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| 18:45 Uhr

Breitbandausbau
Acker mit Internetanschluss

 Die Traktoren von Milchbauer Joachim Klindworth haben kleine Computer zur Steuerung an Bord. Das kleine schwarze Gerät (oben) ermöglicht die Kommunikation zwischen Bordcomputer und Funkmast.
Die Traktoren von Milchbauer Joachim Klindworth haben kleine Computer zur Steuerung an Bord. Das kleine schwarze Gerät (oben) ermöglicht die Kommunikation zwischen Bordcomputer und Funkmast. FOTO: LR / Liesa Hellmann
Luckau. Digitale Vernetzung ist Thema in der Landwirtschaft. „Luckau.digital“ testet, wie schnelles Internet auf den Hof gelangt. Von Liesa Hellmann

Ein Schwarm kleiner Mähdrescher zieht über ein Feld. Die Maschinen kommunizieren untereinander, gesteuert werden sie zentral aus einem Büro oder auch vom Smartphone aus. So könnte sich Joachim Klindworth, Eigentümer des Milchguts Görlsdorf, die Zukunft für seinen Hof vorstellen. „Fünf kleine Mähdrescher sind besser als ein großer. Wenn eine Maschine ausfällt, kann man mit den vier anderen weiterarbeiten“, sagt er. Die Roboter könnten systematisch agieren und beispielsweise gezielt Stellen bewässern oder Unkraut entfernen. Voraussetzung: schnelles, störungsfreies und flächendeckendes Internet.

„5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig.“ Mit dieser Aussage zum Breitbandausbau hatte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek Ende des vergangenen Jahres für Furore gesorgt. Widerspruch gab es unter anderem vom Deutschen Bauernverband. Bei einem Treffen mit Vertretern aus der regionalen Landwirtschaft, der Kommunalpolitik, des Modellprojekts „Luckau Digital“ und dem parlamentarischen Staatssekretär Michael Stübgen auf dem Milchgut Görlsdorf bekräftigte Peter Pascher noch einmal die Position des Verbandes: „Wir brauchen 5G auf dem Acker.“

Der Begriff 5G steht für die fünfte, kommende Mobilfunkgeneration und soll in Deutschland ab 2020 verfügbar sein. 5G soll zum einen eine sehr schnelle mobile Internetverbindung bereitstellen. Es soll außerdem eine bessere digitale Kommunikation zwischen Maschinen ermöglichen sowie ein Netz zur Verfügung stellen, in dem Daten extrem schnell und sehr zuverlässig übertragen werden. Das ist eine Voraussetzung etwa für das autonome Fahren, da hierzu Daten in Echtzeit übertragen werden müssen.

Im Modellprojekt „Luckau.digital“ wurden für die Region um Luckau etwa 700 Anwendungsfälle identifiziert, die eine schnelle Internetverbindung benötigen, etwa in der Medizin, in der Industrie und im privaten Haushalt. Ein Problem ist derzeit, dass der Netzausbau durch private Telefongesellschaften durchgeführt wird, die sich weniger am tatsächlichen Bedarf als viel mehr an wirtschaftlichen Überlegungen orientieren. Michael Stübgen, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, stellt beim Treffen auf dem Milchgut Görlsdorf klar: „Netzanbindung ist Daseinsvorsorge.“ Das Argument, dass sich der Ausbau von schnellem Internet in ländlichen Gebieten wirtschaftlich nicht lohne, zähle deshalb nicht.

Im Modellprojekt „Luckau.digital“ werden Möglichkeiten erprobt, wie die digitale Infrastruktur in ländlichen Gebieten verbessert werden kann. Die Idee: Nicht jeder Hof muss an ein Glasfaserkabel angeschlossen werden. Stattdessen könnten beispielsweise bestehende Funkmasten an die Kabelverbindung angeschlossen werden. Vom Funkturm aus wird dann mittels einer speziellen Antenne eine Internetverbindung über das Mobilfunknetz angeboten. Im Modellprojekt wurde dies für den Funkturm in Garrenchen realisiert. „Auf diese Weise ist es uns gelungen, einen weißen Fleck mit weitgehend bestehender Infrastruktur zu schließen“, erklärt Markus Fessler, der den Breitbandausbau im Rahmen des Modellprojekts aus technologischer Sicht beurteilt.

Um Garrenchen gibt es nun also schnelles Internet gewissermaßen „auf dem Acker“ – doch was bringt das konkret?

Das Milchgut Görlsdorf besitzt auf seinen Feldern sechs Beregnungsanlagen. „Früher musste ein Mitarbeiter auf das Feld fahren, um eine Beregnungsanlage anzuschalten oder einzustellen“, erklärt Jan Niechciol, Systemadministrator des Milchguts. Heute erfolgt die Überwachung der Anlagen digital, sie werden vom Büro aus gesteuert. Das spare Zeit, Arbeitsaufwand und Arbeitskräfte. „Unsere Mitarbeiter können die Anlagen von zu Hause aus am Frühstückstisch anschalten“, sagt Niechciol. Dazu ist eine Netzabdeckung auf dem kompletten Feld vonnöten. Auch die Biogasanlage des Hofes wird digital überwacht und gesteuert. Bereits jetzt haben die Landmaschinen von Joachim Klindworth kleine Computer an Bord, die unter anderem zur Steuerung dienen. Mittels eines kleinen zusätzlichen Geräts, dass wie ein WLAN-Hotspot funktioniert, können sie über die Verbindung zum Funkmast die Daten an die Computer im Büro senden oder von ihnen empfangen.

 Die Traktoren von Milchbauer Joachim Klindworth haben kleine Computer zur Steuerung an Bord. Allerdings konnten sie sich bisher nicht mit den Bürocomputern verbinden. Abhilfe schafft das kleine schwarze Gerät: Es funktioniert wie ein WLAN Hotspot und ermöglicht die Kommunikation zwischen Bordcomputer und Funkmast.
Die Traktoren von Milchbauer Joachim Klindworth haben kleine Computer zur Steuerung an Bord. Allerdings konnten sie sich bisher nicht mit den Bürocomputern verbinden. Abhilfe schafft das kleine schwarze Gerät: Es funktioniert wie ein WLAN Hotspot und ermöglicht die Kommunikation zwischen Bordcomputer und Funkmast. FOTO: LR / Liesa Hellmann