| 02:43 Uhr

Luckau schlägt Rathaus-Fusion vor

Luckau/Langengrassau. Die Gemeinde Heideblick hat in den vergangenen 20 Jahren rund 1000 Einwohner verloren. Auch die Stadt Luckau ist in diesem Zeitraum um 1000 Bürger geschrumpft. Es sei Zeit, Verwaltungsarbeit zu bündeln, sagt Luckaus Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos) und schlägt ein gemeinsames Rathaus vor. Carmen Berg

Gut fünf Jahre ist es her, da standen Luckau und Heideblick vor einer Heirat. Das Aufgebot war schon bestellt. Doch die Heideblicker Bürger entschieden sich gegen den Zusammenschluss. Es gab Ängste, der größere Partner könnte den kleineren vereinnahmen. Unterdessen ist der demografische Wandel in beiden Regionen weiter vorangeschritten. In Heideblick wohnen nur noch 3600 Menschen. Potsdam geht für künftige Gebilde von 8000 aus. Luckau hat 9900 Bewohner und im zweiten Jahr nacheinander leichten Zuwachs. Dennoch liege es auch für die Gartenstadt nahe, sich über die Zukunft Gedanken zu machen, sagt Bürgermeister Gerald Lehmann (parteilos). RUNDSCHAU-Berichte zu den Einwohnerzahlen und Reaktionen von Bürgern aus beiden Nachbarregionen darauf seien für ihn Anlass, eine Verwaltungsfusion vorzuschlagen, sagt er.

Das sei kein Heiratsantrag. Den Wunsch der Heideblicker, ihre Gemeindevertretung und einen eigenen Haushalt zu behalten, könne er verstehen. "In dieser Hinsicht habe ich meine Einstellung geändert und dazugelernt", so Luckaus Bürgermeister.

Eine effizientere Verwaltung - wichtiges Ziel der von Potsdam angestrebten Gemeindeneugliederung - hält Gerald Lehmann auch ohne "Trauschein" für machbar. Seine Idee, zu der er das Gespräch anbietet: Aus zwei Rathäusern wird eins.

Viel zu tun für wenig Leute

Aus Sicht des Luckauer Bürgermeisters wird es mit dünner Personaldecke immer schwieriger, Verwaltungsarbeit zu organisieren. Mindestens drei weitere Mitarbeiter gehen in Luckau in absehbarer Zeit in die Rente. Bei Engpässen habe Heideblick schon ausgeholfen, so im Standesamt. Andererseits bewähre es sich, dass Luckau als Modellkommune zusätzlich zu den eigenen Aufgaben Straßenverkehrsangelegenheiten vom Landkreis übernimmt. "Wenn ein Luckauer Handwerker ein Gerüst aufstellen will, geht er ins Rathaus. Sein Kollege in Heideblick muss mit dem Antrag zum Kreis."

Gerald Lehmann zufolge sollte eine gemeinsame Verwaltung ihren Sitz im Luckauer Rathaus haben. Mitarbeiter aus beiden Kommunen könnten dort die Aufgaben erledigen. Es gäbe dann eine Kämmerei für beide Haushalte oder auch eine gemeinsame Bauverwaltung. Wo wieviel Geld investiert werden soll, entscheiden wie bisher die jeweiligen Gemeindevertretungen. "Das ist ähnlich wie beim Amtsmodell, nur dass es nicht nötig wäre, extra eine Amtsverwaltung aufzubauen", sagt Gerald Lehmann. Er wolle keine Stellenstreichungen, sondern den effizienten Einsatz von Fachkompetenz, betont er.

Auch Heideblicks Bürgermeister Frank Deutschmann (parteilos) sieht Sinn darin, Zusammenarbeit zu vertiefen. "Die Gemeinden tragen eine gemeinsame Verantwortung für die Region", sagt er. Er bevorzugt dafür aber einen anderen Weg als sein Amtskollege in Luckau. "Es gibt die Partnerschaft bereits über öffentlich-rechtliche Vereinbarungen auf verschiedenen Gebieten. Sie sind ausbaufähig und nicht auf Luckau beschränkt", erklärt er. Gut läuft laut Frank Deutschmann die Kooperation beim Bahnbrückenbau, wo seine Gemeinde gegenüber der Deutschen Bahn die Luckauer und Unterspreewälder Belange mit vertritt. Erfolgreich sei aber auch die Partnerschaft von Heideblick mit Lieberose-Oberspreewald bei der Rechnungsprüfung.

Sache der Volksvertretungen

Für Frank Deutschmann entscheidend ist "ein Zusammenwirken auf Augenhöhe". Den Verwaltungssitz abzugeben, lehnt er ab: "Die Bürger brauchen kompetente Ansprechpartner vor Ort." Frank Deutschmann sagt, er sei offen für Anregungen. "Wenn Luckau und Heideblick enger zusammenrücken wollen, müssen die Ideen dafür aber aus den gewählten Volksvertretungen unserer beiden Kommunen kommen", so seine Überzeugung.