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| 02:40 Uhr

Luckau ist fast wie Bayern

Restaurantfachkräfte sind in der Lausitz sehr begehrt. Doch die körperliche Belastung und lange Arbeitszeiten schrecken ab.
Restaurantfachkräfte sind in der Lausitz sehr begehrt. Doch die körperliche Belastung und lange Arbeitszeiten schrecken ab. FOTO: dpa
Cottbus/Bautzen. Die Jugendarbeitslosigkeit sinkt weiter. Insgesamt sind die Arbeitslosenzahlen in Südbrandenburg und Ostsachsen im Juli jedoch leicht angestiegen. Dennoch weist der Monat die niedrigste Quote seit 24 Jahren auf. Anja Brautschek

1190 Jugendliche unter 25 Jahren haben in Südbrandenburg keinen Job. Damit hat sich die Zahl im Vergleich zum Juli 2014 fast halbiert. Die Arbeitslosenquote in dieser Altersgruppe beträgt nun 5,5 Prozent und liegt unter dem brandenburgweiten Durchschnitt von 8,0 Prozent.

Dabei gibt es genügend Ausbildungsstellen in der Region. 1495 Stellen sind in Südbrandenburg noch unbesetzt. 1105 Ausbildungsstellen sind in Ostsachsen frei. Vor allem Kaufleute im Einzelhandel, Köche und Restaurantfachkräfte werden dringend gesucht.

"Das Problem ist, dass sich der Bedarf der Arbeitgeber oft nicht mit den Wünschen der Bewerber deckt", erklärt Sylvia Sahanic, Bereichsleiterin im Agenturbezirk Cottbus, die Problematik. So wollen einige Lehrstellensuchende im kaufmännischen Bereich arbeiten. Schwieriger wird es bereits in der Gastronomie. Azubis für den Kochberuf finden sich kaum, obwohl es 70 freie Lehrstellen allein in Südbrandenburg gibt. Dabei gehörten Köche und Restaurantfachleute noch vor zehn Jahren mit zu den begehrtesten Berufen. "Dienstleistungsberufe sind bei Jugendlichen nicht mehr so beliebt", so Wolfgang Spieß, Bereichsleiter Bildung in der Industrie- und Handelskammer Potsdam. Vor allem die Arbeitszeiten in der Gastronomie schrecken viele ab. Denn Mitarbeiter müssen oft lange und an den Wochenenden arbeiten.

Der Arbeitsmarkt hingegen zeigte im Juli nur wenig Bewegung. Die Arbeitslosenquote stieg in Südbrandenburg leicht an auf 8,8 Prozent (8,7 Prozent im Juni 2015). In Ostsachsen entwickelt sich der Arbeitsmarkt ähnlich. Der Bezirk der Agentur für Arbeit in Bautzen meldet eine Arbeitslosenquote von 9,2 Prozent (9,1 Prozent im Juni 2015).

In Südbrandenburg waren demnach 28 252 Menschen ohne Arbeit - 193 mehr als im Juni. In Ostsachsen stieg die Zahl der Arbeitslosen auf 26 610. Das sind 130 Menschen mehr als noch im Juni. "Diese Schwankungen sind völlig normal", sagt Marion Richter, Geschäftsführerin im Agenturbezirk Cottbus. Zurückzuführen sei dieser Anstieg der Arbeitslosigkeit auf das Ende der Ausbildungen im Sommer. "Einige junge Leute haben noch keine Anschlussbeschäftigung gefunden und sind daher kurze Zeit arbeitslos", so Marion Richter weiter.

Vor allem Callcenter suchen verstärkt Personal. Allein 182 Stellen sind im Bereich Dialogmarketing frei. Aber auch Fachkräfte im Bereich Bauelektrik, Gastronomie und Berufskraftfahrer werden in Südbrandenburg gesucht.

Thomas Berndt, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Agentur für Arbeit Bautzen: "Insbesondere Arbeitgeber aus dem Bereich des verarbeitenden Gewerbes, des Gesundheits- und Sozialwesens und der sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen sind auf Suche nach Arbeitskräften. Daher stieg die Nachfrage nach Personal im zurückliegenden Monat weiter an."

Im Vergleich zum Juli 2014 zeigt sich jedoch ein positiver Trend. Noch vor einem Jahr waren in Südbrandenburg 3418 Personen mehr arbeitslos gemeldet. In Ostsachsen waren im Juli des Vorjahres 1758 Menschen mehr von Arbeitslosigkeit betroffen als in diesem Monat.

Spitzenreiter ist dabei Luckau mit einer Arbeitslosenquote unter fünf Prozent "In Luckau sind wir dicht dran an bayrischen Verhältnissen", sagt Marion Richter. Besonders die Nähe zu Berlin spiele dabei eine große Rolle. Schlusslicht in der Lausitz sind Senftenberg und Forst mit jeweils 12,1 Prozent. "Aber auch hier zeigt sich im Vergleich mit den Vorjahren eine positive Entwicklung", blickt Marion Richter zufrieden auf die Statistiken.