| 02:43 Uhr

Luckau nahe Vollbeschäftigung

Lübben/Luckau. Die Arbeitslosigkeit in der Region ist weiter im Sinkflug. Erstmals durchbricht der Geschäftsstellenbezirk Luckau dabei eine Art Schallmauer: die Vier-Prozent-Grenze. Ingvil Schirling

Nach der Auswertung zum Monatswechsel liegt die Arbeitslosenquote in der Berstestadt bei 3,9 Prozent und nähert sich damit der Vollbeschäftigung. Diese sieht Boris Müller als Bereichsleiter des Geschäftsstellenverbunds Dahme-Spreewald zwar erst bei etwa drei Prozent erreicht. Doch die Meinungen gehen auseinander, andere sprechen von vier, sogar fünf Prozent. In jedem Fall ist es die niedrigste Quote in Luckau seit vielen, vielen Jahren.

Zweitbeste Geschäftsstelle im südbrandenburgischen Vergleich ist Königs Wusterhausen mit aktuell 4,4 Prozent. Es folgt Lübben mit 4,9 Prozent. Gegenüber dem Vormonat waren im Juni in der Spreewaldstadt absolut zwölf, prozentual 0,8 Prozent weniger Menschen arbeitslos. Der Rückgang zum Juni 2016 beträgt satte elf Prozent.

Etwas anders sieht es in den südlicheren Geschäftsstellen aus. Sieben Prozent Arbeitslosigkeit verzeichnet der Lübbenauer Raum, in Cottbus sind es 7,3, in Senftenberg 9,4 Prozent. Schlusslicht ist Guben mit 10,1 Prozent.

Frappierend findet Bereichsleiter Müller für Dahme-Spreewald vor allem den drastischen Rückgang der Arbeitslosigkeit unter jungen Menschen. Die Zahl der Männer und Frauen, die jünger als 25 Jahre alt sind und ohne Arbeit waren, hat sich in den vergangenen sechs Jahren, jeweils gemessen im Juni, von 6,6 auf 2,1 Prozent verringert. In Zahlen ausgedrückt, ist das ein Rückgang von rund 700 auf exakt 123 junge Leute.

"Das liegt nicht nur an der Arbeitsmarktpolitik", ordnet Boris Müller ein, "sondern auch an der Bevölkerung." Gemeint ist, dass die Zahl junger Menschen geschrumpft ist - Stichwort demografischer Wandel.

Der Markt entwickelt sich unterm Strich also in eine völlig andere Richtung als gewohnt. Statt vielen Arbeitslosen und wenigen offenen Stellen haben es die Berater, vor allem aber die Unternehmer, jetzt mit einem Überangebot an Arbeitsstellen und deutlich weniger Menschen zu tun, die auf der Suche sind. Diese Schere geht weiter auseinander, wie es der Ausbildungsmarkt besonders deutlich zeigt. Standen sich 2016 noch 825 Bewerber und 789 angebotene Lehrstellen gegenüber, sind es jetzt drei Prozent mehr Stellen als künftige Azubis, nämlich 896 zu 870 allein in Dahme-Spreewald. "Vermutlich wird es nicht gelingen, jede Stelle zu besetzen", sagt Müller. Die Botschaft der Agentur für Arbeit an die jungen Leute ist klar: "Noch vor den Ferien eine Ausbildungsstelle klarmachen!", wie es in einer Pressemitteilung heißt.

Die Unternehmer seien ihrerseits allerdings bisher kaum bereit, "mit Einschränkungen umzugehen", sagt Müller. Er appelliert daran, "weniger auf die Zeugnisse und Unterlagen zu schauen als auf die Person". Komme dann ein Bewerber für eine Lehrstelle dennoch einfach nicht in Frage, "kann dieser auch zunächst ein einjähriges, von der Arbeitsagentur gefördertes Praktikum machen und die Ausbildung dann 2018 beginnen. Dazu beraten wir jederzeit gerne", so der Bereichsleiter.

Zum Thema:
Am 26. Juli bietet die Agentur für Arbeit Gespräche ohne Termin an. Während eines Tages der offenen Tür stehen die Mitarbeiter von 9 bis 14 Uhr in den Räumen an der Weinbergstraße zwischen Bau- und Einkaufsmarkt für Fragen zur Verfügung. "Da geht keiner ohne ein Angebot für einen Ausbildungsplatz raus", so Boris Müller.