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| 17:24 Uhr

Windkraft
Intelligenz im Rotorblatt

 BTU-Professor Holger Seidlitz wird mit dieser High-Tech-Fertigungsmaschine den Rotorblatt-Protypen für eine Mini-Windenergieanlage herstellen, die in Kooperation mit der EAB Gebäudetechnik GmbH Luckau auf dem Markt kommen soll.
BTU-Professor Holger Seidlitz wird mit dieser High-Tech-Fertigungsmaschine den Rotorblatt-Protypen für eine Mini-Windenergieanlage herstellen, die in Kooperation mit der EAB Gebäudetechnik GmbH Luckau auf dem Markt kommen soll. FOTO: Taubert Christian
Luckau/Cottbus. Die Luckauer EAB Gebäudetechnik baut mit der BTU eine neuartige Mini-Windenergieanlage. Leichtbauworkshop an der Uni in Cottbus stellt heute und morgen weitere Forschungen vor. Von Christian Taubert

Die Lausitz als Produktionsstandort für Mini-Windenergieanlagen - diese Vision galt bisher als eher unwahrscheinlich. In einer Region, wo es zu wenig Wind gibt, ist das Interessen potenzieller Kunden einfach zu gering. Der Luckauer Christian Beloch verweist auf drei Meter pro Sekunde durchschnittliche Windgeschwindigkeit in zehn Metern Höhe in der Region. „Damit und einem Wirkungsgrad herkömmlicher Anlagen von 15 Prozent kann man  keinen Blumentopf gewinnen“, sagt der Geschäftsführer der EAB Gebäudetechnik GmbH im Dahme-Spreewald-Kreis. Das Unternehmen ist in Sachen Smart Home unterwegs, was auch die effiziente Nutzung regenerativer Energien etwa im Haushalt beinhaltet.

 Ernüchternd kehrte Beloch dann auch von der Windmesse in Husum zurück. Aufgeben wollte er dennoch nicht. „Es lohnt sich nicht“, wollte Beloch nicht gelten lassen. Klar sei gewesen, um eine Mini-Windenergieanlage für Lausitzer Verhältnisse anzubieten, mussten die Leistung trotz des geringeren Windes gegenüber Nord- und Ostsee gesteigert und damit die Betriebsstunden erhöht werden. Beloch wandte sich mit seinem Vorhaben an die BTU Cottbus-Senftenberg und traf dort auf Professor Holger Seidlitz, mit dem er einst an der Fachhochschule in Senftenberg studiert hatte.

Was sich dann an Kooperation zwischen seinem 27 Mitarbeiter umfassenden Unternehmen und der Universität entwickelt hat, lobt Beloch in den höchsten Tönen. „Wir hätten uns nicht träumen lassen, welche Fördermöglichkeiten uns die BTU erschießen würde“, schildert der gebürtige Luckauer, der nach sieben Jahren Arbeit in einem Konzern im Westen in die Heimat zurückgekehrt ist.

Für Seidlitz und dessen Fachgebiet Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen war von Anfang klar, dass es hier um die Entwicklung eines intelligenten Rotorblattes gehen musste. Bedeutend leichter als bisherige Mini-Flügel von etwa 1,50 Meter Länge. „Da es nur wenige Unternehmen und wenige Abnehmer für solche Mini-Anlagen gibt, gibt es auch nur sehr wenige gute Lösungen“, verdeutlicht Seidlitz die Chance, auf den Markt zu kommen.

Was in den Forschungen seit Anfang 2019 herausgekommen ist, nötigt Praktikern wie Theoretikern Respekt ab. „Bei uns steckt die Intelligenz im Rotorblatt“, verweist Professor Seidlitz auf den aus Faserverbundstoffen und Metall kombinierten leichten Flügel.

Zudem seien Werkstoffaufbau und Blattgeometrie so angelegt, „dass sich das Rotorblatt immer optimal in den Wind dreht“. Das heißt, bei wenig Wind auch von nur drei Meter pro Sekunde rotiert das Blatt und erzeugt Energie. Wenn es aber stürmt und herkömmliche Anlagen manuell aus dem Wind gedreht werden müssen, verformt sich das intelligente BTU-Rotoblatt derart, dass es sich selbst aus dem Wind dreht, die Anlage vor Überlastung schützt und dennoch weiter Strom produziert.

Diese Lösung werden die BTU-Forscher heute und morgen beim 17. Leichtbauworkshop an der Uni in Cottbus ebenso vorstellen, wie eine Reihe weiterer Vorhaben mit Unternehmen der Region. Sie zielen vor allem darauf, sich im Prozess des Strukturwandels in der Lausitz neue Standbeine zu schaffen. Allein der Fachbereich von Professor Holger Seidlitz forscht zurzeit an 15 Projekten mit Unternehmen der Region. Was die Luckauer Mini-Windenergieanlage betrifft, so rechnen die Kooperationspartner noch in diesem Jahr mit dem Bau eines Rotorblatt-Prototypen.

Zudem besitzt der Fachbereich, der ab August zu einem Gemeinschaftslehrstuhl mit dem Fraunhofer IAP aufgewertet werden soll, seit zwei Jahren eine High-Tech-Fertigungsanlage, die das Rotorblatt aus hybriden Werkstoffen herstellen kann. „Darauf wartet mancher Professor in Deutschland 40 Jahre“, ordnet Seidlitz den Stellenwert der Forschungen und die Erwartungen an die Wissenschaftler vor dem Hintergrund des Strukturwandels ein. EAB-Chef Christian Beloch, hält es unterdessen für realistisch, „dass Ende 2020 das Projekt abgeschossen sein wird und dann hoch leistungsfähige Mini-Windenergieanlagen aus Luckau auf den Markt kommen“.