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Luckauer Lehrstellen suchen Azubis

Auf der Baustelle: Chef Andreas Schulz bespricht mit Azubi Christian Göldner und Mitarbeiter Chris Paulo (v.r.) die Aufgaben.
Auf der Baustelle: Chef Andreas Schulz bespricht mit Azubi Christian Göldner und Mitarbeiter Chris Paulo (v.r.) die Aufgaben. FOTO: be
Luckau. Lehrstelle sucht Azubi. Diesen Satz würde der Luckauer Gerüstbauer Andreas Schulz sofort unterschreiben. Die Region verzeichnet ein Überangebot an Ausbildungsplätzen. Vier Lehrstellen hat Schulz zu vergeben. Sie zu besetzen, werde immer schwieriger. Carmen Berg

An diesem Vormittag rüsten die Männer des Luckauer Unternehmens ein Gebäude in Golßen ein. Selten haben sie ihre Baustellen so nah vor der Haustür. "Wir arbeiten in Brandenburg, Berlin und auch in Norddeutschland, wo wir in Kiel eine Niederlassung haben", erzählt der Chef. Draußen zu sein und herumzukommen, das mag Christian Göldner (25) an dem Beruf. Der Azubi im dritten Lehrjahr steht kurz vor der Abschlussprüfung. Bevor er im Gerüstbau begann, hatte er anderes ausprobiert: Lebensmitteltechniker, Kfz-Mechatroniker. Erst jetzt habe er das Richtige gefunden. Nach der Lehre will er in der Firma bleiben, sagt der junge Mann.

Nicht immer läuft es so gut. Manchen schreckt die schwere Arbeit. "Das Material wiegt teils mehr als 20 Kilo. Man sollte schon gut in Form sein", sagt Christian Göldner. Mitunter hätten Bewerber auch falsche Vorstellungen vom Job, ergänzt Ausbilder und Bauleiter Raik Roblick. "Stark und doof ist ein Klischee, mit dem ein Gerüstbauer heutzutage nicht bestehen kann", sagt er. "Wir haben uns auf anspruchsvolle Bauwerke spezialisiert, weil nur so gutes Geld zu verdienen ist und ordentliche Löhne gezahlt werden können", erklärt Andreas Schulz. Seine Mitarbeiter müssten Statiken verstehen. Gute Mathe-Kenntnisse, mindestens Note Drei, sollten Bewerber mitbringen. Dafür winken dann Eindrücke, die nicht jeder Arbeitsplatz biete. "Wenn wir in Cuxhaven eine Brücke über die Nordsee einrüsten, und unter uns die Schiffe fahren - das hat schon was", so der Chef.

Vier Lehrlinge will er einstellen. "Es gibt nicht mehr viele Gerüstbauer, die ausbilden, sie scheuen den Aufwand", sagt er. Doch ihm liege daran, sich selbst um Nachwuchs für die Firma mit 30 Mitarbeitern zu kümmern.

Bei der Bewerbersuche trifft der Luckauer auf reichlich Konkurrenz. 207 offene Ausbildungsplätze sind im Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur Cottbus für die Region Luckau/Lübben aktuell noch im Angebot. Speziell im Baubereich stehen noch 33 offene Lehrstellen zur Verfügung. "Besonders im Handwerk sowie im Hotel- und Gaststättenbereich suchen die Arbeitgeber intensiv nach Azubis", bestätigt Maximilian Bischoff, Geschäftsführer Operativ bei der Arbeitsagentur. Junge Leute seien in einer günstigen Situation. "Auf einen unversorgten Bewerber warten im Schnitt 1,2 Ausbildungsstellen. Was heißt: Arbeitgeber müssen um Azubis werben", so Maximilian Bischoff.

Die Luckauer Gerüstbaufirma bietet Praktika an, stellt sich auf Ausbildungsmessen vor, sagt Raik Roblick. Auch mit Aufstiegschancen will man punkten. Junge Fachkräfte würden unterstützt, wenn sie ihren Meister machen wollen, erklärt Andreas Schulz.

Christian Göldner ist neben Arbeit und Lohn das Betriebsklima wichtig. "Gerüstbau ist Teamarbeit. Einer muss sich auf den anderen verlassen können", erklärt er. Grillabende, Ausflüge in den Spreewald oder auf die Kart-Bahn nach Waldow fördern den Zusammenhalt.