ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 02:49 Uhr

Luckaus Tor hat für Archäologen Seltenheitswert

Diese mittelalterliche Zwingermauer legten die Archäologen frei. Das Gegenstück erwarten sie auf der anderen Straßenseite, wenn dort der Gehweg ausgebaut wird. Hohe Mauern zwischen Haupt- und Vortor machten es möglich, Angreifer einzukesseln.
Diese mittelalterliche Zwingermauer legten die Archäologen frei. Das Gegenstück erwarten sie auf der anderen Straßenseite, wenn dort der Gehweg ausgebaut wird. Hohe Mauern zwischen Haupt- und Vortor machten es möglich, Angreifer einzukesseln. FOTO: Stadt Luckau
Luckau. Einen seltenen Fund nennt Grabungsleiter Kai Schirmer das spätmittelalterliche Zwingertor, das Archäologen in Luckau an der Langen Straße freilegen. Viele Interessierte sind am Donnerstagabend der Einladung gefolgt, sich die Grabungsstelle anzusehen. Carmen Berg

"Haupttor und Vortor waren durch einen engen Gang aus hohen Mauern verbunden. So konnten feindliche Angreifer eingekesselt werden", erklärt Kai Schirmer die Besonderheit der spätmittelalterlichen Befestigungsanlage. Davon gebe es nur wenige, das nächstgelegene in Brandenburg finde sich in Templin, sagt er. Eine der beiden Zwingermauern haben die Fachleute inzwischen komplett freigelegt. Auffällig sei die Qualität der Bauweise, sagt Schirmer. Normalerweise seien solche Aufbauten innen mit Schutt verfüllt worden. "In Luckau ist das Innere kunstvoll im Fischgrätenverbund ausgemauert." Dieser Aufwand spreche für Luckaus Wohlstand im Mittelalter. Er sei vergleichbar mit großen Sakralbauten, so Schirmer.

Vor dem Roten Turm ist mittelalterliches Straßenpflaster zutage gefördert worden. Es ist abgesackt. "Das liegt daran, dass früher dort ein zweiter Stadtgraben verlief", erklärt der Fachmann. Womöglich hätten beide Gräben einst Zugbrücken und Wälle gehabt, regt er die Fantasie seiner Zuhörer an. "Ich finde es spannend, mir vorzustellen, wie die Stadt früher ausgesehen hat und wie die Menschen gelebt haben", sagt der 15-jährige Arne Buhtz. So junge Besucher wie ihn hätte sich Kai Schirmer noch mehr gewünscht. Denn: "Sicherlich wird es erst in mehreren Generationen in Luckau wieder möglich sein, die alte Stadtbefestigung auf diese Weise zu sehen", erklärt er.

Mit derartigen Schätzen, so nah unter der Fahrbahnoberfläche, habe niemand gerechnet, zumal in dem Bereich früher schon Tiefbauarbeiten stattgefunden hätten und nichts gefunden wurde, sagt Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos). In der nächsten Woche rücken die Bauleute in den zweiten Abschnitt der Langen Straße zwischen Rotem Turm und Marktstraße vor. Am Montag sollen die Fahrbahn abgetragen und dann diverse Versorgungsleitungen in die Erde gebracht werden. Die Archäologen rechnen in diesem Bereich mit gut erhaltenen mittelalterlichen Bohlenwegen und hölzernen Abflussrinnen. Zu Bauverzügen wie unlängst an der Hauptstraße soll es dadurch nicht kommen, erklären Stadt und Grabungsteam übereinstimmend. "Die Abstimmungen klappen. Mitunter werden Abläufe täglich geändert, damit Archäologen und Bauleute gleichermaßen arbeiten können", erklärt Luckaus Bauamtsleiter Michael Krüger.