verzichten, seit sie an Parkinson leidet und die Finger nicht mehr so geschickt sind. So konzentriert sie sich ganz auf das Malen. Die Arbeit an der Staffelei helfe ihr, dunkle Gedanken zu verscheuchen, den Geist zu trainieren. „Wenn ich male, geht es mir besser“, erzählt Monika Pohlan.

Sie hat andere mit ihrer Liebe zu Pinsel und Farbe angesteckt. An jedem vorletzten Mittwoch im Monat ab 14.30 Uhr malt Monika Pohlan gemeinsam mit Frauen aus dem Dorf und der Umgebung unterm Dach des Heimatvereins. Neue Mitstreiter seien immer willkommen. „In der Gemeinschaft malen, gegenseitig die Ergebnisse betrachten – das ist einfach schön“, sagt sie.

Vor vier Jahren fand Bärbel Borch zu der Gruppe. Eine harte Zeit lag da hinter der heute 60-Jährigen, die mit erst 45 Jahren einen Schlaganfall erlitten hatte. „Von einem Moment zum anderen war nichts mehr wie vorher“, so die Mutter von vier Kindern. „Das Sprachzentrum war weg, die rechte Körperhälfte steif, ich musste alles neu lernen. Wenn etwas nicht klappte, hat mich das depressiv gemacht“, blickt Bärbel Borch zurück.

Sie habe versucht, Akkordeon zu spielen und probierte auch die Fotografie. „Das funktionierte alles nicht“, so die Görlsdorferin. Erst durch die Malerei habe sie im Alltag wieder Tritt gefasst. „Wenn ich male, vergesse ich alles um mich herum. Dann bin ich für zwei, drei Stunden in einer anderen Welt. Das ist superschön“, sagt sie. Monika Pohlan sieht in diesen Worten eine Erfahrung bestätigt: „Es gibt viele Wege. Man muss für sich etwas finden, womit es einem gutgeht.“

Für Bärbel Borch sind ihre Bilder ein Zeichen, dass sie trotz Handicap etwas leisten kann. Sie hat ihr Selbstbewusstsein zurück und fährt jetzt wöchentlich einmal zum Kunstkurs von Henry Krzysch nach Calau. Dort lernt sie weitere Techniken wie die Wachsmalerei oder den Umgang mit Pastellkreide. Der Kontakt zum Calauer Künstler sei eher zufällig entstanden, erinnert sie sich. Als sie mit ihrem Mann bei einem Fest in der Nachbarstadt war, sei sie einfach in sein Altstadt-Atelier gegangen und habe nachgefragt.

Rückhalt finden die Malerinnen in ihren Familien. Die Männer seien die ersten Kritiker, schmunzeln sie. „In einem guten Bild sollte es beim zweiten Hinschauen immer noch Neues zu entdecken geben“, sagt Monika Pohlan.

Die Görlsdorferinnen laden für Sonntag Interessierte zu solchen Entdeckungsreisen ein. Im Vorjahr waren sie zum ersten Mal beim Tag der offenen Ateliers dabei. Einige Gäste von damals verstärken seither den Mal-Treff beim Heimatverein.