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| 18:19 Uhr

LR vor Ort
Einwohner wollen sichere Ortsdurchfahrt

Die Kinder der Kita Waldwichtel müssen fast täglich die B 96 überqueren. Durch einen fehlenden Gehweg und einer schlecht einsehbaren Straße ist das nicht ungefährlich.
Die Kinder der Kita Waldwichtel müssen fast täglich die B 96 überqueren. Durch einen fehlenden Gehweg und einer schlecht einsehbaren Straße ist das nicht ungefährlich. FOTO: Vogt Uwe
Gießmannsdorf . Gießmannsdorfer kämpfen seit Jahren für Tempolimit und Radweg. LR vor Ort beleuchtet verschiedene Hürden.

Die Kita liegt direkt an der viel befahrenen Bundesstraße 96, die Radwegverbindung nach Luckau fehlt, und die Kurve an der Lindenallee ist für Fußgänger und Autofahrer nur schlecht einsehbar: In Gießmannsdorf gibt es gleich mehrere Baustellen zu bewältigen. Seit Jahren setzen sich der Ortsbeirat und die Anwohner deshalb für eine Verbesserung im Ort ein.

Um die Sicherheit der Anwohner und der Kinder der Kita „Waldwichtel“ zu gewährleisten, fordern sie vor allem Tempo 30 im Ort. Denn die festgelegten 50 Stundenkilometer halten viele Autofahrer nicht ein, sagt der Ortsbeirat. Vor allem für Fußgänger, die die Straße überqueren wollen, kann das gefährlich werden. Doch bislang waren die Bemühungen weitestgehend vergeblich.

Seit 2015 kämpfen sie für eine dauerhafte Herabsenkung der Geschwindigkeit. Durch eine Baustelle in der Zieckauer Chaussee wurde die Ortsdurchfahrt in dieser Zeit vorübergehend auf 30 Stundenkilometer festgesetzt. „Wir waren davon sehr angetan. Das hat sich positiv bemerkbar gemacht“, sagt Ortsvorsteher Thomas Weichert. Doch der Antrag wurde aus formalen Gründen abgelehnt. Dem Ortsbeirat fehlt das Sachbescheidungsinteresse für diese Entscheidung. Also wandten sie sich an das Straßenverkehrsamt des Landkreises Dahme-Spreewald. Eine Unterschriftenliste zeigte das Interesse der Gießmannsdorfer für diese Forderung. 158 Unterschriften wurden für eine Tempo-30-Zone gesammelt – bei insgesamt rund 210 Einwohner sind das deutlich mehr als die Hälfte.

Eine Verkehrszählung im Mai 2016 zeigte zudem, dass das Verkehrsaufkommen mit 2505 Fahrzeugen in einer Woche im Vergleich zum Vorjahr nur leicht gestiegen ist. Anders, als von den Anwohnern wahrgenommen, liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit in Gießmannsdorf laut dieser Messung nur minimal über 50 Stundenkilometer. Das Straßenverkehrsamt schlussfolgert daraus, dass im Vergleich zum Bundestrend die durchschnittliche Verkehrsstärke für diese Bundesstraße eher gering sei. Eine generelle Herabsenkung der Geschwindigkeit ist aus Sicht des Straßenverkehrsamtes deshalb  bislang nicht notwendig.

Um die Sicherheit für Fußgänger dennoch zu erhöhen und insbesondere die Sogwirkung durch Lkws zu minimieren, dürfen Lkws seit dem vergangenen Jahr in Gießmannsdorf nur noch 30 km/h fahren.

Dem Ortsbeirat reicht dieser Kompromiss allerdings nicht. „Wenn Autos zu schnell fahren, ist das genauso gefährlich. Gleichzeitig ist in der Kurve die Geschwindigkeit der Fahrzeuge nur schwer einzuschätzen. Man kann nur etwa 20 Meter einsehen“, beklagt Ortsbeiratsmitglied Uwe Vogt. Um vor allem die Situation vor der Kita am Ortseingang zu verbessern, setzen sie auf eine Novellierung der Straßenverkehrsordnung. Demnach sind Schulen und Kitas aufgrund des hohen Abhol- und Bringeverkehrs besonders schützenswert. Besteht ein direkter Zugang zur Straße, so ist dies nach der Gesetzesänderung ein ausreichender Grund für ein Tempolimit.

Doch genau dieser Fakt ist seit Wochen ein Streitpunkt zwischen dem Straßenverkehrsamt und den Gießmannsdorfern. Denn zwischen Kita-Eingang und Straße befindet sich eine abzweigende Busspur. Diese gehört laut Katasteramt zum Grundstück der Kita „Waldwichtel“. Doch ist damit eine direkter Zugang gegeben? Nein, sagt bisher das Straßenverkehrsamt. Für Uwe Vogt und Ortsvorsteher Thomas Weichert ist diese Schlussfolgerung unverständlich. Sie sehen das Tempolimit trotz Busspur gerechtfertigt und stehen zu ihrer Forderung. „Es geht hier nicht mehr um die Kinder, sondern, wer den längeren Atem hat“, ärgert sich Uwe Vogt. Denn die Kinder der Kita wechseln beinahe täglich die Straße, um zum Wald oder zum Sportplatz zu gelangen. Da am Ortseingang bislang kein Gehweg gebaut ist, müssen die Sprösslinge dafür oft minutenlang am Straßenrand mitten auf einem Feld stehen. Wann der Geh- und Radweg nach Wierigsdorf erschlossen wird und wie die Strecke an Gießmannsdorf anschließt, kann derzeit noch nicht gesagt werden. Wie Steffen Kleiner, Dezernatsleiter Planung Süd beim Landesbetrieb Straßenwesen betont, laufen derzeit die Planungen dafür noch. Die Gießmannsdorfer hoffen auf eine schnelle Umsetzung.

Damit die Kurve an der Kreuzung Lindenallee besser einsehbar ist, wurde unter anderem ein Spiegel angebracht.
Damit die Kurve an der Kreuzung Lindenallee besser einsehbar ist, wurde unter anderem ein Spiegel angebracht. FOTO: Anja Brautschek / LR
LR vor Ort 4c
LR vor Ort 4c FOTO: LR