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| 17:23 Uhr

Mit dem Kahn auf dem Stadtgraben
Vom Wasser aus Luckau erkunden

Stephan Ernst fährt seit vielen Jahren leidenschaftlich gern Kahn in Luckau. Er genießt die Ruhe auf dem Stadtgraben, aber auch die Gespräche mit den Gästen.
Stephan Ernst fährt seit vielen Jahren leidenschaftlich gern Kahn in Luckau. Er genießt die Ruhe auf dem Stadtgraben, aber auch die Gespräche mit den Gästen. FOTO: LR / Anja Brautschek
Luckau. Stefan Ernst bietet Kahn-Touren an. Am Samstag steigen zur Kahnnacht Musiker bei ihm ein. Von Anja Brautschek

Der Kahn von Stephan Ernst gleitet sanft durchs Wasser. Kleine Wellen schlagen an die Ufer. Doch schon nach kurzer Zeit hat sich das Wasser des Luckauer Stadtgrabens wieder beruhigt. Es ist wie eine kleine Auszeit für die Seele, wenn der Luckauer seinem Hobby nachgeht. Seit 17 Jahren bietet er in seiner Freizeit Kahntouren durch Luckau an.

„Das ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man Gäste durch den Stadtgraben fährt“, sagt Stephan Ernst. Auch wenn Luckau erheblich weniger Touren-Möglichkeiten als der Spreewald bietet, so hat es doch seinen eigenen Charme. Touristen-Andrang und Gegenverkehr auf dem Stadtgraben gibt es nicht. Stattdessen dominieren Ruhe und ein einzigartiger Blick auf den historischen Altstadtkern der Stadt. „Durch die andere Perspektive auf die Stadt entdeckt man selbst als Einwohner noch neue Ecken“, beschreibt der Kahnfahrer die Besonderheiten. Doch noch mehr als die Natur und die Stadt um ihn herum weiß er die Menschen zu schätzen, die in seinen Kahn einsteigen.

„Während der Fahrt erfahre ich viel über die Menschen und ihre Erlebnisse. Das reizt mich so am Kahnfahren“, erzählt er. Zu Klassentreffen oder runden Geburtstagen werden die Touren regelmäßig auch von Luckauern oder ehemaligen Einwohnern gebucht. Die Idylle des Stadtgrabens werde dann häufig zum Schwelgen in Erinnerungen und an frühere Zeiten genutzt. Spannende Geschichten über Luckau und die Region bekommt Stephan Ernst so zu hören. „So lernt man immer etwas Neues über die Heimat“, sagt er.

Anders als im Spreewald kann in Luckau aber nur nach vorheriger Anmeldung in den Kahn gestiegen werden. Seit der Landesgartenschau 2000 werden Kahntouren auch in Luckau angeboten. Zu dieser Zeit standen die Kähne nicht still. „Meine Familie wollte etwas für Luckau beitragen“, erzählt Stephan Ernst. Die Familie kaufte sich einen Kahn und bot – wie viele Luckauer – die Touren an. Durch seinen Vater ist auch Stephan Ernst zum Kahnfahren gekommen. Heute sind er und Hans-Georg Schaper die einzigen Luckauer Kahnmänner, die regelmäßig Gäste in ihrer Freizeit durch das Wasser staken. Beide Kahnmänner hat die Leidenschaft für das spreewaldtypische Gefährt gepackt. „Sobald man in den Kahn steigt, kommt man sofort runter“, erklärt Stephan Ernst das Gefühl.

Doch der Aufwand dafür ist nicht zu unterschätzen. Für eine einstündige Tour benötigt Stephan Ernst ungefähr drei Stunden Aufwand. Denn der Kahn muss vorbereitet, gesäubert und im Nachhinein wieder wetterfest gemacht werden. Auch der Stadtgraben bietet den Kahnmännern eine besondere Herausforderung. „Wir müssen den Wasserstand ständig im Blick haben und bei Bedarf am Wehr nachjustieren“, erklärt Ernst. Denn die vielen Brücken, die über den Graben führen, sind meist nicht hoch. Ein zu hoher Wasserstand erschwert das Hindurchfahren. Ist der Wasserstand zu niedrig, droht der Kahn aufzusetzen. Auch gegen die Verkrautung kämpfen die Kahnmänner an. Regelmäßige Arbeitseinsätze am Graben sorgen deshalb für eine freie Fahrt. „Da ist Hans-Georg Schaper sehr engagiert. Es wäre schön, wenn wir noch einen weiteren Kahnmann gewinnen könnten“, so Stephan Ernst.

Trotz aller Schwierigkeiten wird der Luckauer vermutlich auch künftig in den Kahn steigen – um die Ruhe zu genießen und nette Gespräche mit den Gästen zu führen. Seine nächste Tour wird jedoch ganz anders. Zur dritten Kahnnacht in Luckau ist er natürlich auch dabei. Das Besondere: Bei dieser Veranstaltung steigen nicht die Gäste, sondern die Musiker selbst in den Kahn und werden zu den Veranstaltungsorten gefahren. „In den vergangenen Jahren wurde das gut angenommen. In der Region ist es in dieser Art etwas Einzigartiges“, sagt Stephan Ernst.