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Lurche wieder auf Wanderschaft

Einsatz im Straßengraben: Naturwacht-Rangerin Monika Gierach sammelt die Lurche aus den Eimern und trägt sie über die Straße.
Einsatz im Straßengraben: Naturwacht-Rangerin Monika Gierach sammelt die Lurche aus den Eimern und trägt sie über die Straße. FOTO: Daniel Friedrich
Bornsdorf. Frühlingszeit ist Wanderzeit bei den Lurchen. Mit den ersten warmen Sonnenstrahlen erwachen Frösche, Molche und Kröten aus ihrer Winterstarre und machen sich auf zu ihren Laichgebieten in gewässerreichen Regionen. Das Naturschauspiel kann man derzeit wunderbar an den Krötenschutzzäunen beobachten, die am Straßenrand bei Stöbritz oder Kreblitz aufgebaut sind. Daniel Friedrich

Auch nahe der Bornsdorfer Teiche an der Bundesstraße 96 gibt es einen solchen Zaun. Hier kümmert sich Monika Gierach darum, dass die Amphibien sicher über die Straße kommen. Mitte Februar hat die Rangerin der Naturwacht gemeinsam mit freiwilligen Helfern den 370 Meter langen Plastikzaun aufgebaut und 25 Eimer in die Erde eingegraben. "In diese fallen die Tiere rein, wenn sie nachts an die Straße krabbeln und nach einer Lücke in dem Zaun suchen", weiß die erfahrene Rangerin. Seit 20 Jahren ist sie für die Schutzzäune zuständig. Jeden Morgen geht sie den Zaun ab, sammelt die Tiere aus den Eimern und trägt sie anschließend über die Straße. Dort setzt sie Frösche, Molche und Co. an den Rand des Wassergrabens, der zu den Bornsdorfer Teichen führt. "Nach einer kurzen Orientierungspause suchen sich die Tiere hier ihren Partner, paaren sich und legen dann ihre Eier ab."

Ohne Hilfe würden wohl nur die wenigsten Tiere die Überquerung der viel befahrenen Bundesstraße überleben. Nach der Winterruhe im Dickicht des Waldes sind viele von ihnen noch träge und bewegen sich nur sehr langsam. An frostigen Tagen findet sich kaum eine Hand voll Tiere in den Eimern. Ist es aber länger warm und feucht, sind die Lurche besonders aktiv. Dann kann Monika Gierach bis zu 1000 Tiere an einem Morgen sammeln. "Der Zaun eignet sich wunderbar, um die vielfältigen Tierarten zu analysieren, die hier leben", sagt sie. Mitunter finden sich auch Ameisen, kleine Schlangen und Mäuse in den Eimern, die es nicht von selbst herausschaffen.

Die Lurche in den Eimern sind für gewiefte Räuber wie Raben gefundenes Fressen. In den ersten Jahren ihrer Arbeit mussten die Helfer öfter feststellen, dass sich die Vögel über die mit Beutetieren gefüllten Behälter hermachten. Inzwischen sorgt Laub in den Eimern dafür, dass sich die Lurche darunter verstecken können und nicht so hart fallen.

Auch im Garten kann man derzeit Amphibien begegnen. Denn einige der kleinen Tiere überwintern hin und wieder im Keller. Doch auch dort werden sie von ihrer inneren Uhr an die bevorstehende Paarungszeit erinnert. Sofern die Tiere aus ihrem Kellerversteck nicht wieder herausfinden, sollte man ihnen dabei helfen, empfiehlt das Umweltministerium.

An der Bundesstraße bei Bornsdorf wird bis Anfang Mai der Krötenschutzzaun stehen. Dann ist die Zeit der Wanderung vorüber und die größte Gefahr für die Amphibien gebannt.