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Luckau bleibt hart: Keine Mühlen in Alteno

Zwei Stromerzeuger auf einen Blick: ein Windrad vor dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde.
Zwei Stromerzeuger auf einen Blick: ein Windrad vor dem Braunkohlekraftwerk Jänschwalde. FOTO: dpa
Luckau. Nach dem Ostteil soll auch der Westteil des rund 100 Hektar großen Industriegebietes Luckau-Alteno für Windkraft tabu sein. Mehrheitlich haben sich die Stadtverordneten am Donnerstagabend für eine Änderung des Bebauungsplanes ausgesprochen. Carmen Berg

Die Abgeordneten knüpften damit an ihren Beschluss aus der Sondersitzung vom 13. Oktober zum Ostteil an. Den Prozess in Gang gesetzt hatte das Vorhaben der Firma Notus Energy aus Potsdam, im Industriegebiet auf rund 4,5 Hektar, die der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) Dahme-Spreewald gehören, eine Pilotanlage zur Speicherung alternativer Energien samt eines Windrades zu bauen. Nicht der Speicher war für die Luckauer das Problem, wohl aber das Windrad. Laut Notus-Geschäftsführer Jan Schröder ist es nötig, um die Pilotanlage zu realisieren. Die Luckauer aber haben mit der Dubener Platte das größte Windeignungsgebiet der Planungsregion Lausitz-Spreewald vor der Tür und wehren sich gegen ein weiteres Vorrücken von Windkraft über die B 87 hinaus. Kritiker befürchten trotz vertraglicher Sicherungsangebote, die die WFG und Notus während der Sondersitzung unterbreiteten, durch den geplanten Flügelturm einen Dammbruch.

Beim Beschluss für den Ostteil war Eile geboten, weil der Notus-Antrag für das Windrad beim Landesumweltamt unmittelbar vor einer Entscheidung stand, begründete Bauamtsmitarbeiter Lutz Borner am Donnerstagabend die Beschlussfassung in zwei Etappen.

Erneut pro und kontra

Nichts desto trotz kochte der Streit, ob es richtig war, mit dem Nein zum Windrad den Modellversuch zu kippen, erneut hoch. "Auch ich bin gegen eine weitere Verspargelung", sagte beispielsweise Lothar Treder-Schmidt (Luckau-Land/Grüne). Aus seiner Sicht aber hätten die vertraglichen Sicherungsklauseln dagegen Schutz geboten. Zudem würde die Pilotanlage dem Industriegebiet Attraktivität verleihen. Der fraktionslose Abgeordnete Frank Perka hätte sich vor einem Nein den Rat der Wissenschaft gewünscht, wie zukunftsträchtig die Druckluftspeicherung ist. Bedenken anderer Art führte Olaf Schulze (CDU) an. Aus seiner Sicht greift es zu kurz, nur so genannte Raum bedeutsame Anlagen im Industriegebiet auszuschließen. Denn Mühlen, die nicht unter diese Kategorie fallen, könnten nach jüngeren Urteilen durchaus ebenfalls bis 100 Meter hoch werden. Andere Abgeordnete fürchteten, den Luckauern könnten ihre Beschlüsse als Verhinderungsplanung ausgelegt und sie dafür zur Rechenschaft gezogen werden. "Mut ist angesagt", hielt Harry Müller (UWG/FDP) dagegen. Sein Fraktionskollege Sven Off erklärte, den Bürgern seien weitere Windkraftanlagen kaum zu vermitteln.

In namentlicher Abstimmung votierten zehn Abgeordnete für den Ausschluss von Windkraft durch eine Änderung des Bebauungsplanes, drei waren dagegen, drei enthielten sich."Notus wird auch ohne uns einen Markt finden", sagte Sven Off und könnte Recht behalten.

Neuer Anlauf bei Nachbarn

In der Gemeinde Schönwald im Unterspreewald gilt das Potsdamer Unternehmen seit Langem als verlässlicher Partner, wie Bürgermeister Roland Gefreiter (parteilos) gegenüber der RUNDSCHAU bestätigte. "Wir sind für die Modellanlage deshalb grundsätzlich aufgeschlossen", sagt er.

In der Sitzung der Gemeindevertreter von Schönwald am Montag, 7. November, um 19 Uhr im Feuerwehrhaus im Ortsteil Schönwalde will Notus den Druckluftspeicher vorstellen. "Sollte das Vorhaben bei uns realisiert werden können, wären die Gemarkungen Schönwalde und Freiwalde betroffen", so Roland Gefreiter. Deshalb sind zu dem Vortrag auch die Gemeindevertreter von Bersteland, zu dem Freiwalde gehört, und alle interessierten Bürger eingeladen.