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Loge will mehr Wohn- und Lebensqualität

Landrat Stephan Loge (SPD).
Landrat Stephan Loge (SPD). FOTO: Settnik/dpa
Lübben/Luckau. Luckau steuert auf Vollbeschäftigung zu, die Arbeitslosigkeit in Dahme-Spreewald ist so niedrig wie noch nie. "Wir haben mittlerweile in allen Bereichen Fachkräftemangel. Ingvil Schirling

Der Tourismus beginnt deshalb sogar zu wackeln", schätzt Landrat Stephan Loge (SPD) ein. Sein Ziel für Dahme-Spreewald ist nach wie vor, die Wohn- und Lebensqualität zu verbessern, um mehr Menschen und damit Fachkräfte anzuziehen und die Region zu entwickeln. "Die Infrastruktur muss folgen - auf allen Ebenen", skizziert er.

Den Strukturwandel im Süden Brandenburgs will er zum Anlass nehmen, dort um Fachkräfte zu werben. Deshalb treibt er die neue Wirtschaftsregion Lausitz voran. Für das nicht unumstrittene Projekt hatte er sich wiederholt stark gemacht. "Landrat Siegurd Heinze aus Oberspreewald-Lausitz hat sich neulich am Rande einer Veranstaltung für die solidarische Haltung von Dahme-Spreewald in Richtung Südbrandenburg bedankt", so Loge. "Die hat aber auch einen gewissen Eigennutz", gibt er unumwunden zu. "Wir haben jetzt schon 1600 freie Arbeitsplätze - und das ohne den Flughafen", sagt er. "Die Sorgen der Umstrukturierung möchte ich mir gern zum Vorteil machen", begründet er die Werbung um Fachkräfte auch im Süden des Landes.

Die Zahl der Ein- und Auspendler aus Berlin nach Dahme-Spreewald und umgekehrt bewegt sich ihm zufolge auf eine Waage zu. Früher seien etwa vier Mal so viel Dahme-Spreewälder zur Arbeit in die Hauptstadt gefahren als umgekehrt. 35 400 LDSer pendeln derzeit Landkreis-Zahlen zufolge nach außerhalb, 27 900 kommen täglich zur Arbeit ins Kreisgebiet. Nach Berlin fahren 24 000, aus Berlin kommen knapp 16 000. In Cottbus arbeiten gut 1000 Dahme-Spreewälder, etwa die Hälfte sind es umgekehrt. Auch da sieht Landrat Loge Potenzial.

Infrastruktur spielt für ihn dabei eine zentrale Rolle. Das Bekenntnis der gemeinsamen Kabinettssitzung Brandenburg-Sachsen zum zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Lübbenau - Cottbus und zum sechsspurigen Ausbau der A13 hält er nach wie vor für bedeutend - auch wenn ihm der Lübbener Andreas Rieger vorwarf, darauf wenig Einfluss zu haben, zumal beide Projekte im Bundesverkehrswegeplan in der untersten Kategorie "weitere Projekte" eingestuft sind. Zumindest für die Eisenbahnstrecke hält Loge die Priorisierung im Bundesverkehrswegeplan allerdings nicht für entscheidend.

Zur Infrastruktur gehören weiterhin Kitas, Schulen und soziale Einrichtungen. Auch da will Stephan Loge darauf hinwirken, dass das Angebot der wachsenden Einwohnerzahl angepasst wird.

Sein Hauptaugenmerk liegt auf dem Wohnungsbau. "Wir müssen schlagartig die Kapazitäten erhöhen", sagt er. "Im Norden haben wir schon einiges hingekriegt. Der Süden macht mir Sorgen." Bereits vor einem Jahr bot er namens des Kreises der Stadt Lübben Unterstützung an bei der Erweiterung des Bahnhofsumfelds mit Tunnel, Parkplätzen und Wohnungen.

Inzwischen haben zwar private Bauherren am ehemaligen Exerzierplatz gegenüber dem Bahnhof einiges errichtet. Für Stephan Loge längst nicht ausreichend. "Wenn da nichts passiert, kann ich für Lübben keine besondere Entwicklung sehen", kritisiert er.

In der Kreisverwaltung gibt es seit neuestem eine Stelle für Wohnungsbauverwaltung, die Loges direktem Zuständigkeitsbereich zugeordnet ist. Dort hat man sich mit der Zahl und Aufgliederung von Wohnungen in Dahme-Spreewald beschäftigt. Geschätzt wird, dass es aktuell insgesamt 80 000 Wohnungen gibt, etwa zur Hälfte selbst genutzt in Einfamilienhäusern und vermietet im Geschosswohnungsbau. Von letzteren 40 000 Mietwohnungen seien rund 15 000 in kommunaler und etwa 25 000 in privater Hand. Soziale Wohnungen gibt es landkreisweit weniger als 2000, geht aus diesen Zahlen hervor. Darunter werden wiederum 1203 von Kommunen und 767 von privat vermietet. Dieser Bestand, den Loge für viel zu niedrig hält, verringert sich jährlich weiter, weil die Fördermittelbindung ausläuft.

Gebaut wird unterdessen sehr viel in Dahme-Spreewald: Schon jetzt, im August, hat das Bauordnungsamt zufolge mehr künftige Wohneinheiten genehmigt als im gesamten Jahr 2016, nämlich 1673. Vergangenes Jahr waren es 1428.

Doch die Gebiete konzentrieren sich diesen Zahlen zufolge auf Königs Wusterhausen und Ortsteile, Schulzendorf, Wildau, Mittenwalde und Schönefeld. Insgesamt, vor allem aber im Süden, "bewegt sich schon was, aber nicht in der notwendigen Dimension", schätzt Loge ein.

Weil die Einwohnerzahl wächst, Fachkräfte gebraucht werden und Infrastruktur wichtig ist, spricht er sich für die Lübbener Umgehungsstraße aus. Hauptargumente sind das hohe Verkehrsaufkommen in der Stadt und, dass sich in Lübben die einzige Spreequerung im Umkreis von vielen Kilometern befindet.

Gemeinsam mit Ämtern und Gemeinden will Loge an einer Kooperation in Sachen Wohnungsbau, Wirtschaftsförderung und Tourismus arbeiten. Das Ziel sei, die Wohn- und Lebensqualität zu erhöhen. Ein Grobkonzept hat er sich bereits erarbeiten lassen. Es geht im Kern um die Klärung, wer was leisten kann.