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Luckauer haben reichlich gegeben

Kuratorin Dr. Silke Kamp erläutert Konzept und Details der neuen Ausstellung im Niederlausitz-Museum Luckau. Im Hintergrund ist das restaurierte Luther-Gemälde von 1692 zu sehen.
Kuratorin Dr. Silke Kamp erläutert Konzept und Details der neuen Ausstellung im Niederlausitz-Museum Luckau. Im Hintergrund ist das restaurierte Luther-Gemälde von 1692 zu sehen. FOTO: Keilbach
Luckau. Sonderausstellung zeigt viele Beispiele. Restauriertes Lutherbild ist ebenfalls Resultat bürgerschaftlichen Engagements. Birgit Keilbach / bkh1

"Wer etwas haben will, muss auch etwas geben. Wer Gutes tun will, muss es verschwenderisch tun." Diese Worte Martin Luthers haben Luckauer Bürger schon immer beherzigt. Das zeigt die neue Sonderausstellung im Niederlausitz-Museum der Stadt. Am Internationalen Museumstag wurde sie eröffnet. Sie ist ein Projekt des Themenjahres Kulturland Brandenburg 2017 unter dem Motto: "Wort und Wirkung. Luther und die Reformation in Brandenburg."

Luckaus Bürger gaben reichlich. Zahlreiche kirchliche Einrichtungen kamen in den Genuss von Zuwendungen durch Stiftungen: Das Dominikanerkloster mit seiner angesehenen Klosterschule. Die Nikolaikirche mit ihrer Schule für elementare Bildung. Die Spitäler zum Heiligen Geist und zum Heiligen Kreuz. Motivierte vor der Reformation vor allem die Angst vor dem Fegefeuer die Wohlhabenden dazu, einen Teil ihres Besitzes den Bedürftigen zukommen zu lassen, so wandelte sich das mit dem religiösen und gesellschaftlichen Umbruch. Es war nicht mehr notwendig, für das Seelenheil zu spenden.

In der Folge kamen in Luckau viele Zuwendungen der Bildung zu Gute. Am längsten überdauerte die Stiftung des Bäckers und späteren Bürgermeisters Heidenreich. Sie existierte von 1410 bis 1936. Auch die Hospitäler wurden weiterhin unterstützt. Beispielsweise spendeten Bauern nach dem zweiten Weltkrieg für kranke Flüchtlinge Eier zum Osterfest. "Diese reichten noch lange darüber hinaus. Viele Dokumente erzählen weitere solcher Geschichten, die zu Herzen gehen", sagte Kuratorin Dr. Silke Kamp.

Martin Luther sei der Dienst für die Gesellschaft wichtig gewesen. "Er machte sich Gedanken, was mit den Geldern fürs Seelenheil passieren sollte", erläuterte Thomas Köhler, Superintendent des Kirchenkreises Niederlausitz. Es habe sich ein Wandel zur Sorge für das Allgemeinwohl vollzogen, der bis heute anhalte. Dabei stünden nicht nur finanzielle Zuwendungen im Fokus. Es gehe auch darum, wie sich Bürger aktiv in das Gemeinwesen der Stadt einbringen. Ein aktuelles Projekt ist die Restaurierung des lebensgroßen Lutherporträts aus dem Jahr 1692 und fünf weiterer historischer Pastorengemälde, die zum Reformationsjubiläum wieder ihren Platz im Altarraum-Umgang der Kirche St. Nikolai einnehmen sollen.

Das Lutherporträt und das Bildnis von Johann Christian Adami (1689-1753), der in Luckau als Archidiakon und Superintendent wirkte, sind bereits fertiggestellt und bereichern die Ausstellung. Für Bürgermeister Gerald Lehmann ist dies sichtbares Zeugnis des engagierten Zusammenwirkens von kirchlicher und weltlicher Gemeinde in der Stadt. "In der Arbeitsgruppe Pastorenbilder haben wir Hand in Hand gearbeitet, um das, was wir mit Heimat verbinden, voranzubringen", sagte der Verwaltungschef. Zahlreiche Spenden seien bei der Kirchengemeinde eingegangen, große Einzelspenden und viele kleine Beiträge. Unterstützung habe das Projekt zudem von den Stiftungen zweier regionaler Banken erhalten. Noch seien weitere Spenden erforderlich, um das Ziel zu erreichen. Am Ende des Rundgangs kann in der Ausstellung für die Restaurierung jedes der abgebildeten Gemälde einzeln gespendet werden.

Zum Thema:
Die Ausstellung "Seelenheil und Bürgerstiftungen. Tradition und Wandel" ist bis zum 5. November im Niederlausitz-Museum Luckau zu sehen. Am Sonntag, 28. Mai, führt Kuratorin Silke Kamp ab 15 Uhr durch die Ausstellung. Am Sonntag, 4. Juni, findet eine kombinierte Führung durch die Ausstellung und die Luckauer Nikolaikirche statt. Start ist um 15 Uhr im Museum.