Von Anja Brautschek

Frech windet sich die kleine Katze um die eigene Achse. Daneben zeigt sich dem Betrachter die Idylle des Spreewald. Für Renate Winkler sind es Motive wie diese, die sie besonders gerne auf Leinwänden festhält.

„Ich male eigentlich schon mein ganzes Leben“,sagt Renate Winkler. Schon in jungen Jahren hat sie die Leidenschaft zu diesem Hobby entdeckt. Mit 14 Jahren hat sie bereits die Konfirmationssprüche für die Kirchengemeinde liebevoll gestaltet. Mittlerweile vergeht kaum ein Tag, an dem sie nicht zu Pinsel und Farbe greift. Selbst im Urlaub müssen Staffelei und Utensilien immer dabei sein. Denn das perfekte Motiv kann überall lauern. Unzählige Bilder sind über die Jahre bereits entstanden.

Durch einen schweren Schicksalsschlag in der Familie hat die 67-Jährige vor mehr als 15 Jahren intensiv zum Malen gefunden. „Ich habe mir die Sorgen von der Seele gemalt“, sagt sie. Das Malen habe ihr geholfen, tiefe Trauer zu verarbeiten. Heute ist das Malen nicht mehr nur  Hobby, es ist eine Art der Therapie. Wenn die Motive Strich um Strich langsam Gestalt annehmen, kann Renate Winkler so richtig abschalten. Dann verschwindet auch das Zeitgefühl.

Sie widmet sich am liebsten naturalistischen Zeichnungen und malt Motive aus der Natur oder der Stadt Luckau. Heute hält sie  dafür inspirierende Momente mit der Kamera fest, um sie später auf Leinwand zu verewigen. Früher hat Renate Winkler stundenlang in der Natur verbracht – selbst im Winter dick eingepackt und mit Wärmflasche. „Es ist für mich ein Geschenk. Dafür bin ich dankbar“, sagt sie.

Dankbarkeit ist auch das Thema, dem sie sich ihrer neuen Ausstellung in der Nikolakirche in Luckau widmet. Seit mehr als zwölf Jahren stellt sie dort bereits aus – jedes Jahr mit einem anderen Thema. Neben anderen Ausstellungen ist das für die Künstlerin deshalb die aufwändigste. „Ich habe schon mit 15 zum Glauben gefunden und bin mein ganzes Leben lang Christin“, sagt sie.

In diese Ausstellung steckt sie rund ein Jahr Arbeitszeit. Sie sammelt zunächst Zitate, Losungen und Bibelsprüche, aus denen sie ein Thema auswählt. Erst dann geht sie auf Motivsuche und arbeitet explizit auf diese Veranstaltung hin. „Das ist mir in diesem Jahr besonders schwer gefallen. Wie will man Dankbarkeit darstellen?“ Da ist beispielsweise der Hund, der dem Betrachter traurig entgegenblickt, oder zwei Krähen, die sich auf der Wiese angeregt zu unterhalten scheinen. „Es geht darum, einen anderen Blickwinkel einzunehmen. Nicht die Last der Mühen steht im Vordergrund, sondern der Dank für die Kraft, das alles zu schaffen“, erklärt sie ihre Beweggründe. Wenn sich also der Wäscheberg häuft, dann könne man dankbar sein, dass man so viel Kleidung hat. „Es sind Lebensweisheiten, mit denen jeder etwas anfangen kann“, erklärt sie. 62 Bilder von der Zaackoer Künstlerin sind ab Sonntag in der Nikolaikirche ausgestellt. Neben Motiven zum Thema hat sie auch Bilder der Stadt Luckau und Kirchenmotive ausgewählt.

Über die Jahre sind über das Malen auch viele Freundschaften entstanden. Es sind Gleichgesinnte, die die gleiche Leidenschaft teilen, aber auch Menschen, die nach Schicksalsschlägen ebenfalls Kraft aus der Kunst schöpfen konnten. „Das Miteinander ist einfach wunderbar. Ich freue mich riesig, wenn ich anderen auf diese Weise helfen kann. Das ist für mich der schönste Lohn.“