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| 14:34 Uhr

Stadt springt ein
Luckauer Bibliothek ist gerettet

Bibliothekarin Birgit Jähn freut sich, dass die Einrichtung in der Kulturkirche für Luckaus große und kleine Leseratten erhalten bleibt. Schon die Jüngsten werden hier fündig in einer liebevoll gestalteten Kinderecke. 
Bibliothekarin Birgit Jähn freut sich, dass die Einrichtung in der Kulturkirche für Luckaus große und kleine Leseratten erhalten bleibt. Schon die Jüngsten werden hier fündig in einer liebevoll gestalteten Kinderecke.  FOTO: LR / Carmen berg
Erleichterung nach dem Rückzug der Ninnemann-Stiftung: Zum 1. Januar geht die Einrichtung zurück an die Stadt. Von Carmen Berg

Vor Weihnachten herrscht zwischen den Regalen reger Betrieb. Die Luckauer decken sich mit Lesestoff für die Feiertage ein. Eine Seniorin will Weihnachts-DVD’s für die Enkel mit nach Hause nehmen. Bibliothekarin Birgit Jähn hilft bei der Auswahl. Seit Jahrzehnten kümmert sie sich nun schon mit Herz um große und kleine Leseratten. „Ich bin glücklich, dass es weitergeht“, sagt sie.

2007 hatte die private Ninnemann-Stiftung die Bibliothek von der Stadt übernommen, damals ein Segen für Luckaus klamme Kasse. Doch jetzt musste der Vorstand der Stiftung die Reißleine ziehen. Aufgrund der veränderten Situation am Kapitalmarkt, sprich der Zinsausfälle, konnte die Bibliothekarin nicht mehr beschäftigt und bezahlt werden. Zum Jahresende wären die Lichter ausgegangen, hätte die Stadt nicht den Hilferuf gehört und die Einrichtung zum neuen Jahr wieder in eigene Hände genommen. Für die Bibliothek wurde im Bürger- und Ordnungsamt, Fachbereich Niederlausitz-Museum, eine Stelle mit 20 Wochenstunden geschaffen. Unlängst verabschiedeten die Stadtverordneten eine Neufassung der Gebühren- und Benutzersatzung.

„Die Veränderungen sind moderat“, sagt Birgit Jähn. Bei der Festlegung der Gebühren habe die Stadt auf bisherige Erfahrungen in der Einrichtung zurückgegriffen und sich auch an Nachbarstädten orientiert. So wird die Jahreskarte für Erwachsene zehn statt bislang sieben Euro kosten, für Kinder, Jugendliche und Studenten sind es jährlich fünf statt drei Euro. Die Familienkarte ist für 15 Euro zu haben. Zum Vergleich: In der Stadtbibliothek Lübben liegen die Gebühren bei 20, für Kinder bei sechs Euro, eine Familienkarte gibt es nicht. In der Bibliothek Lübbenau-Vetschau beläuft sich der Jahresbeitrag auf  20, ermäßigt zehn Euro, die Familienkarte ist für 30 Euro zu haben. Allerdings, darauf verweist die Luckauer Verwaltung, haben die Bibliotheken der Nachbarn mehr Medien im Bestand und längere Öffnungszeiten.

Doch auch das Angebot in Luckau könne sich sehen lassen, sagt Birgit Jähn. Jährlich stöbern mehr als 2800 Lesefreudige in den Regalen und haben die Auswahl unter rund 17 600 Medien. Dazu gehören neben rund 15 800 Büchern diverse Hörbücher, CD, DVD und Spiele. Für die Kleinsten gibt es eine liebevoll eingerichtete Kinder-Ecke mit Bilder- und auch Sachbüchern, die den Jungen und Mädchen kindgerecht die Welt erklären.

„Ist die Lust aufs Lesen erst einmal geweckt, bleibt sie meist ein Leben lang“, sagt Birgit Jähn. Sie ist überzeugt: „Auch im digitalen Zeitalter wird es immer Menschen geben, die es nicht missen möchten, in einem Buch zu blättern.“ Kommen Kita-Gruppen oder Schulklassen, „gibt es danach immer einige Eltern, die ihre Kinder bei uns anmelden“, erzählt sie.

Bei den Erwachsenen sind neben Romanen vor allem Biografien, Historisches und Krimis gefragt. Gern mitgenommen werde Regionalgeschichte. Die brandneue Ausgabe der Luckauer Stadtchronik beispielsweise dürfte sicher ihre Fans finden, so die Bibliothekarin. Bei Pendlern, die täglich lange Autofahrten vor sich haben, liegen Hörbücher im Trend, stellt sie weiter fest. Neben dem eigenen Bestand kann per Fernleihe auf Medien der Stadtbibliothek in Lübben zurückgegriffen werden.

Manch einer, der bisher noch kein Nutzer war, lernt die Bibliothek bei Veranstaltungen kennen. Für 2019 stehen die ersten Angebote im Kalender. Am 23. Januar um 19 Uhr wird zum Fontane-Jahr der Film „Schach von Wuthenow“ gezeigt, am 22. März gibt es um 19 Uhr einen spannenden Reisebericht über Australien, kündigt Birgit Jähn an. Ins Auge fallen zusätzliche Regale im Foyer vor dem Eingang. Dort können sich Lesefreudige außerhalb der Öffnungszeiten schnell und für kleines Geld mit Büchern versorgen oder Bücher tauschen. „Beliebt ist das bei Bustouristen, die in die Kulturkirche kommen“, sagt die Bibliothekarin.