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| 14:23 Uhr

Abschied nach 25 Jahren
Kämmerer sagt dem Rathaus adé

Ein Vierteljahrhundert hütete Thomas Rohr Luckaus Finanzen. Jetzt geht er in den Ruhestand.
Ein Vierteljahrhundert hütete Thomas Rohr Luckaus Finanzen. Jetzt geht er in den Ruhestand. FOTO: LR / Carmen Berg
Luckau. Nach 25 Jahren als Hüter der Luckauer Finanzen geht Thomas Rohr in den Ruhestand. Von Carmen Berg

46 Jahre, ein Arbeitsleben lang, hat sich Thomas Rohr mit kommunalen Finanzen befasst, davon 25 Jahre als Kämmerer der Stadt Luckau. Am 31. Oktober geht der Schwarzenburger, der auch erster Stellvertreter des Bürgermeisters ist, in den Ruhestand.

Nach einer Ausbildung zum Finanzkaufmann begann er 1972 beim früheren Rat des Kreises Luckau in der Abteilung Steuern, war als Betriebsprüfer zuständig für die Kfz-Betriebe. „Schon damals standen Steuerprüfer auf der Beliebtheitsskala nicht ganz oben“, schmunzelt er. Doch seine Ausbildung sei fundiert gewesen, wovon er über die Wende hinaus zehren konnte.

In die Finanzbranche kam Thomas Rohr eher aus Zufall. Lieber wäre er Gastronom geworden wie die Mutter, die in Schwarzenburg Wirtin der  Gaststätte „Zum Wilden Eber“ war. Aus gesundheitlichen Gründen wurde daraus nichts. Der Gasthof, den jetzt seine Frau Ingrid betreibt,  blieb jedoch ein Wochenend-Hobby. „Gäste bedienen ist ein Ausgleich, gerade wenn beruflich die Gedanken um schwierige Entscheidungen kreisen“, sagt er.

Beim Landkreis blieb Thomas Rohr bis 1993, qualifizierte sich zum Finanzökonomen, machte an der Uni Potsdam sein Diplom, beides im Fernstudium. Als sich die Möglichkeit bot, als Kämmerer ins Luckauer Rathaus zu wechseln, griff er zu.

Jetzt, vor dem Abschied, denke er oft darüber nach, ob er erreicht habe, was er erreichen wollte, sagt der Kämmerer. In seinem Arbeitsgebiet sei eine Bilanz kaum möglich. „Die Bedürfnisse in den Kommunen sind stets größer, als es sich realisieren lässt. Es bleiben immer Wünsche offen.“

Als schöne Projekte in seiner Amtszeit nennt er die Landesgartenschau 2000, aber auch die Altstadtsanierung, für die es immer gelungen sei, die städtischen Eigenmittel aufzubringen. Zudem freue es ihn, dass alle Kitas saniert werden konnten und Luckaus ländliche Ortsteile durchweg ansehnlich sind. „Uns war immer wichtig, dass beim Zusammenschluss mit Luckau kein Dorf  auf der Strecke bleibt.“

Auch dass die Landesgartenschau-Gesellschaft noch funktioniert,  deren ehrenamtlicher Geschäftsführer er lange Zeit war, stimme ihn zuversichtlich für die Zukunft, sagt Thomas Rohr. Die Gesellschaft wird künftig hauptamtlich geführt. „Es wird einen Strukturwandel, eine Erweiterung der Aufgabenfelder geben. Das setzt neue Maßstäbe.“ Schade finde er, dass die Ninnemann-Stiftung, in der er sich ebenfalls engagiert hat, nicht mehr läuft. „Es hat so viel Kraft gekostet, sie ins Leben zu rufen“, blickt er zurück. Unlängst musste die Stiftung aus Geldnot die Bibliothek an die Stadt zurückgeben.

Doch die positiven Erinnerungen überwiegen für Thomas Rohr. Dankbar sagt er: „Ob in der Kämmerei oder in der Laga-GmbH – ich hatte immer ein wunderbares Team, in dem jeder in seinem Bereich kompetent war und alle während kritischer Phasen zusammengerückt sind.“ Auch das vertrauensvolle Miteinander von Kämmerei und Kommunalpolitik, wie es in Luckau bestehe, sei nicht überall selbstverständlich, so Thomas Rohr.

Dass er zugleich Vize-Bürgermeister war, habe ihm für seine Tätigkeit als Kämmerer genutzt. „So hatte ich mehr Einblicke in die Wünsche und das Denken der Bürger, konnte manches besser beurteilen.“

Musste er als oberster Hüter der Luckauer Finanzen das Bremspedal treten, flogen auch mal die Fetzen, räumt er ein.  „Doch gestritten wurde immer in der Sache und so, dass keiner menschlich Schaden nimmt.“

Mit dem Abschied von Thomas Rohr ist der Generationswechsel an der Luckauer Verwaltungsspitze vollzogen. „Es sind jetzt jüngere Leute in der Verantwortung mit anderen Ideen und Arbeitsweisen. Und das ist auch gut so“, sagt er.

Für ihn sei es nach einer  Herz-OP 2014 zunächst ungewiss gewesen, ob er sein Berufsleben würde fortsetzen können. Jetzt wolle er den Ruhestand genießen. „Den privaten Thomas Rohr gab es ja praktisch bisher nicht.“ Seine Frau, die Kinder Tobias und Mirabell haben ihm all die Jahre den Rücken frei gehalten. Nun freue er sich darauf, für seine Enkel Willy und Leni da zu sein. Und am Wochenende will er weiter im „Wilden Eber“ Gäste bewirten.