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| 03:05 Uhr

Lübbenauer formt Königliches

Marvin Richter bei der Arbeit am Uhren-Modell im Mercedes-Wert.
Marvin Richter bei der Arbeit am Uhren-Modell im Mercedes-Wert. FOTO: Juliane Volkmann
Lübbenau. Bestnoten in der Ausbildung, und das deutschlandweit: Marvin Richter aus Lübbenau ist am gestrigen Montag in Berlin für seine Leistungen geehrt worden. Der Industriekeramiker arbeitet dabei an königlichen Modellen. Jan Gloßmann

Den einen gelten die Meißner Schwerter als das Nonplusultra, für andere ist das das Zepter der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Dort arbeitet jetzt der Lübbenauer Marvin Richter. Der Industriekeramiker hat seine Lehre mit Bestnoten abgeschlossen; am gestrigen Montag ist er vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag dafür ausgezeichnet worden. Die Festrede hielt Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). Viel Bahnhof für den eher wortkargen 23-Jährigen. Er vertieft sich lieber in die Modelle, die er fertigt oder aufarbeitet. Erst auf dieser Basis können dann die Keramik-Serien der Manufaktur gebrannt werden. Ein Töpfermeister, sagt Marvin Richter, ist eher Künstler und Individualist. Ein Industrie-Keramiker repariert oder restauriert Modelle, sogenannte Einrichtungen, oder baut sie anhand der Ideen anderer Leute. "In der Modellwerkstatt fängt alles an. Was wir nicht mitdenken, kann später zum Problem werden", sagt Richter. Der Job wird noch verantwortungsvoller, wenn von einem Modell nur ein Exemplar existiert. So hat Richter ein Uhrenmodell in den Händen gehabt, dass der preußische König einst dem britischen Königshaus zum Geschenk machte. Wert? "Wohl zwei S-Klasse-Mercedes." Das ist aber nur die rein finanzielle Betrachtung, denn das Modell ist unersetzlich. "Da zittern dir am Anfang die Finger." Und so hat Richter auch die erste Erfahrung eines Industrie-Keramikers verinnerlicht: "Man muss bei der Arbeit die Luft anhalten."

Zwei Jahre lang hat der junge Spreewälder in Cottbus den Beruf eines gestaltungstechnischen Assistenten gelernt, danach ging es zu KPM. Ausgangspunkt für den früheren Oberschüler aber war die Station der Arbeiterwohlfahrt in der Lübbenauer Dammstraße. "Denen habe ich das zu verdanken." Richter erzählt, er habe schon immer "was Handwerkliches" machen wollen. In der Station hat er Holzbearbeitung gelernt; noch heute leitet er dort die Bastelgruppe für Nistkästen. "Der Verein hat mich geprägt." Und ist er mal in Lübbenau, fährt er Kahn. "Wenn man ein paar Wochen weg ist, ist die erste Kahnfahrt immer etwas ganz Besonderes."

Das handwerkliche Geschick bewährt sich auch zu Feiertagen. Seinen Eltern hat Marvin Richter mal ein eigens gefertigtes Schachspiel aus Porzellanfiguren geschenkt. Sie dürften nicht nur deshalb stolz auf ihren Sohn sein.