Von sieben deutschen Städten aus machen sich Staffeln auf in die Bundeshauptstadt. „Es geht darum, das Recht auf Bildung für alle Kinder in den Blick der Öffentlichkeit zu rücken“ , erklärt Oliver Cyrus, Teamleiter für den Streckenabschnitt Dresden-Berlin. Überdimensionale Bleistifte werden als Staffelstäbe von Etappenort zu Etappenort weitergereicht. 50 000 dieser Stifte, so Cyrus, sollen am Ziel Verantwortlichen der Bundespolitik übergeben werden.
Daniel und seine Altersgefährten finden die Stäbe wie auch T-Shirts und Mützen, die sie vor dem Start auf dem Luckauer Busplatz bekommen, „echt cool“ . Von den 3000 Gesamt-Kilometern legen die Luckauer Grundschüler drei zurück. „Mehr sind nicht möglich, weil die Kinder wieder pünktlich zum Unterricht müssen“ , sagt Sportlehrerin Heike Schulze. Wie sie erzählt, hatten die Organisatoren des Laufes Informationen zur Aktion an die Schulen verschickt. Die Sportlehrer der Luckauer Grundschule hätten die Lauf-Idee gern aufgegriffen, sagt die Pädagogin. Könnten doch damit zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden. „Zum einen ist es uns wichtig, etwas dagegen zu unternehmen, dass in der Bildungspolitik noch mehr gespart wird. Zum anderen tun die Schüler etwas für ihre Kondition“ , erklärt sie.

An vielen Ecken fehlt Geld
Aus ihrem Arbeitsalltag als Sportlehrerinnen haben Heike Schulze und Kollegin Manuela Fruth Beispiele parat, wo mehr für die Kinder machbar wäre, wenn das nicht am fehlenden Geld scheitern würde. Ihre Schule, berichten die Pädagoginnen, will sich zu einer „bewegten Grundschule“ entwickeln, an der der Sport einen besonderen Platz einnimmt. „Dafür aber muss die Ausrüstung mit Sportgeräten besser werden“ , sagt Manuela Fruth. Heike Schulze erzählt, dass es an der Grundschule viele begeisterte kleine Turner gebe. „Gern würden wir mehr Arbeitsgemeinschaften anbieten“ , erklärt sie. Doch ausschließlich auf ehrenamtlicher Basis sei das nicht realisierbar. „Uns fehlen die Mittel, um Übungsleitern einen Obolus bezahlen zu können“ , sagt die Sportlehrerin. „Andere Kollegen können aus ihren Fachgebieten Ähnliches berichten.“
Für Daniel steht beim Staffellauf der Spaß im Vordergrund. „Ich mache viel Sport, bin Fußballer bei der SG Gießmannsdorf“ , berichtet der Junge. Beim gleichen Sportverein kickt Tobias aus der 5c. „Wenn wir an der Schule einen Fußballplatz hätten, würden vielleicht mehr Kinder Lust bekommen, bei uns im Verein mitzumachen“ , sagt der Fünftklässler. Sein Freund, der ebenfalls Tobias heißt, denkt bescheidener. Sein Wunsch: „Wenigstens ein ordentlicher Fußbodenbelag für unsere Turnhalle - das wäre schon gut.“

Was der Lauf zeigen soll
Die Initiative des Deutschen Kinderschutzbundes und des Kinderhilfswerkes World Vision wird begleitet von einer Spendenaktion, die Kinder- und Schulprojekte in Deutschland und in Entwicklungsländern unterstützt. Oliver Cyrus sagt: „In Deutschland haben die PISA-Studien gezeigt, dass wir trotz unseres Wohlstandes nicht gut abschneiden, und dass wir weiter ins Hintertreffen geraten werden, wenn wir die Bildung nicht verbessern.“ In den Entwicklungsländern seien die Probleme noch weit gravierender, fügt der Teamleiter an. So würde in Ländern wie Angola, Niger oder Mali nur etwa jedes dritte Kind eine Schule besuchen. Zehn Kilometer durch die Steppe sei für viele kleine Afrikaner der ganz normale Schulweg.
Kinderschutzbund und World Vision hätten sich an einen Tisch gesetzt und die gemeinsame Aktion des Staffellaufes beschlossen, so Oliver Cyrus. Bei der Premiere werden organisatorische Mängel offenbar.
„Wir haben angenommen, dass mehr Läufer dabei sein werden“ , sagt Heike Schulze. Geplant war laut Cyrus, dass jeweils nach einem Abschnitt von rund fünf Kilometern die nächsten Teilnehmer die Staffelstäbe weitertragen. An manchen Orten aber hätten die Organisatoren allein gestanden, weil die Informationen in den Regionen nicht rechtzeitig angekommen seien, gesteht er und erklärt: „Wir hatten es beim Genehmigungsverfahren für die Aktion mit zahlreichen Behörden zu tun. Dadurch kam es zu großen Verzögerungen.“
Dennoch wertet der Teamleiter die Laufpremiere als einen Erfolg. „In einigen Gemeinden haben sich Jugendliche spontan beteiligt, in anderen sind Familien gekommen, die vom Sternlauf im Internet erfahren hatten“ , erzählt er. Cyrus sagt: „Bildungsnotstand in den Medien anzusprechen, ist eine wichtige Sache. Noch wirksamer aber ist es, wenn sich Menschen ganz persönlich engagieren.“

Die Lücken geschlossen
Wo keine Lauf-Freudigen gekommen waren, sind die Organisatoren selbst in die Bresche gesprungen. „Meine beiden Mitstreiter Tetyana Franke und Stefan Kleber hatten an manchem Tag bis zu 25 Kilometern in den Beinen“ , berichtet der Streckenchef. Schließlich dürfe der Staffelstab nicht irgendwo im Niemandsland hängen bleiben, betont er. Ehrensache sei es auch, ihn nicht mit dem Auto zu befördern.
In Luckau ist Tetyana und Stefan eine Verschnaufpause vergönnt. Sie feuern die Schüler der Grundschule an, die mit Feuereifer auf die Strecke gehen - ihrem Etappenziel in Gießmannsdorf entgegen.

Info zum Thema World-Vision-Projekte
Nähere Informationen zu Projekten von World Vision und zur Übernahme von Patenschaften für Kinder in Entwicklungsländern sind im Internet zu finden unter der Adresse: www.worldvision.de. Auskünfte zum Lauf gibt es unter www.3000km.de