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| 16:58 Uhr

Personalie
Luckaus Laga-Chef muss gehen

Mehr  als 4000 Frühlingsblüher werden im Laga-Park gepflanzt. Blumenkästen sollen weitere bunte Akzente setzen und den Kahlschlag an Bäumen und Sträuchern vergessen machen.
Mehr als 4000 Frühlingsblüher werden im Laga-Park gepflanzt. Blumenkästen sollen weitere bunte Akzente setzen und den Kahlschlag an Bäumen und Sträuchern vergessen machen. FOTO: Anja Brautschek / LR
Luckau. Zu Details halten sich Stadt und Aufsichtsrat bedeckt. Unmut über Kahlschlag im Park hält an. Von Carmen-Sylvia Berg

Jörg Kirstein ist nicht mehr Geschäftsführer der Landesgartenschaugesellschaft. Auf RUNDSCHAU-Nachfrage bestätigt Bürgermeister und Laga-Aufsichtsratsvorsitzender Gerald Lehmann (parteilos) die Abberufung mit sofortiger Wirkung. Gründe will er „zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht nennen“. Zuvor wolle er „allumfassend den Aufsichtsrat, die Gesellschafterversammlung und die Stadtverordneten informieren“. Dazu seien noch Vorarbeiten nötig. Gerald Lehmann verweist unter anderem auf die Wirtschaftsprüfungen für die Jahre 2016 und 2017. Die Stadt ist Gesellschafterin der Laga-GmbH.

Jörg Kirstein, der für eine Darlegung seiner Sicht der Dinge bis Redaktionsschluss dieser Seite nicht erreichbar war, übernahm 2016 die Geschäftsführung hauptamtlich, nachdem seine Vorgänger ehrenamtlich tätig waren. Die Gesellschaft ist auf Zuschüsse der Stadt angewiesen, seit das Gartenschau-Polster aufgebraucht ist.

Von sich reden machte der Chef in diesem Winter mit umfangreichen Rodungen und Verschnitten im Laga-Park, die Kritiker „Kahlschlag“ nennen. Unstrittig war dabei die Notwendigkeit eines Pflegeschnittes. Die Gemüter entzündeten sich jedoch an der Ausführung. Stadtkämmerer Thomas Rohr, der sich in den zurückliegenden Wochen als ehrenamtlicher Vertreter des erkrankten Geschäftsführers um Schadensbegrenzung im Park bemühte, nannte die Verschnitte „laien- und stümperhaft“. Zum selben Urteil kam Horst Fechner, Gartenbaumeister aus Groß Beuchow, bei einem Vor-Ort-Termin mit der Heimatzeitung. Einen finanziellen Schaden will Gerald Lehmann aktuell nicht bestätigen. Von der Unteren Naturschutzbehörde Dahme-Spreewald ist „hinsichtlich nicht genehmigter Baumfällungen und Schnittmaßnahmen seit Herbst letzten Jahres ein Verwaltungsverfahren eingeleitet“ worden, erklärt Kreissprecherin Heidrun Schaaf auf Nachfrage. Aktuelle Arbeiten zur Nachbesserung und Gefahrenabwehr seien nicht betroffen, sie sind mit der Behörde abgestimmt.

Jörg  Kirstein: Kam 2016 ins Amt.
Jörg Kirstein: Kam 2016 ins Amt. FOTO: Anja Hummel

Von der radikalen Umgestaltungsabsicht des Geschäftsführers im Park sei der Aufsichtsrat nicht informiert gewesen, das hatten sowohl Thomas Rohr wie auch Aufsichtsratsmitsglied und Stadtverordneter Dr. Roland Heine erklärt, nachdem die Aktion bekannt geworden war. Ob sie alleiniger Grund für die Trennung ist, scheint zumindest fraglich.

Die Luckauer haben Aufklärungsbedarf. So kann Einwohner Max Eckstein nicht nachvollziehen, warum eine Firma aus Kirsteins Heimat Luckenwalde den Zuschlag erhielt, die der Aufgabe doch offensichtlich nicht gewachsen gewesen sei. Andere Stimmen vermuten „Vetternwirtschaft“. Gerald Lehmann äußert sich auch dazu nicht. Er wolle „einer Vorverurteilung keinen Vorschub“ leisten und spricht von „Interpretationsspielraum“. Er will einen Rechtsstreit zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht ausschließen. Jedoch sichert er zu, öffentlich Rede und Antwort zu stehen, „sobald es Verbindliches zu sagen gibt“. Einen Zeitpunkt lässt er offen.

Die Luckauerin Sieglinde Reuter engagiert sich im Laga-Förderverein, der jährlich die Parkbepflanzung mit 4000 Euro unterstützt. Auch der Verein sei von den Rodungen überrascht worden. „Mir tut es in der Seele weh, wenn ich sehe, was im Park angerichtet wurde“, sagt sie. Vor allem aber bewegt Sieglinde Reuter, wie es weitergeht. Sie wünscht sich ein klares Bekenntnis der Stadt zur Landesgartenschau-Gesellschaft und bietet Bürgerhilfe an. Dazu schlägt sie einen Arbeitseinsatz vor. „Es wird doch jetzt jede Hand gebraucht.“ Max Eckstein hofft, dass die Luckauer bei künftigen Plänen besser informiert und mitgenommen werden. Er erinnert daran, wie fachkundige Luckauer sich in der Vergangenheit für die Parkanlagen engagiert haben und nennt Walter Bollack, der ehrenamtlich den Rosengarten pflegte.

Laut Gerald Lehmann steht unabhängig vom vakanten Chefsessel in diesem Jahr eine Diskussion über die künftige Ausrichtung der Laga-GmbH auf der Agenda. „Ziel neuer Modelle muss es sein, den Zuschuss der Stadt zu minimieren, ohne die Gemeinnützigkeit zu gefährden“, sagt er. Sorgen um den Fortbestand der Gesellschaft könne er „gegenwärtig nicht teilen. Er hängt nicht von einer Person ab“.