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| 14:22 Uhr

Schulleiterin: „Fühlen uns politisch missbraucht“
Asylkritischer Verein Zukunft Heimat nutzt Schüler-Streit in Luckau für Propaganda

 Ein Streit zwischen Schülern der Oberschule An der Schanze eskalierte und sorgt für Wirbel.
Ein Streit zwischen Schülern der Oberschule An der Schanze eskalierte und sorgt für Wirbel. FOTO: LR / Herny Berner
Luckau. Auseinandersetzungen zwischen deutschen und ausländischen Jugendlichen im Umfeld einer Luckauer Oberschule sorgen für Wirbel. Der asylkritische Verein „Zukunft Heimat“ aus Golßen nutzt die Vorfälle für einen Protestaufruf. Von Carmen Berg und Anja Brautschek

Einem Facebook-Post von „Zukunft Heimat“ zufolge sind in Luckau Schüler von einer Gruppe jugendlicher Migranten bedroht worden, ein Mädchen sei ins Gebüsch gezogen, geschlagen und ins Gesicht getreten, und ein 16-Jähriger so schwer verletzt worden, dass er im Krankenhaus behandelt werden musste.

„Es wird der Eindruck erweckt, ein Schlägertrupp von Migranten terrorisiere die Schule, und wir schauen tatenlos zu“, sagt Schulleiterin Katrin Nauert. Nicht nur sie und ihre Kollegen, sondern auch viele Schüler seien über diese Darstellung fassungslos, erzählt sie. Kathrin Nauert bestätigt, dass es – jeweils außerhalb des Schulgeländes – Auseinandersetzungen gab, sagt jedoch: „Die Vorfälle werden politisch missbraucht.“

Luckau: Auf Schülerstreit folgt größere Auseinandersetzung

Auslöser ist demnach am Donnerstag ein Zoff zwischen einer deutschen und einer ausländischen Schülerin nach Schulschluss am Schultor gewesen, in den sich Freundinnen einmischten. Dabei soll es, wie die Schulleiterin im Nachhinein erfuhr, auch zu gegenseitigen verbalen Bedrohungen gekommen sein.

Beide Mädchen hätten jedoch später auf Nachhaken bestätigt, dass der Streit nichts mit der Nationalität der anderen zu tun gehabt habe. „Es ging um Dinge, die in der Pubertät schnell hochschlagen“, sagt die Schulleiterin.

Am Freitag hörte sie nach Schulschluss beim Schließen eines Fensters Tumult, der vom Schanzbusch herüberklang und ging nachsehen. Sie fand eine Traube von Jugendlichen deutscher und anderer Nationalitäten vor, darunter Schüler, aber auch Ehemalige und Leute, die sie nicht kannte.

Bei ihrem Eintreffen sei es ruhig geworden, ihr Hilfsangebot wurde abgelehnt, die Menge zerstreute sich. Von einem Mädchen, das dort angeblich ins Gebüsch gezerrt und getreten worden sein soll, habe sie nichts gesehen, so die Pädagogin.

Luckau: Kripo ermittelt wegen gefährlicher Körperverletzung

Eine Gruppe ist dann offenbar Richtung Freibad gezogen, wo es unterwegs zu einem weiteren Vorfall kam. Wie Polizeisprecher Torsten Wendt von der Polizeidirektion Süd bestätigt, haben Beamte am Freitag zwei Anzeigen aufgenommen.

Die Kripo ermittelt wegen Beleidigung eines 16-jährigen Mädchens sowie wegen gefährlicher Körperverletzung. Unter Tatverdacht stehen drei Jugendliche, wovon laut Polizei einer aus Afghanistan und ein anderer aus Georgien stammt.

Nachdem der betroffene 16-Jährige vor einer Schülerin auf den Boden gespuckt haben soll, soll einer der Beschuldigten einen Streit angezettelt haben, welcher in einer körperlichen Auseinandersetzung mündete. Der Geschädigte erlitt dabei Gesichtsverletzungen, die in einem Krankenhaus behandelt werden mussten.

Auch der Polizeisprecher geht davon aus, dass die Nationalitäten nicht ursächlich waren. „Die Jugendlichen kennen sich alle aus der Schule oder dem Freizeitumfeld.“ Der betroffene 16-Jährige ist laut Kathrin Nauert ein ehemaliger Schüler.

Polizei: Keine Körperverletzung eines weiteren Mädchens bekannt

Gegen zehn Jugendliche hat die Polizei am Freitag Platzverweise ausgesprochen. Über eine weitere Körperverletzung eines jungen Mädchens habe die Polizei keine Kenntnis, so der Sprecher.

Kathrin Nauert sagt, am Montag sei an der Schule in vielen Gesprächen versucht worden, mit den Schülern das Geschehene aufzuarbeiten. Vor allem sei es auch darum gegangen, aufzuzeigen, wie Konflikte sich gewaltfrei lösen lassen.

Die beiden Mädchen, deren Zoff den Grundstein legte, hätten ihren Streit begraben. „Streitigkeiten unter Jugendlichen in diesem Alter wird man nie vermeiden können, das ist keine Frage von deutsch oder nicht deutsch“, sagt Kathrin Nauert. An der Schule, die unlängst für Zivilcourage ausgezeichnet wurde, würden Konflikte offen thematisiert.

Stadt Luckau strebt Gespräch mit Beteiligten und Polizei an

Bürgermeister Gerald Lehmann erklärt: „Wir haben nichts zu verheimlichen. Wir werden die Dinge ansprechen. Und zwar mit Klartext.“ Die Stadt wolle sich mit Lehrern, Schülern und der Polizei zusammensetzen, um dem Ursprung der Auseinandersetzung und den Fakten dazu auf den Grund zu gehen.

Die AfD will die Vorkommnisse rund um die Oberschule am Mittwoch, 21. August 2019, zum Thema einer Wahlkampfkundgebung in Luckau machen.

Wie Christoph Berndt, Vorsitzender des Vereins „Zukunft Heimat“, auf RUNDSCHAU-Nachfrage sagt, stützten sich die Aussagen in den sozialen Netzwerken auf mehrere Informationen aus der Bevölkerung. Gewalt an Schulen sei ein wichtiges und relevantes Thema, wobei Konfliktlinien aus seiner Sicht ethnisch-kulturell verlaufen.

 Ein Streit zwischen Schülern der Oberschule An der Schanze eskalierte und sorgt für Wirbel.
Ein Streit zwischen Schülern der Oberschule An der Schanze eskalierte und sorgt für Wirbel. FOTO: LR / Herny Berner