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Marketing mal anders
Liebeserklärung an Luckau

Auch das Rathaus hat seinen Platz in Jutta Dzielaks Film über ihre Stadt.
Auch das Rathaus hat seinen Platz in Jutta Dzielaks Film über ihre Stadt. FOTO: Carmen Berg / LR
Luckau. Jutta Dzielak will mit einem Videofilm über ihre Heimatstadt Lust auf einen Besuch wecken. Von Carmen Berg

Mit einem Videofilm über ihre Heimatstadt erfüllt sich Jutta Dzielak vorab einen Herzenswunsch zum 70. Geburtstag, den sie im nächsten Februar begehen wird. Bei einem Treffen der Luckauer Kulturschaffenden in dieser Woche soll der Streifen erstmals gezeigt werden. In der Folge wird er auf der Internetseite der Stadt zu sehen sein, auch eine öffentliche Vorführung ist geplant, kündigt sie an.

Ein Blick aus der Vogelperspektive auf Luckaus romantische Altstadt strahlt Beschaulichkeit aus. Doch langweilig ist es nicht unter den historischen Dächern. Jutta Dzielak nimmt die Zuschauer mit auf Entdeckungstour durch mittelalterliche Keller während der Altstadtnacht, zeigt Feierlustige beim Türmerfest und an anderer Stelle die Nikolaikirche, wie sie am Morgen des ersten Weihnachtstages zur Christmette im Licht Tausender Kerzen erstrahlt. „Das ist schon etwas ganz Einmaliges“, gerät sie ins Schwärmen.

So manches Ereignis, das in Bildern über die Leinwand flimmert, hat die Luckauerin als Vorstandsmitglied im bürgeroffenen Gewerbeverein „Wir sind Luckau“ und begeisterte Kulturfrau mit auf den Weg gebracht: den Maxi-Herbstmix beispielsweise, der Einkaufen mit Spaß für die ganze Familie verbindet oder den idyllischen Weihnachtsmarkt, der inzwischen mit seinen offenen Höfen, der Hauptstraße im Fackelschein und handgemachter Kultur ein Gemeinschaftswerk vieler Luckauer ist. „Wie sich das entwickelt hat, ist einfach irre“, freut sich Jutta Dzielak.

Sie sagt: „Manche spielen Fußball, können toll malen oder stricken. Mein Hobby ist es, anderen Freude zu machen.“ Das habe sie von ihrer Mutter Wally geerbt, die einst Volksfeste, Konzerte und das Programm für die Jugendweihen in der Stadt organisiert hat. „Ich bin da reingewachsen, habe mitgeholfen und mir so manchen Kniff abgeschaut“, erinnert sich die Tochter.

Zum Filmen kam die gelernte Gastronomin erst spät, durch ihre Tätigkeit nach der Wende für den Stadtkanal City-TV. „Diese Arbeit hat mich gelehrt, Luckau mit anderen Augen zu sehen“, sagt sie. Kleine Gässchen, liebevolle Details im Stadtbild, die im hektischen Alltag gern übersehen werden, finden im Video ihren Platz neben den bekannten Sehenswürdigkeiten.

Das frühere Gefängnisgelände gehört dazu. Einst verbotene Stadt, steht es mit Kulturkirche, Museen, Kindereinrichtungen sowie Wohnungen Einheimischen und Gästen offen. Diese Wandlung beeindruckt Jutta Dzielak noch immer. Sie hatte für den Stadtkanal die Bauarbeiten von der Grundsteinlegung bis zur Einweihung begleitet.

Der Schlossberg ist ein weiterer Ort im Film, der Teil ihrer eigenen Biografie ist. Sie hat dort gekellnert, Events organisiert. Ihre Rückkehr nach Jahren sei eher Zufall gewesen. Für die Videoarbeit wurde ein geegneter Raum gesucht, der sich in dem Traditionshaus fand. Als der Schlossberg wirtschaftlich in schwieriges Fahrwasser geriet, half sie mit Erfahrung und Ideen. Im (Un-)Ruhestand steht sie dem neuen Betreiber, der Tanz- und Musical-Schule „Studio 77“, als Schlossberg-Beauftragte zur Seite. Gezeigt wird das Haus als Platz zur Einkehr und beliebte Feierstätte der Vereine. In einer Szene sind die jungen Tänzerinnen des Studios im Schlossberg-Garten festgehalten.

Historisches und Modernes - beides hat seinen Platz. Die Parkanlagen, entstanden zur Landesgartenschau 2000, das sanierte Freibad, der neue Hort, Schulen und das moderne Krankenhaus sind zu sehen.

Die Idee, diesen Film zu machen, sei ihr 2010 das erste Mal gekommen. Schlüsselerlebnis sei die Fertigstellung des Freibades gewesen, blickt Jutta Dzielak zurück. Über die Jahre habe sie Tausende Bilder gesammelt, in Ordnern kategorisiert, zuerst wie ein Drehbuch die Texte geschrieben und die Aufnahmen zugeordnet. Unterstützung bekam Jutta Dzielak bei ihrer Arbeit von Fred Bauer und Aliona Solovey.

„Luckau: eine lebens- und erlebenswerte Kleinstadt“ nennt sie den Streifen, mit dem sie andere neugierig machen und zum Besuch ihrer Heimatstadt einladen will. Für Jutta Dzielak, in Luckau geboren und geblieben, steht fest: „Hier möchte ich niemals weg.“