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| 08:14 Uhr

Streit unter Jugendlichen an Schule
AfD-Kundgebung mit Gegenbewegung auf Luckauer Marktplatz

 Am Mittwochabend hat die AfD eine Kundgebung auf dem Luckauer Marktplatz veranstaltet. Zu den Zuhörern gehörten nicht nur Luckauer.
Am Mittwochabend hat die AfD eine Kundgebung auf dem Luckauer Marktplatz veranstaltet. Zu den Zuhörern gehörten nicht nur Luckauer. FOTO: LR / Henry Berner
Luckau. Die AfD hat am Mittwochabend eine Kundgebung auf dem Luckauer Marktplatz abgehalten. Bürger, Vereine und Institutionen haben sich zum Gegenprotest solidarisiert. Von Anja Brautschek

Eine Wahlkampfveranstaltung hat die AfD am Mittwochabend auf dem Marktplatz in Luckau abgehalten. Während der Kundgebung haben unter anderem die Landtagskandidaten Christoph Berndt und Lars Schieske, Landeschef Andreas Kalbitz sowie Nicole Hanczyk und die Jugendliche Marla zum Publikum gesprochen. Der Marktplatz war gut gefüllt. Zu Ausschreitungen ist es dabei nicht gekommen.

Christoph Berndt bezog sich in seiner Rede unter anderem auf den Vorfall an der Luckauer Oberschule „An der Schanze“ am Freitag. Ein Konflikt unter Schülern ist dabei eskaliert und endete in einer körperlichen Auseinandersetzung, durch die ein 16-Jähriger ambulant im Krankenhaus behandelt werden musste. „Die Gewalt an Schulen ist ein riesiges und wachsendes Problem“, sagt er. Konflikte gehen aus seiner Sicht verstärkt von Schülern mit Migrationshintergrund aus. Auch die 14-jährige Marla aus Cottbus fühle sich zunehmend unsicherer in der Stadt. Der Lausitzer Rundschau wirft Berndt in diesem Zusammenhang immer wieder mangelnde Kritik und Verniedlichungen vor.

Unwahrheiten werden in sozialen Medien verbreitet

„Es werden Halbwahrheiten verbreitet. Das kann ich nicht akzeptieren“, sagt Bürgermeister Gerald Lehmann. Er selbst hat sich an der Schule bereits über die Auseinandersetzung informiert. Stadt und Schule werden den Vorfall weiter aufarbeiten. Dabei ist ein verbaler Streit unter Jugendlichen eskaliert. Gegen drei Tatverdächtige, zum Teil mit Migrationshintergrund, wird wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt. Die Polizei stellt dazu in einer Mitteilung klar: Ein politisch motivierter Hintergrund sowie in sozialen Medien kolportierte Behauptungen, es würde sich um Machtgebahren mit ethnischen Hintergrund handeln, entsprechen nicht den Tatsachen.“ Auch Behauptungen, ein weiteres Mädchen sei in ein Gebüsch gezogen und körperlich misshandelt worden, sind laut Polizei unwahr.

Kalbitz kritisierte darüber hinaus die mangelnde Ost-West-Angleichung und Asylpolitik des Landes. „Wir wollen eine Sozialpolitik für die Menschen in unserem Land“, sagt er. Er stellt aber klar: Die AfD sei nicht ausländerfeindlich, sondern inländerfreundlich. Gefahr komme aus seiner Sicht allerdings vom Islam.

 Zur Kundgebung der AfD forderten Luckauer mit Gesängen zu mehr Toleranz auf.
Zur Kundgebung der AfD forderten Luckauer mit Gesängen zu mehr Toleranz auf. FOTO: LR / Henry Berner

Luckauer entgegnen Kalbitz mit Buh-Rufen

Aussagen wie diesen entgegen Luckauer immer wieder mit Buh-Rufen, Pfeifkonzerten und Gesängen. „Die Welt ist bunt. Und das ist auch gut so“, wird den Redebeträgen entgegnet.

Mitglieder der Kirche, des Vereins Mensch Luckau und verschiedener Parteien haben sich zu einer Gegenbewegung zusammengefunden. An Informationsständen erläuterten sie, wie weltoffen die Stadt seit dem Mittelalter ist. Blei aus dem Orient, Stoffe aus Bagdad oder Samt aus Frankreich waren zu finden. Internationale Handelsbeziehungen haben Luckau zu einer wohlhabenden Stadt gemacht. „Das wurde erreicht, indem man mit anderen Menschen in Kontakt stand, weltoffen war und Ideen ausgetauscht hat“, sagt Pfarrer Martin Meyer. Die Zukunft der Heimat liege aus seiner Sicht im Miteinander, und nicht, sich davor zu verschließen.

In einem großen Chor stimmen sie immer wieder an: „Hejo – leben wir unseren Traum. Lasst in Luckau Faschos keinen Raum. Reiht euch solidarisch ein. Kämpft zusammen, nicht allein“. Lothar Treder-Schmidt erklärt: „Wir möchten damit aufzeigen, dass es auch ein anderes Deutschland gibt.“