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| 14:25 Uhr

Gefiederte Exoten
Letzte Rettung für Exoten

Hans-Jürgen Fengler nimmt exotische Vögel auf, wenn sich die Besitzer nicht mehr um die Tiere kümmern können. Unterstützung bekommt er unter anderem von Ute Hamann, die mit Futter und Ratschlägen aushilft.
Hans-Jürgen Fengler nimmt exotische Vögel auf, wenn sich die Besitzer nicht mehr um die Tiere kümmern können. Unterstützung bekommt er unter anderem von Ute Hamann, die mit Futter und Ratschlägen aushilft. FOTO: Anja Brautschek / LR
Luckau. Hans-Jürgen Fengler aus Schollen nimmt Papageien auf und päppelt sie liebevoll wieder auf. Von Anja Brautschek

Bei Familie Fengler aus Schollen piept es gewaltig. Schon mit dem ersten Schritt in die Nebengebäude von Hans-Jürgen Fengler wird der Besucher von lautem Vogel-Geschrei begrüßt. Der Rentner betreibt eine Auffangstation für exotische Vögel und nimmt Tiere auf, die Besitzer aus verschiedenen Gründen nicht mehr behalten können.

„Ich möchte, dass die Tiere ein schönes und vor allem artgerechtes Zuhause haben“, sagt Hans-Jürgen Fengler. Was mit ein paar Wellensittichen als Hobby angefangen hat, ist mittlerweile zu einer großen Vogelstation angewachsen. 2008 hat er die Auffangstation eröffnet. Jedes Jahr kommen neue Tiere hinzu. Selbst beschlagnahmte Vögel vom Flughafen sind bei ihm bereits untergekommen.

Doch die Nachfrage ist so groß, dass der Platz knapp wird. Aus ganz Brandenburg erhält er Anfragen. „Tiere kann ich nur noch in Notfällen, wenn beispielsweise der Besitzer verstorben ist oder auswandern möchte, aufnehmen“, erklärt er. Die Volieren nehmen den halben Garten ein, damit die Vögel genügend Auslauf haben und auch ihre Flügel entfalten können. Etwa 80 Tiere leben bei ihm – darunter allein rund 20 Graupapageien. Vom imposanten Ara bis zum kleinen Finken ist eine große Vielfalt an Exoten bei Familie Fengler zu Hause.

Und alle Tiere bekommen von Hans-Jürgen Fengler eine Extraportion Liebe. Denn so manches Tier stammt aus schlechter Haltung und benötigt besondere Aufmerksamkeit. So leben bei ihm unter anderem auch Graupapageien, die sich vor lauter Stress ihre Federn rausgerupft haben. „Manch einer hält Papageien ein ganzes Leben lang in der Wohnung im Käfig und wundert sich dann, dass die Tiere nicht mehr fliegen können. Mir blutet das Herz, wenn ich so etwas höre“, erzählt der Rentner. Mit viel Geduld und Feingefühl päppelt er die Tiere wieder auf.

In Schollen können die Exoten gemeinsam mit Artgenossen leben, im Sand baden und Sonne tanken. Im Winter sorgt eine spezielle Lampe zusätzlich für genügend Vitamin D. Solange es nicht friert, können die Vögel auch die Außenvolieren nutzen. In den Innenanlagen achtet der Vogelliebhaber auf konstante Temperaturen und genügend Luftfeuchtigkeit.

Die Tiere danken es ihm. Mit lautem Pfeifen und Erzählen wird er von seinen Schützlingen begrüßt. Kaum betritt er den Käfig des Aras springt das Tier ohne zu zögern auf seine Schulter. Liebevoll knabbert er an Fenglers Ohr und schnattert, als würde er mit einem Freund erzählen. Hans-Jürgen Fengler ist nah an den Tieren dran und erkennt dadurch selbst kleinste Veränderungen im Verhalten oder Aussehen.

Doch die Versorgung der Tiere ist aufwendig und bestimmt den gesamten Tagesablauf des Rentners. Mehrmals täglich bekommen die Vögel zu fressen. Rund 1,5 Kilogramm Obst verfüttert er dabei täglich. Hinzu kommen verschiedene Körner und andere Leckereien. Alles besorgt Hans-Jürgen Fengler selbst. Unterstützung bekommt er von einigen ehrenamtlichen Helfern. Sie spenden Futter oder helfen bei der Renovierung der Anlage. Eine davon ist Ute Hamann. Sie musste vor etwa einem halben Jahr ihre beiden Papageien aus privaten Gründen abgeben und ist seit dem in ständigen Kontakt mit dem Schollener. „Ich bin froh, dass es diese Auffangstation gibt. Sonst hätte ich meine Tiere ins Tierheim geben müssen“, sagt sie.

Anders als in einem Tierheim vermittelt Hans-Jürgen Fengler keine Tiere weiter. Bei ihm können sie ihren Lebensabend verbringen. So kann die Berlinerin ihre Vögel regelmäßig besuchen. Im Gepäck hat sie meist eine spezielle Frisch-Futter-Mischung, das sie selbst zubereitet. Außerdem bäckt sie für die Tiere spezielles Brot. „Ich bin froh über jede Unterstützung. Die Kosten für die Auffangstation sind nicht zu unterschätzen“, sagt Hans-Jürgen Fengler. Alles finanziert er aus privaten Mitteln und ein paar privaten Spenden.

Trotz des hohen Aufwandes denkt der Rentner nicht ans Aufhören. Selbst vier Bandscheibenvorfälle können ihn nicht von diesem Hobby abhalten. „Die Tiere sind wie Medizin. Bin ich bei ihnen sind die Schmerzen weg“, erzählt er. Solange sich der gesundheitliche Zustand nicht verschlechtere, wird er sich auch weiterhin um die Tiere kümmern. Und auch um die Zukunft hat sich der Rentner bereits Gedanken gemacht. „Sollte ich die Tiere nicht mehr versorgen können, möchte ich sie geschlossen an ein Tierpark übergeben“, erklärt er. Weitere Infos zur Station gibt es im Internet unter der Adresse:  www.auffangstation-exoten.de.