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Luckau auf dem Holzweg: Stadt ist älter als gedacht

Cathérine Korluß 2013 in der Luckauer Hauptstraße. Ihr Kollege René Irrgang reicht ihr einen geborgenen Teil des alten Holzwegs.
Cathérine Korluß 2013 in der Luckauer Hauptstraße. Ihr Kollege René Irrgang reicht ihr einen geborgenen Teil des alten Holzwegs. FOTO: be
Luckau. Luckau ist rund 100 Jahre älter als eine erste urkundliche Erwähnung. Archäologische Funde in der Hauptstraße zeigen, dass dort schon um 1200 reger Verkehr herrschte. Daniel Schauff

Beim Menschen ist es relativ einfach, das Alter festzustellen. Es steht im Ausweis. Und bei Städten? Historiker verlassen sich da auf das, was niedergeschrieben wurde: Luckau, erste Erwähnung 1276. Damit wäre die Berstestadt 739 Jahre alt.

Nein, sagen Archäologen. Denn damit Luckau überhaupt urkundlich erwähnt werden konnte, musste es ja irgendwie schon zur Stadt geworden sein. Und das geschah nach den Schätzungen der Archäologin Cathérine Korluß bereits 100 Jahre vor der ersten urkundlichen Erwähnung. Funde unterhalb der heutigen Luckauer Hauptstraße sprechen dafür.

Sommer 2013: Die Arbeiten an der Hauptstraße sind im vollen Gang. Die Leitungen müssen neu verlegt werden. Da stoßen die Archäologen auf eine alte Wegbefestigung aus Holz. Der Bau verzögert sich. Cathérine Korluß, damals Grabungsleiterin im Auftrag der Cottbuser Firma "ABBU - Archäologische BauBegleitende Untersuchungen", betont auch heute noch, wie unschätzbar wertvoll die Funde sind. Die älteste Wegbefestigung, die die Archäologen entdecken, wurde vermutlich bereits 1190 erbaut, knapp ein Jahrhundert, bevor Luckau das erste Mal den Weg in eine Urkunde fand.

Knapp zwei Jahre hat es gedauert, bis sämtliche Funde ausgewertet waren und die Ergebnisse in der Luckauer Kulturkirche vorgestellt werden können

Der Holzweg, eine billige und nur selten verwendete Methode, um Straßen zu befestigen, ist zwar das Kernstück der Grabungen gewesen, darüber hinaus aber kann Cathérine Korluß von weiteren spannenden Zeitzeugnissen berichten. Zunächst seien da die zahlreichen Hufeisen, die die Pferde auf dem unebenen, mit Reisig abgedichtetem Holzweg verloren haben. Darüber hinaus sei man aber auch auf eine Holz-Rohrleitung gestoßen, wahrscheinlich aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Keramische Funde aus rund 150 Jahren Luckauer Geschichte von Mitte des zwölften Jahrhunderts bis ins späte 13. Jahrhundert beinhalten unter anderem ein Tonpferd, mit dem Kinder gespielt haben. Imitate von aus dem Rheinland stammender Pingsdorfer Keramik zeugen von einem bereits damals regen Austausch mit Händlern aus anderen Teilen Deutschlands.

Eine vergoldete Gürtelschnalle lässt darauf schließen, dass auf der Hauptstraße im 13. Jahrhundert auch die wohlhabende Bevölkerung unterwegs war. Die Straße war offenbar vor allem ein Weg für den überregionalen Handelsverkehr, sagt Cathérine Korluß. Ihre Funde bestätigen also, dass Luckau bereits um 1200 ein Zentrum in der Niederlausitz war.