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| 02:49 Uhr

Lübben sächsisch oder preußisch?

Lübben. Ein bedeutendes museales Ereignis wirft in Lübben seine Schatten voraus: die Landesausstellung "Wo Sachsen Preußen küsst". Eröffnet wird sie zu einem historischen Datum, dem 18. Mai. Es ist der internationale Museumstag und war ein wichtiger Tag während des Wiener Kongresses (18. September 1814 bis 9. Juni 1815). Ingrid Hoberg

Die erste Landesausstellung in Brandenburg widmet sich dem Süden. Vom 7. Juni bis zum 2. November heißt es im Schloss Doberlug "Preußen und Sachsen. Szenen einer Nachbarschaft". Lübben, die Regierungsstadt der Niederlausitz, wird sich der Darstellung dieser geschichtlichen Epoche anschließen. "Doberlug ist eine Kunststadt - wie Lübben angelegt von Christian I.", sagt Christina Orphal, Leiterin des Stadt- und Regionalmuseums. "Lübben will seiner Hauptstadtrolle gerecht werden."

Und so wird am 18. Mai die Lübbener Ausstellung im Schloss eröffnet, die den Bruch der Geschichte mit dem Jahr 1815 deutlich machen soll, als Lübben von Sachsen nach Preußen kam. "Was haben wir gewonnen, was haben wir verloren? Was sind wir, was waren wir?", stellt Christina Orphal Fragen in den Raum, auf die die Ausstellung ganz individuell Antworten geben will. Es soll sich widerspiegeln, wo sich die Bewohner der Stadt sehen. Und deshalb sind sie vom Museum aufgerufen, sich an der Gestaltung zu beteiligen. "Sie können Dinge als Leihgaben zur Verfügung stellen, die Geschichten erzählen", hofft auch Kurator Christian Hirte aus Berlin. "Was bedeutete der Übertritt nach Preußen für die Menschen?" Zum einen sei es ein Schritt in die industrielle Moderne gewesen, aber es gab auch die Verdrängung von sorbischen Traditionen. Tagebaue "fraßen" die angestammte Heimat.

Christina Orphal hofft, dass viele Lübbener Familien noch einmal in Kammern und Kellern nachschauen, was es an historischen Stücken gibt. So sind die Museumschefin und der Kurator ganz begeistert von einem Wappen, das bereits für die Ausstellung von einem Lübbener zur Verfügung gestellt wurde. "Es ist ein königliches Wappen aus dem Ständehaus", sagt sie. Es gibt in der Sammlung des Museums bereits Stücke aus diesem Haus.

Manches sei beim Abriss von Gebäuden sichergestellt worden. Ob Urkunden, Ofenplatten, Geschirr, Kleidung, Postkarten, Fotografien oder Möbel, alles ist für das Museum wichtig. Und so ist die Hoffnung groß, dass sich Sammler von ihren Stücken trennen - als Leihgabe auf Zeit oder vielleicht sogar als Schenkung. "Auch Dinge am Rande interessieren uns, beispielsweise sächsische und preußische Speisen wie Liebesknochen und Eclairs", ergänzt sie. Es gehe darum, Dinge zu zeigen, die die Geschichte der Niederlausitz nahe bringen können, so der Kurator. Die Fachleute wollen das Ganze zu einem Zeitbild zusammenfügen. "Was in Lübben an Sonderausstellungen gezeigt wird, gehört zum Pfiffigsten in der Museumslandschaft", sagt Christian Hirte. Der Kurator muss es wissen, er hat lange im Brandenburger Museumsverband mitgearbeitet.

Zum Thema:
Die Frühlings- und Osterausstellung "Leise zieht durch mein Gemüt" wird am 6. März eröffnet und soll bis 27. April im Lübbener Schloss zu sehen sein. Gezeigt werden Landschaftsbilder aus dem Spreewald. Sammler, die Leihgaben für die dann folgende Ausstellung "Wo Sachsen Preußen küsst" zur Verfügung stellen wollen, können sich an das Stadt- und Regionalmuseum im Schloss zu Lübben, Ernst-von-Houwald-Damm 14, wenden. Es ist telefonisch zu erreichen unter 03546 187478.